Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Fotografie-Ausstellung in der Stadtteilbibliothek mit Werken von Roswitha Flury und Michael Kunze

Bilder kreativ komponiert

Archivartikel

In der Bibliothek von Friedrichsfeld wurde jetzt eine Fotografie-Ausstellung eröffnet. Kristin Hätterich vom Förderverein begrüßte knapp 40 Gäste. Die Fotografen Roswitha Flury und Michael Kunze zeigen im Rahmen der Ausstellung, dass zwischen „richtigem“ Fotografieren und dem Knipsen von Selfies tatsächlich eine riesige Kluft besteht.

Wahllosem Betätigen des Auslösers auf dem Handy steht wohlüberlegtes, vor allem kreatives Komponieren von Bildern gegenüber. So gehört für Flury festes Schuhwerk zur Ausrüstung. Denn die Objekte ihrer fotografischen Begierde finden sich nicht immer im heimischen Umfeld. Ihr Herz schlägt für Baustellen, für interessante Lichtobjekte oder zerfledderte Plakatwände. Kurz, gewöhnliche, vertraute Dinge des Alltags – nur genauer betrachtet und nicht immer vor der Haustür.

Aber gelegentlich stolpert sie auch sprichwörtlich über etwas, das sie fasziniert. Nicht einfach auslösen! Das Spiel mit Licht und Schatten zu verschiedenen Tageszeiten, sich verändernden Blickwinkeln oder Farben – viele Aspekte des Gestaltens spielen bei Flury eine Rolle. Bis zum fertigen, dem richtigen Bild, vergeht schon mal Zeit. Für Flurys Fotografien steht der Vorgang des Sehens und Entdeckens von Motiven als kreativer Akt im Vordergrund, inspiriert durch einen Spruch Leonardo da Vincis: „Betrachte den Flecken an der Wand, die Asche im Ofen, die Wolken oder den Rinnstein! Beim genaueren Beobachten wirst Du dort Wunderbares entdecken!“

Aufwändige Technik

Michael Kunzes Motto lehnt sich an Antoine de Saint-Exupéry an: „Ein gutes Bild ist nicht dann erreicht, wenn man nichts hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann“ Seine Aufnahmen sind noch viel weniger etwas für Ungeduldige. Technisch äußerst aufwändig kann es auch „heute“ noch schon mal zwei Tage dauern, bis das Ergebnis den Vorstellungen des Künstlers entspricht. Ein langes Heute also. Wobei sein erstes „gelungenes“ Foto mehrere Wochen des Ausprobierens in Anspruch nahm. Mit bis zu vier Blitzgeräten, farbigen Hintergründen, mit Folie verändertes Blitzlicht und mit Lebensmittelfarbe verändertem Wasser – schon die Vorbereitungen dauern „ewig“. Und schließlich müssen die zwei oder drei Tropfen, die das Arrangement vollenden sollen, auch im richtigen Moment das formen, was ein gutes Bild ausmacht. Kunze betont: „Die Fotos sind so zu sehen, wie ich sie fotografiert habe. Da ist kein Computer im Spiel!“ Neben der Kurzzeitfotografie zeigt Kunze auch „Landschaften am Meer“, wobei er malerisch bewegte Momente einfängt. Die Besucher der Ausstellungseröffnung fanden unter den drei Stilen, welche die Fotografen hier zeigen, zumindest eine Richtung, die sie begeisterte. Ob Flurys „ungewöhnliche Sichtweisen“ oder Kunzes „Kurzzeitfotografie“ mit den Tropfenbildern sowie seine Landschaftsfotografien, bei denen Fotos wie gemalt wirken, die Ergebnisse sind umwerfend. Die Ausstellung zur Photografie (aus dem Altgriechischen frei zu übersetzen mit „zeichnen mit Licht“) verleiht der kleinen Bibliothek Glanz und ist einen Besuch wert. dithu