Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Theatergruppe gibt bei fünf Auftritten einen Einblick in die WG einer Irrenanstalt / Schauspieler überzeugen

Eine verrückte Wohngemeinschaft

Archivartikel

„Am Ende werden sich alle fragen: Wer ist eigentlich normal und wer verrückt?“ Mit dieser Frage bereitete Dirk Kappes, der Vorsitzende des Friedrichsfelder Turnvereins, die Gäste auf das diesjährige Stück der örtlichen Theatergruppe vor. „Neurosige Zeiten“ – so vielversprechend sich der Titel dieses Lustspiels in drei Akten nach Winnie Abel auch anhören mochte, mit einer Irrenanstalt auf der Bühne hatte von den Zuschauern kaum einer gerechnet.

Zum diesjährigen Ensemble gehörten sowohl ein Zwangsneurotiker (Gerd Gohlke) als auch eine Stalkerin (Karin Lutz), ein Soziophob (Marcel Jarmuty) und eine sexsüchtige Hotelerbin (Viola Doll). In einer Irrenanstalt, in der alles drunter und drüber ging, gab es auch noch die Psychiaterin, gespielt von Natascha Siesz, sowie einen liebenswürdigen Beschäftigungstherapeuten (Peter Großmann).

Die Theatergruppe schaffte es, die Zuschauer bei fünf Auftritten mit reichlich Lokalkolorit und witzigen Pointen zu begeistern. Den Auftakt machte wie immer die Darbietung bei der Weihnachtsfeier des Turnvereins Friedrichsfeld. „Diesmal sind wir alle irgendwie sehr nervös“, sagte Karin Lutz kurz vor der Premiere. Aber live sei eben nun einmal live, da lasse sich nichts daran ändern.

Im Negligé auf dem Sofa

Als dann der Vorhang fiel, war von dieser anfänglichen Nervosität aber kaum noch etwas zu bemerken. Die Schauspieler gingen voll in ihrer persönlichen Rolle auf, die sie sich über drei Monate hinweg in unzähligen Proben angeeignet hatten.

Am Anfang des Stücks ertönte das Lied „Je t’aime ... Moi non plus“ (dt. ich liebe Dich ... ich auch nicht) von Jane Birkin und Serge Gainsbourg, das die Turnhalle erotisch auflud. Die im Negligé, also einem dünnen Nachthemd, auf dem Sofa sitzende Sexsüchtige Agnes Adolon verlieh der ersten Szene viel Charme, sodass mehr als einmal ein „ohlala“ aus dem Publikum zu vernehmen war.

Dass es sich bei der Wohnkonstellation von Agnes, Hans, Marianne und Willi nicht um eine gewöhnliche Wohngemeinschaft (WG), sondern um eine WG in einer Psychiatrie handelte, wurde erstmals richtig deutlich, als die zuständige Psychiaterin Dr. Dr. Ilse Schanz damit drohte, das Projekt aufzulösen.

Im Laufe des Stücks setzten die Mitbewohner alles daran, genau das zu verhindern. Dass dabei eine Tupperberaterin (Jutta Preißendörfer) zu Schaden kam, nahmen alle Parteien hin. Die Auftritte von Agnes’ Mutter Cécile Adolon (Irmgard Kahle), dem Volksmusikstar Hardi Hammer (Peter Manges) und dessen begleitendem Reporter der Bild-Zeitung (Peter Großmann) versetzten die WG in zusätzliches Chaos.

Lob für alle Beteiligten

Zahlreiche Missverständnisse durften natürlich nicht fehlen: So kam es etwa zur Zwangseinweisung von Cécile. Da diese aber nicht mit rechten Dingen zuging, bot sie die perfekte Grundlage, um die Psychiaterin zu erpressen. Das Fortbestehen der WG war gesichert. „Ihr seid wirklich die beste Irren-WG auf der ganzen Welt“, freute sich Agnes zum Schluss.

Wahrscheinlich würden die Schauspieler dies auch über die Theatergruppe sagen. Der gute Zusammenhalt der Truppe gab dem Stück den notwendigen Charme. So wurden auch kleine Versprecher oder das gelegentliche Vergessen der Texte beim Publikum nicht als Patzer wahrgenommen.

Die Souffleuse Erika Kappes gehört praktisch schon zum festen Bestandteil des Schauspielensembles dazu. So war es nicht verwunderlich, dass der Applaus am Ende der jeweiligen Auftritte kaum ein Ende nahm, was den Schauspielern immer wieder ein glückliches Lächeln ins Gesicht zauberte.

Auch den Technikern Joachim Fritsch und Dieter Preißendörfer gebührte das Lob des Publikums. So blickte die Gruppe mit ein wenig Nostalgie auf insgesamt fünf gelungene Auftritte zurück und freute sich schon darauf, die Zuschauer auch im nächsten Jahr wieder mit einer Darbietung zum Lachen zu bringen.