Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Oberbürgermeister Peter Kurz kommt mit zwei Bürgermeisterinnen und einem halben Dutzend Stadträten zum Ortstermin mit den Bürgern

Erfolg für Kita, kleine Schritte bei Parken

Das war nun wirklich nicht vorauszusehen: Ganz am Schluss erhält die Stadtspitze bei ihrem Ortstermin in Friedrichsfeld gestern Abend sogar Applaus von Eltern und Erzieherinnen. Denn die vierte Kindergartengruppe soll erhalten bleiben – ein Anliegen, für das der Stadtteil das ganze Jahr 2018 über gekämpft hat.

Das ist die zentrale Nachricht des Termins, zu dem Oberbürgermeister Peter Kurz mit den Bürgermeisterinnen Ulrike Freundlieb (Jugend) und Felicitas Kubala (Umwelt) sowie einem halben Dutzend Stadträten aller Fraktionen gestern Nachmittag in den kleinen Vorort anreist.

Doch dieser positive Verlauf ist keineswegs vorhersehbar, als die Stadtspitze mit den zahlreich erschienenen Bürgern vor dem Pfarramt der Johannes-Calvin-Gemeinde in der Wallonenstraße zusammentrifft. Anfangs ist die Stimmung fast so frostig wie die Außentemperaturen. Eltern und Erzieherinnen fordern den Erhalt der vierten Kindergartengruppe, andere Bürger wollen ihre Beschwerden über das Parkchaos in der Wallonenstraße vortragen.

Das ist denn auch das erste Thema. „Ich habe zur Vorbereitung dazu einen zehnseitigen Aktenvermerk erhalten“, macht der OB das Problem anschaulich. Und das lautet: In einem nahen Haus wohnen 39 Personen. Viele davon sind als selbstständige Fahrer für Amazon tätig, das im nahen Gewerbegebiet Friedrichsfeld ein Verteilzentrum unterhält. Ihre Fahrzeuge parken sie jedoch nicht dort, sondern hier, wo sie wohnen: in der Wallonenstraße. Bis zu 17 Autos, wie Anwohner berichten. Das bringt natürlich Parkchaos.

Kein rechtswidriger Zustand

„Hier besteht ein zulässiger Parkraum“, macht Klaus Eberle, der Chef des städtischen Fachbereiches Sicherheit und Ordnung, jedoch klar: „Und der wird genutzt.“ Ein Verbot für das Parken von Lkw würde nichts bringen: „Denn Sprinter zählen als Pkw.“ Ein generelles Halteverbot wiederum wäre ein zweischneidiges Schwert: „Das würde alle Anwohner treffen.“ Und eine Beschränkung auf Anwohner nützt auch nichts: „Die Amazon-Fahrer sind hier mit Hauptwohnsitz gemeldet. Sie könnten also einen Anwohnerparkausweis beantragen und bekommen.“

„Die Leute sind ordentlich gemeldet“, ergänzt der OB: „Das Haus ist auch nicht übermäßig belegt. Es gibt keinen rechtswidrigen Zustand, der ein Eingreifen der Stadt ermöglicht.“ Aber auch er sieht ein Grundproblem: „Öffentlicher Raum wird hier für Betriebsbedürfnisse genutzt.“

Aber zumindest die Auswüchse könnten doch behoben werden, mahnen die Bürger. „Unser Bahndamm wird zerpflügt“, beklagt ein Mann das Parken am erdigen Straßenrand. „Der Müllwagen kommt oft gar nicht durch“, berichtet eine Frau: „Im Notfall würde das auch dem Rettungswagen passieren.“

Gegen ein generelles Halteverbot spricht sich jedoch die Pfarrerin aus: „Damit wäre uns nicht geholfen“, meint Monika Mayer-Jäck: „Wir brauchen Parkmöglichkeiten für unsere Gottesdienste und für Veranstaltungen wie etwa Hochzeiten.“ Wichtig wäre ihr jedoch ein Ansprechpartner in dem betreffenden Haus. Stadtrat Ralph Waibel rät daher: „Machen, was rechtlich möglich ist, aber auch mit Amazon und dem Vermieter ins Gespräch kommen.“

So wird es gemacht. Am 14. Februar gibt es einen weiteren „Runden Tisch“ zu dem Thema. Die Stadt selbst wird Maßnahmen ergreifen: durch Kontrollen die Durchfahrt der Straße und das Parkverbot an den Ecken gewährleisten oder auch die Mahnung „Achtung Kinder!“ auf der Fahrbahn markieren. Denn an der Wallonenstraße liegt ja auch der Kindergarten – das zweite große Thema.

Vierte Gruppe bleibt erhalten

Die sanierungsbedürftige Einrichtung will die evangelische Kirchengemeinde durch einen Neubau ersetzen – statt wie bisher mit vier aber nur noch mit drei Gruppen. So jedenfalls der Sachstand noch im alten Jahr – mit heftigen Protesten und Petitionen von Eltern als Folge.

Auf Grund dessen hat die Stadt nachverhandelt, der Kirche mehr Geld in Aussicht gestellt. Ergebnis: „Die vierte Gruppe bleibt erhalten“, verkündet Bürgermeisterin Freundlieb – vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderates natürlich. Aber die Reaktionen der gestern Abend anwesenden Mitglieder lassen eine Zustimmung als sicher erscheinen. Marianne Seitz (CDU): „Ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk!“