Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Baustelle der Deutschen Bahn erhitzt Gemüter in Bezirksbeiratssitzung / Vor-Ort-Termin geplant

Lärm rund um die Uhr

Bebende Gläser und ein dumpfes Brummen bildeten die Geräuschkulisse der jüngsten Bezirksbeiratssitzung in Friedrichsfeld. Die ortskundigen Anwesenden wussten freilich sofort: Der Krach kam von der Baustelle der Deutschen Bahn (DB). Seit 2016 erneuert das Unternehmen zwei alte Eisenbahnbrücken nahe dem Bahnhof des Stadtteils – sehr zum Leidwesen der Bürger, insbesondere der unmittelbaren Nachbarn aus der Lauterburger und Zaberner Straße.

Die beiden Brücken sind mehr als 100 Jahre alt, werden abgerissen und komplett erneuert. Die eigentlichen Arbeiten an den Kreuzungsbauwerken begannen im April vergangenen Jahres. Seit einigen Wochen laufen die Hauptarbeiten. „24 Stunden an sieben Tagen der Woche wird da gerammt und gerüttelt“, erklärte Reinhard Schatz, Sprecher im Bezirksbeirat (Freie Wähler ML). Die DB hatte vorher bereits angekündigt, dass auch Nachtarbeiten hinzukommen würden. „Wir haben schon Risse in den Wänden und im Bad sind Fliesen runtergefallen“, berichtete Schatz, der selbst in der Pfalzburger Straße westlich der Bahnlinie wohnt. Dass vorher keine Baufeststellung stattgefunden habe, bereite ihm Sorgen. „Am Ende heißt es: Das war vorher schon so“, führte er weiter aus und forderte, es solle jemand kommen und die Schäden begutachten.

Tägliche Anrufe bei der Stadt

„Die Arbeiter klingeln morgens ab sechs bei den Nachbarn, damit diese ihre Autos wegparken“, beschwerte sich auch Marc Rude aus der Lauterburger Straße. Nur so würden die großen Laster in die Straße reinfahren können. Mit dem eigenen Auto komme man nur noch schwer bis gar nicht an den Baufahrzeugen vorbei. „Ich rufe fast täglich bei der Stadt an, aber es bringt nichts“, beklagte Rude. „Es hieß, nur der Schutt wird über die Straße gefahren, der Rest wird über die Schienen geliefert“, ergänzte seine Ehefrau Christina. So ist es noch heute in einer Broschüre der Bahn zum Projekt nachzulesen: „Der An- und Abtransport von Abbruchmassen, Baumaterial und Maschinen ist zum überwiegenden Teil über die Schiene geplant.“ Es komme „zu keiner signifikanten Beeinträchtigung durch Baustellenverkehr“ (Download: bit.ly/2NucttL).

Drei Infoveranstaltungen hatte es zum Projekt schon gegeben – die letzte im April. Peter Prisslinger, Leiter des DB-Arbeitsgebiets Ingenieurbau, und Projektleiter Sascha Martin-Albrecht zeigten sich damals überrascht von den Beschwerden der Bürger (wir berichteten). Sie hätten von dem hohen Lkw-Aufkommen nichts gewusst und kündigten Gespräche mit der Baufirma an. Für zwei Termine, an denen Hauptarbeiten „rund um die Uhr“ stattfinden sollten, hatte die Bahn den Anwohnern kostenfrei Übernachtungen in Hotels angeboten. Auch Rude fand eine solche Mitteilung der Bahn in seinem Briefkasten, nahm das Angebot allerdings nicht an, weil Nachbarn damit keine guten Erfahrungen gemacht hätten. „Sie fanden es einen Hohn, Hotels im Bahnbereich zu beziehen, in welchen es dann wohl nicht wirklich leiser war als daheim“, erklärte Marc Rude im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Bezirksbeiräte und betroffenen Anwesenden waren sich einig: Auch die Baustelle der Bahn soll Thema einer Vor-Ort-Begehung mit Vertretern aus dem Rathaus werden. Einen Termin dafür konnte Sitzungsleiterin und CDU-Stadträtin Marianne Seitz bereits kurzfristig für diesen Monat organisieren, wie sie gestern dem „MM“ mitteilte.