Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Die Reaktionen auf den Vorentwurf für den neuen Flächennutzungsplan fallen im Stadtteil völlig gegensätzlich aus

Neubaugebiet scheint vom Tisch: Die einen freuen sich, andere bedauern

„Für den Mannheimer Stadtteil Friedrichsfeld weist der Vorentwurf keine Flächen für ein mögliches Wachstum aus“ – so stand es im „MM“. Diese Fortschreibung des Flächennutzungsplanes durch den „Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim“ stößt vor Ort auf unterschiedliche Reaktionen: Zustimmung kommt von der Bürgerinitiative gegen das Neubaugebiet, Bedauern von der CDU und der Interessengemeinschaft der Vereine.

Laut aktueller Bevölkerungsprognose der Stadt Mannheim ist Friedrichsfeld der einzige Stadtteil, der in den kommenden 20 Jahren in großem Umfang Einwohner verliert. Angesichts der Größe des Vorortes könnte dies an die Substanz gehen.

Sogar Thema für Vereine

Wie sehr das Thema den Lebensnerv dieses Stadtteils tangiert, zeigt sich daran, dass sich nicht allein die Kommunalpolitik damit beschäftigt. Sogar die Fasnachter der „Schlabbedewel“ warben auf ihrer jüngsten Punksitzung unter dem Motto „Make Friedrichsfeld great again“ für ein Neubaugebiet. Auch die Interessengemeinschaft der Vereine plädiert dafür und organisierte dazu bereits 2017 eine eigene Veranstaltung.

Die SPD unternahm ebenfalls 2017 einen Ortstermin und plädierte dabei primär für eine Verdichtung im Ortskern. Im Bezirksbeirat erklärte sie sich zwar zu einer Arrondierung der Siedlung bereit, lehnte ein großes Neubaugebiet aber ab.

Für ein solches zwischen Ortskern und Alteichwaldsiedlung plädierte aber schon 2017 die CDU-Gemeinderatsfraktion – auf einer Pressekonferenz sowie in Folge auch in Anträgen für den Gemeinderat.

Doch dagegen regte sich Widerstand: Eine „Bürgerinitiative Friedrichsfeld“ gründete sich. Sie lehnt ein Neubaugebiet ab, weil es die hiesige Natur zerstöre – und auch den bäuerlichen Charakter Friedrichsfelds. Mit Hilfe von Flyern und Infoständen sammelte sie 600 Unterschriften, die sie am 21. Juni Oberbürgermeister Peter Kurz übergab.

Im Februar legte nun der Nachbarschaftsverband seinen Vorentwurf für den neuen Flächennutzungsplan vor: Für Friedrichsfeld sieht er keine Flächen für eine bauliche Erweiterung vor. „Der ließ die Mehrzahl der Friedrichsfelder aufatmen“, kommentierte die BI.

„In vielen Gesprächen an Haustüren und an unserem Infostand haben wir festgestellt, dass weit über 80 Prozent der Einwohner von Alteichwald und mindestens 70 Prozent der übrigen Friedrichsfelder das Neubaugebiet sowohl bei Alteichwald als auch anderswo entschieden ablehnen“, betont die BI: „Die Notwendigkeit, auch noch die letzten verbliebenen Freiflächen zuzubetonieren, leuchtet kaum jemandem ein.“

Im Ortskern besteht nach Meinung der BI ausreichend Möglichkeit zur Bebauung; dabei verweist sie auf die Neubauten in der Vogesenstraße und am Bischweilerring. „Totenklagen, auch in fragwürdiger karnevalistischer Vermummung, sind darum noch lange nicht am Platz“, formuliert die BI spitz. Den Vorentwurf des Flächennutzungsplans begrüßt sie daher ausdrücklich: „Die ökologisch wertvollen Freiflächen zwischen Dorf und Alteichwaldsiedlung bleiben damit aller Voraussicht nach auch in Zukunft vor Zerstörung und Versiegelung bewahrt.“

Doch das Wort „aller Voraussicht nach“ deutet an, dass die Sache noch nicht gegessen ist. Bis 16. März hatte die Öffentlichkeit erst einmal Gelegenheit zur Stellungnahme. Rechtzeitig vor Ablauf der Frist hatte die BI ihre „uneingeschränkte Zustimmung“ zu den ihren Ortsteil betreffenden Planungen signalisiert.

CDU bleibt am Ball

Die CDU gibt sich dagegen nicht geschlagen. Im Gemeinderat brachte sie einen Antrag ein, der in dem Satz gipfelt: „Die Stadtverwaltung will die Ausweisung eines bedarfsgerechten Neubaugebietes in Friedrichsfeld prüfen“. Um dieses Ziel zu ermöglichen, soll die Stadt Mannheim auf die Planungen des Nachbarschaftsverbandes entsprechend einwirken.

„Ein Friedrichsfelder muss in Friedrichsfeld eine neue Wohnung finden und sich dies auch leisten können“, begründet die örtliche CDU-Stadträtin Marianne Seitz. Und Fraktionschef Claudius Kranz ergänzt: „Wir wollen eine weitere Abwanderung von Familien in das Mannheimer Umland verhindern.“

Die SPD dagegen präferiert weiter eine Verdichtung im Ort selbst. Ihr Stadtrat Ralph Waibel will aber ein „abgespecktes“ Baugebiet im Rahmen eines Gesamtkonzeptes nicht völlig ausschließen. Doch dies wirke sich erst langfristig positiv aus.

Daher sollen laut Waibel zu einem Gesamtkonzept auch Maßnahmen wie die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur gehören – „die Friedrichsfeld jetzt attraktiver werden lassen.“