Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Demonstration von Eltern und Erzieherinnen im Stadthaus N 1

Pfeifkonzert: „Wir sind hier für Gruppe 4“

Archivartikel

Gestern Nachmittag im Stadthaus: Trillerpfeifen und ein Sprechchor schallen durch die Gänge und begrüßen die Mitglieder des Mannheimer Gemeinderates. „Wir stehen hier für Gruppe vier!“, rufen Eltern und Erzieherinnen der evangelischen Kindertagesstätte aus Friedrichsfeld im Chor. Sie demonstrieren lautstark für den Erhalt der vierten Gruppe.

Bereits seit einiger Zeit ist ein Neubau im Gespräch, und das bereitet den Eltern Sorgen. Dieser soll nämlich statt vier Gruppen nur noch drei beherbergen. Das Problem: Der Träger, in diesem Fall die evangelische Kirche, kann sich die Errichtung eines neuen Gebäudes mit der gleichen Gruppenanzahl nach eigenen Angaben nicht mehr leisten. Die Stadt wiederum verweist darauf, dass sie nur einen begrenzten Förderrahmen hat (wir berichteten). Einen Zeitpunkt für die Baumaßnahmen gibt es noch nicht – der Unmut bei den Eltern ist jedoch stark gestiegen.

„Ich will Sicherheit“, erklärt die zweifache Mutter Ines Retz. Für sie bestehe kaum eine Alternative zum Friedrichsfelder Kindergarten. „Meine Tochter wird bald zwei, mein Sohn ist auch im evangelischen Kindergarten – wenn ich die Kinder bald an unterschiedliche Orte fahren muss, gibt das ein Problem“, klagt sie. Viele Eltern hat genau das zur Demo getrieben.

„Das ist Bürgerbeteiligung“, sagt Stadtrat Holger Schmid (Freie Wähler ML). Er freue sich, dass die Einwohner ihre Interessen so deutlich vorbringen. Und auch Stadträtin Marianne Seitz (CDU) ist positiv gestimmt: „Man muss gehört werden. Wir dürfen Friedrichsfeld nicht im Regen stehen lassen.“

„Kurze Beine – kurze Wege“

Vor allem sorge man sich darum, dass Eltern im Ausnahmefall ihre Kinder gar nicht mehr in den Kindergarten bringen, erklärt Leiterin Ulrike Lorenz. „Mit Gruppe vier wäre der Bedarf weitgehend gedeckt“, erklärt sie. Zwar gebe es dann weiterhin Wartelisten, doch könne man dafür noch Lösungen finden. „Kurze Beine – kurze Wege“, stimmt auch Stadtrat Waibel (SPD) einem Spruch auf den Demonstrationsschildern zu. Es sei Aufgabe der Stadt, sich dafür einzusetzen und ortsnahe Lösungen zu finden.

„Ich habe Verständnis dafür, dass die Situation eine Belastung für Eltern darstellt“, erklärt Ulrike Freundlieb, Bürgermeisterin des Dezernats 3 (Bildung, Jugend, Gesundheit). Die Stadt sei sich der Problematik bewusst. Die Entscheidung eine Gruppe zu schließen liege jedoch bei der Kirche. Die Stadt sei nun dafür zuständig, Lösungen zu suchen und den Rechtsanspruch auf einen Platz zu sichern. Viele Eltern befürchten, dass ein städtischer Neubau nicht in Friedrichsfeld angesiedelt wäre. „Das käme darauf an, ob wir ein Grundstück finden, auf dem wir bauen können“, erläutert Freundlieb. Auf dem Grundstück des jetzigen Kindergartens könne die Stadt allenfalls bauen, wenn die Kirche zu guten Konditionen verkaufe. Ob das überhaupt zum Tragen komme, sei jedoch völlig offen.

Die Demo war nach einer Unterschriftenaktion der Elternbeiräte die zweite Aktion, um auf sich aufmerksam zu machen. „Wir haben nicht mit so viel Resonanz gerechnet“, erklärt Ulrike Lorenz erstaunt angesichts des Interesses, das die Gemeinderäte zeigten.