Friedrichsfeld

Friedrichsfeld Zukunft des Kindergartens in der Wallonenstraße Thema im Bezirksbeirat / Kirche plant Reduzierung der Gruppen

Städtischer Neubau als letzte Option

Die Sorge um den Erhalt der Kindergartenplätze vor Ort hat am Mittwochabend zahlreiche Bürger in die Sitzung des Bezirksbeirats Friedrichsfeld geführt. Wie bereits berichtet, plant die Evangelische Kirche Mannheim, die Einrichtung in der Wallonenstraße durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser soll jedoch nur noch drei Gruppen beherbergen – statt wie bisher vier.

Ein Gutachten habe ergeben, dass sich eine Sanierung der beiden maroden Gebäude nicht lohne und ein Neubau kostengünstiger sei, erläuterte Steffen Jooß, Direktor der Evangelischen Kirchenverwaltung in Mannheim, in der Sitzung. Die Baukosten betragen je Gruppe erfahrungsgemäß zwischen 800 000 und 950 000 Euro, inklusive Abriss und Übergangsunterbringung, sagte Jooß. Die Stadt übernehme einen Anteil von 300 000 bis 350 000 Euro. Abzüglich eines Zuschusses vom Bund von je 30 000 Euro je Gruppe trage die Kirche einen Eigenanteil von ungefähr 500 000 Euro.

Großer Sanierungsstau

Insgesamt 48 Kitas betreibe die Evangelische Kirche in Mannheim – der Sanierungsstau belaufe sich auf bis zu 22 Millionen Euro, Rücklagen gebe es keine. „Das war ein Fehler im System“, räumte Jooß ein. Nun bräuchten viele Kindergärten Mittel für die erforderliche Modernisierung. „Wir können nicht in allen Stadtteilen das Angebot halten“, führte Jooß aus und erklärte, dass auch in zwei weiteren Stadtteilen Gruppen entfallen. In anderen Einrichtung sei dies bereits geschehen.

„Wir bedauern das, aber wir respektieren die Entscheidung der Kirche“, sagte Christoph Beil, Mitarbeiter im städtischen Dezernat 3 (Bildung, Jugend, Gesundheit). Die Stadt stehe im Gespräch mit verschiedenen freien Trägern, darunter die Katholische Kirchengemeinde, um den Wegfall der Gruppe zu kompensieren. Dass die Stadt eine eigene Kita baut, sei notfalls die letzte Option. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden“, sagte Beil. Wann Abriss und Neubau erfolgen sollen, stehe noch nicht fest. „Nach meiner Einschätzung wird das noch einige Jahre dauern.“

Die Bezirksbeiräte zeigten sich skeptisch. Eine zentrale Frage war, wieso die Stadt der Kirche keinen höheren Zuschuss gewähren könne – schließlich sei das noch immer günstiger, als selbst zu bauen. „Gibt es da einen Spielraum?“, wollte Gunter Grittmann (CDU) wissen. Um den Bundeszuschuss zu erhalten, müsse der Träger einen festgesetzten Eigenanteil leisten, erklärte Beil. Dieser würde bei einer höheren städtischen Förderung unterschritten.

Bezirksbeirätin Pia Moog (SPD) verwies auf den Rechtsanspruch, den jedes Kind auf einen Platz habe. Junge Eltern sorgten sich bereits, ob sie ihr Kind überhaupt noch in der Wallonenstraße anmelden können. „Ein nahtloser Übergang ist wichtig“, mahnte ihre Parteikollegin Doris Friedrich an. Dies zu sichern, sei Aufgabe der Stadt. „Wir brauchen die Plätze in Friedrichsfeld und nicht anderswo“, betonte Stadtrat Ralph Waibel (SPD). Eine ortsnahe Versorgung sei auch Ziel der Stadt, beteuerte Beil. „Kurze Beine, kurze Wege“ sei dabei das Motto. „Wir wollen Friedrichsfeld attraktiv gestalten und junge Familien hier ansiedeln“, erinnerte Jürgen Heckmann (Die Linke). Ohne Kindergartenplätze sei dies nicht zu machen.

Dass selbst vier Gruppen zu wenig seien, fürchtete Stadtrat Holger Schmid (Freie Wähler ML). Ulrike Lorenz, Leiterin des betroffenen Kindergartens, bestätigte die große Nachfrage. Momentan stünden 15 Kinder auf der Warteliste. Die Plätze reichten nur für jene, die bis September drei Jahre alt werden – alle Jüngeren müssten sich wohl bis nächsten Herbst gedulden. Angesichts dieser Zahl bezweifelten Bezirksbeiräte und Bürger die von Beil genannte Versorgungsquote von 97,4 Prozent im Stadtteil. Diese gehe aus dem städtischen Serviceportal MeKi (Meldesystem Kindergarten) hervor, erklärte der Rathausmitarbeiter.

Über den Verlauf der weiteren Gespräche werde man „transparent und zeitnah“ informieren, versprach er. „Man darf Friedrichsfeld nicht im Regen stehen lassen“, gab ihm CDU-Stadträtin und Sitzungsleiterin Marianne Seitz mit auf den Weg.