Friedrichsfeld

Friedrichsfeld 125 Jahre Cäcilienchor und 120 Jahre katholische Kirche St. Bonifatius gefeiert

Zum Doppeljubiläum die Haydn-Messe

„Man sollte nie anfangen aufzuhören und nie aufhören, damit anzufangen“ – so begrüßt Pfarrer Markus Miles die Gäste in der katholischen Kirche St. Bonifatius, die so voll ist, wie sie es zuletzt an Weihnachten war. Mit „nie anfangen aufzuhören“ meine er, man solle nie aufhören, sich motivieren oder inspirieren zu lassen und das bisher Erreichte zukunftsfähig zu machen.

Anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Kirche St. Bonifatius und des 125-jährigen Bestehens des Cäcilienchors findet an jenem Sonntagmorgen eine andachtsvolle Haydn-Messe statt. Die warmen Sonnenstrahlen, die von draußen in das Gotteshaus dringen, verleihen der Eucharistiefeier und dem Gesang des Chors einen noch festlicheren und fröhlicheren Charakter.

Musik als „himmlische Kunst“

„Haben Sie schon einmal versucht, den Himmel zu malen?“, fragt Albert Lachnit, Diakon der katholischen Gemeinde in Friedrichsfeld, die Kirchenbesucher: „Das ist gar nicht so einfach“, fährt er fort. Er selbst habe es schon einmal versucht und zwar während seiner Schulzeit. „Mit dem Himmel verbindet man Glück, Friede und Verliebtsein“, stellt er in seiner Festpredigt dar, und so etwas lasse sich mit Fotos und Bildern schwer abbilden. „Allein Musik kann den Himmel malen“, findet er.

Und dieser Aufgabe wendet sich der Cäcilienchor nun schon seit 125 Jahren zu. In dem feierlichen Gottesdienst hat er sich ein hohes Ziel gesetzt, nämlich die „Missa Sancti Nicolai“, die sechste Messe von Joseph Haydn, zu singen. Unter der Leitung von Dirigent Wolfgang Sachs, der seit rund 30 Jahren den Chor begleitet, geben vier Solisten und einige Streicher und Bläser ihr musikalisches Talent zum Besten. Violetta Hellwig als Sopranistin, Claudia Hügel im Alt, Christopher Fischer im Tenor und Daniel Pastewski im Bass werden an der Orgel von Volker Hafner und Eva Oettinger begleitet. Gemeinsam erfüllen die vier Sänger die Kirche mit lauten und vollen Tönen, die die Gäste sichtlich begeistern, wie man an dem Applaus, der am Ende der Messe durch die Kirche erschallt, unschwer erkennen kann.

Doch nicht nur Lachnit und Miles gestalten den Gottesdienst, auch Pfarrer Michael Jäck von der benachbarten evangelischen Kirche nimmt teil, indem er das Evangelium verkündet. Rückblickend auf dieses stellt Lachnit in seiner Predigt fest, dass dort, wo Menschen glauben, Wunder geschähen. „In dieser Hoffnung pflanzen wir zwei Apfelbäume für die beiden Jubilare“, verkündet er – damit mit diesen Bäumen auch der Glaube weiterhin wachse.

Doch auch die Problemstellen der Kirche werden nicht außer Acht gelassen: Die Häupter würden grauer, die Kirchenbänke leerer und man vermisse Jugendliche und Kinder, so Lachnit. Aber Probleme habe es auch schon früher gegeben, die Kirche sich mit der Zeit wandeln müssen: „Die Kirche ändert sich, manches fällt weg, aber es blüht auch Neues auf“, sagt er zuversichtlich.

Mit diesem Ausblick wird die Kirchengemeinde nach draußen entlassen, wo das Gemeindeteam einen Sektempfang vorbereitet hat, während der Chor noch einige Lieder zum Besten gibt.