Friesenheimer Eulen

Eulen Ludwigshafen Pfälzer sichern sich in einem kaum in Worte zu fassenden Krimi sensationell den Klassenerhalt

Explosion der Emotionen

LUDWIGSHAFEN.Die 2350 Zuschauer in der ausverkauften Friedrich-Ebert-Halle jubelten, die Spieler lagen sich glücklich in den Armen – und eigentlich konnte niemand glauben, was da gerade passiert war. Die Eulen Ludwigshafen sicherten sich am letzten Spieltag der Handball-Bundesliga sensationell den Klassenerhalt. Am Ende gab ein einziges Tor den Ausschlag. Die Pfälzer besiegten GWD Minden mit 31:30 (14:15). Zugleich spielten die beiden direkten Konkurrenten SG BBM Bietigheim und der VfL Gummersbach 25:25. Es war das Ergebnis, das sich Eulen-Coach Benjamin Matschke im Vorfeld Fernduells gewünscht hatte. Somit steigen Gummersbach und Bietigheim ab. Die Eulen bleiben dagegen in der Handball-Bundesliga, da sie im direkten Vergleich der drei punktgleichen Mannschaften das um einen Treffer besser Torverhältnis gegenüber dem VfL Gummersbach hatten.

„Unfassbar, was hier passiert ist, wir sind von allen schon als sicherer Absteiger bezeichnet worden. Aber wir wussten: Es ist erst vorbei, wenn es auch rechnerisch nicht mehr geht. Wir haben es allen gezeigt“, sagte Spielmacher Alexander Feld. Auch Geschäftsführerin Lisa Heßler konnte ihr Glück kaum fassen: „Das Team hatte ein Abstiegsfinale verdient. Dass es dann so laufen würde, sorgt bei mir für Gänsehaut.“ Und Pascal Durak meinte: „Seitdem ich hier bin, ist das Saisonfinale immer die beste und verrückteste Sache gewesen. Das ist glücklicherweise diesmal nicht anders. Wir haben immer an uns geglaubt und sind verdient in der Bundesliga geblieben.“

„Haben Geschichte geschrieben“

Zeitweise sah es allerdings nicht nach dem Ligaverbleib aus. Mitte der zweiten Hälfte lag Minden stets mit zwei bis drei Treffern in Front. Im anderen Spiel führte Bietigheim in der 46. Minute mit 19:15 gegen Gummersbach. Es folgte die verrückte Schlussviertelstunde in beiden Hallen. Als das Spiel in Bietigheim mit 25:25 endete, waren in Ludwigshafen noch eineinhalb Minuten zu spielen. Es stand 30:30. Ob die Gummersbacher das wussten, als sie zehn Sekunden vor Schluss in Bietigheim den Ball hatten, aber statt den Abschluss zu suchen, nur auf Ergebnishalten spielten?

In der Ebert-Halle hielt es zu diesem Zeitpunkt jedenfalls keinen Zuschauer mehr auf den Sitzen. Die Eulen hatten den Ball und den Klassenerhalt vor Augen. 30 Sekunden vor Schluss wurde ein Freiwurf von Stefan Salger zunächst von der GWD-Defensive abgeblockt, doch Jonathan Scholz holte den Abpraller und netzte zum 31:30 ein. Die Uhr blieb bei 59:36 Minuten stehen. Minden hatte den letzten Angriff, doch der Ball blieb beim Wurf von Christopher Rambo vier Sekunden vor Schluss im Ludwigshafener Abwehrblock hängen. Der Rest war unglaublicher Jubel.

„Die Halle ist eine Minute vor Schluss richtig explodiert. Dieser Tag ist unfassbar. Jeder sagte, die Eulen sind schon weg. Aber nein, die Eulen sind wieder da“, sagte Feld. Kai Dippe, mit acht Treffern bester Ludwigshafener Torschütze, meinte: „Wir wollten Handball-Geschichte schreiben, das haben wir gemacht.“

Während der Feierlichkeiten schüttelte Trainer Benjamin Matschke ungläubig den Kopf. „Ich bin stolz auf die Jungs, wir waren ja schon tot“, meinte der Coach, der in der neuen Saison auch auf die Dienste von Azat Valiullin zählen kann. Der 28-jährige russische Nationalspieler unterschrieb einen Vertrag bis 2020, fehlte aber verletzt gegen Minden. „Welchen Einfluss Azat auf die Qualität meiner Mannschaft hat, haben wir in dieser Saison vor allem dann gemerkt, wenn er uns fehlte“, sagte Matschke und betonte: „Seine Fähigkeiten in Abwehr und Angriff waren ein großer Faktor für den Klassenerhalt.“

Nach dem Minden-Spiel dürfte sich auch Valiullin gesagt haben: Alles richtig gemacht.

Eulen: Asanin (1.-34. Minute), Hanemann (34-60) – Dippe (8/7), Spiler (6), Feld (5), Salger (4), Falk (2), Dietrich (2), Haider (1), Scholz (1), Bührer (1), Stüber (1).

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