Fuchs Petrolub

Bilanz Mannheimer Schmierstoffkonzern mit Prognose vorsichtiger / Werke sollen weiterlaufen / Hauptversammlung verschoben

„Corona-Folgen unabsehbar“

Archivartikel

Mannheim.Bevor Stefan Fuchs über das Geschäftliche spricht, richtet er einen Appell an die Allgemeinheit. „Wir müssen den Ausbruch des Coronavirus verlangsamen. Vor allem bedeutet das, soziale Kontakte zu reduzieren“, erklärt der Vorstandsvorsitzende von Fuchs Petrolub am Telefon. „Ansonsten ist eine Ausgangssperre unvermeidbar.“

Die meisten Büros auf der Friesenheimer Insel sind schon leer, Beschäftigte arbeiten von zuhause aus. Die Kantine: geschlossen. Dienstreisen sind verboten. Auf dem Gelände gibt es strengere Hygiene-Vorschriften. Denn die Produktion soll weiterlaufen: „Es gibt keine Werksschließung“, sagt Fuchs. Viele Kunden aus der Lebensmittelbranche produzierten aktuell auf Hochtouren und müssten deshalb weiter beliefert werden. Industrie-Bäckereien oder große Fleischbetriebe zum Beispiel verwenden Schmierstoffe von Fuchs Petrolub für ihre Maschinen.

Die Hauptversammlung, die für 5. Mai im Mannheimer Rosengarten geplant war, wird wegen des Coronavirus auf die zweite Juni-Hälfte verschoben – sofern es die Lage dann zulässt. Für Aktionäre bedeutet das, dass die Dividende später ausgezahlt wird. Denn die Hauptversammlung muss den Beschluss dafür fassen. Je Vorzugsaktie soll die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr von 95 auf 97 Cent erhöht werden, je Stammaktie von 94 auf 96 Cent.

Investitionen erreichen Rekord

Das zurückliegende Geschäftsjahr 2019 ist nach Angaben von Finanzchefin Dagmar Steinert „schwierig“ gewesen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im Jahresvergleich vor allem wegen einer schwächeren Nachfrage aus der Autoindustrie. Der Umsatz lag mit rund 2,6 Milliarden Euro in etwa auf Vorjahreswert. Die Autoindustrie zählt zu den wichtigsten Kunden von Fuchs Petrolub, Abnehmer kommen zudem aus der Metallindustrie, dem Bergbau oder der Luft- und Raumfahrt.

Trotz der schwächeren Weltkonjunktur hält der Konzern an seiner vor vier Jahren gestarteten Wachstumsstrategie fest. 2019 lagen die Investitionen auf einem Rekordwert von 154 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr sollen 120 Millionen Euro ausgegeben werden – etwa in Deutschland, Schweden und Russland. Am Stammsitz Mannheim beginnt 2020 der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes. Auch Erweiterungen von Werkstatt und Sozialräumen sind geplant. Wegen der Coronavirus-Pandemie soll kein Bauprojekt abgebrochen werden.

Das Mannheimer Unternehmen will nach und nach Afrika für sich erschließen. „Ein schnell wachsender und interessanter Markt“, erklärt Fuchs. „Unser Teppich verdichtet sich dort zunehmend.“ Bisher erwirtschaftet Fuchs Petrolub auf dem Kontinent mit 280 Mitarbeitern einen Umsatz von 75 Millionen Euro pro Jahr. 2019 wurden bereits Gemeinschaftsunternehmen in Tansania und Ägypten gegründet, Anfang dieses Jahres übernahmen die Mannheimer jeweils 50 Prozent der Anteile an Partnern in Simbabwe, Sambia und Mosambik.

Fuchs Petrolub rechnet für das laufende Geschäftsjahr bei Umsatz und Ebit zwar jeweils mit einem Zuwachs von bis zu vier Prozent. Doch wenn es schlecht läuft, könnten beide Kennziffern auf dem Vorjahreswert verharren. Größte Unbekannte ist – das Coronavirus. „Wir werden definitiv negative Folgen spüren“, sagt Dagmar Steinert. „Allerdings sind diese in keiner Weise abzusehen.“

Produktionsstopp bei Kunden

Der Ausblick könnte Investoren auf den ersten Blick womöglich enttäuschen, schreibt Analyst Markus Mayer von der Baader Bank in einer Studie. Denn angesichts der Corona-Krise gebe es ein „Rückschlagrisiko“ für die Prognose.

Gespannt beobachtet der Konzern derzeit, dass Autohersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen ihre Produktion wegen der Pandemie unterbrechen. Fuchs Petrolub will seine Logistik entsprechend anpassen und die eigene Produktion verlangsamen. „Dabei müssen wir stets lieferfähig sein“, betont Stefan Fuchs.

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