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Fußball Für den FC Bayern zählt im Bundesliga-Gipfel gegen Dortmund nur ein Sieg / Hoeneß: „Es muss geliefert werden“

90 Minuten der Wahrheit

Archivartikel

München.Der Pokal-Wahnsinn gegen Heidenheim hatte auch Vereinspatron Uli Hoeneß auf der Tribüne emotional mitgenommen. Der Zittersieg des FC Bayern München auf der vorletzten Etappe zum Endspiel in Berlin änderte beim Präsidenten freilich nichts an der Erwartungshaltung für das alles überstrahlende Meisterschaftsduell mit Borussia Dortmund. „Am Samstag, 18.30 Uhr, darf es keine Ausreden geben. Da muss gegen Dortmund geliefert werden“, betonte Hoeneß.

Ob der „Clasico“ das fesselnde und irre 5:4 (1:2) gegen die furios aufspielenden Zweitliga-Kicker des 1. FC Heidenheim um den dreifachen Torschützen Robert Glatzel emotional noch toppen kann, scheint kaum vorstellbar. „Solch ein Spiel wird man nicht zweimal in einer Woche spielen, da können Sie sicher sein“, sagte Trainer Niko Kovac. „Dass Uli Hoeneß den Anspruch hat, Meister zu werden und gegen Dortmund zu gewinnen, erhöht den Druck nicht“, sagte Kovac gestern zu der Forderung: „Ich will dieses Spiel auch unbedingt gewinnen.“

Der Liga-Hit, in dem der deutsche Serienmeister den schwarz-gelben Rivalen am 28. Spieltag wieder vom Bundesliga-Thron stürzen will, ist der Fußballabend, der die nationalen Kräfteverhältnisse neu ordnen könnte. „Das ist das geilste Spiel der Saison, darauf wartet ganz Deutschland“, verkündete Nationalspieler Leon Goretzka. In die Vorfreude und Kampfeslust der Bayern-Stars mischte sich am Mittwochabend aber auch Nachdenklichkeit. Wie soll die instabile Münchner Defensive die Turbo-Offensive des BVB um Marco Reus stoppen, wenn sie schon gegen einen Zweitligisten vier Tore kassiert? Fünf eigene Tore, vier davon in Unterzahl nach der Roten Karte für Nationalspieler Niklas Süle, der für ein Pokalmatch gesperrt wurde, sprachen aber auch für die Willensstärke der wankelmütigen Kovac-Bayern um Siegtorschütze Robert Lewandowski.

Wackelige FCB-Abwehr

„Dieses verrückte Spiel gibt so viele Möglichkeiten der Interpretation. Wir werden mehr das Positive herauspicken“, sagte Thomas Müller. „Wir sind weitergekommen, das ist das Positive“, bemerkte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der ansonsten empfahl: „Alles andere schnell vergessen, schnell löschen.“ Salihamidzic wirkte verstört: „Man muss nachdenklich sein.“ Für Hoeneß kommen die 90 Minuten der Wahrheit am Samstag: „An eine Niederlage denke ich gar nicht. Wir müssen gewinnen, dazu gibt es für mich keine Alternative.“ Es geht um Platz eins. Aber Hoeneß geht es auch um ein Statement nach dem 3:2 des BVB in der Hinrunde. „Wenn wir nicht gewinnen, würde ich zwar trotzdem gerne Meister werden, aber dann hätten wir es nicht mehr ganz so verdient, weil wir ja auch im Hinspiel das Nachsehen hatten. Unsere Mannschaft muss mit einem Sieg gegen Dortmund zeigen, dass sie Meister werden will.“

Sieg, Unentschieden, Niederlage – an eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft glaubt Hoeneß nicht, auch wenn der BVB „im Moment“ bei zwei Punkten Vorsprung „einen kleinen Vorteil“ besitze. „Jetzt wird es ein ganz enger Fight bis zum Saisonende, egal, wie das direkte Duell ausgeht“, sagte der 67 Jahre alte Präsident.

Fehlende Souveränität

Im Münchner Erfolgsfall wäre auch egal, was gegen Heidenheim alles schief lief. „Vielleicht hatten wir schon den Kopf beim Samstag und haben deswegen solche Probleme bekommen“, rätselte Lewandowski: „Wir haben etwas zu locker gespielt.“ Kovac beklagte „ein wildes, ein offenes Spiel, was ich in der Form nicht mag“. Selbst nach der wuchtigen Umkehrung des 1:2-Pausenstandes in einen 4:2-Vorsprung fehlte jegliche Souveränität. „Angreifen macht am meisten Spaß. Aber das Verteidigen gehört auch dazu. Vier Gegentore dürfen nicht passieren“, hielt Kovac seinen Spielern vor. Verstehen diese ihren Coach einfach nicht? Oder folgen sie ihm nicht (mehr)?

„Das war nicht Bayern-like“, räumte Goretzka ein. Es sei „laut“ zugegangen in der Kabine während der Halbzeitpause. Aber der Blick geht konsequent nach vorne. „Wir wissen, dass wir gegen Dortmund eine ganz andere Leistung bringen müssen“, sagte Goretzka. Können die Bayern noch große Spiele gewinnen? „Wir werden bereit sein, das zu schaffen“, versicherte Kovac. Noch sind zwei Titel möglich. Im Pokal trennt die Bayern noch ein Erfolg vom Endspiel am 25. Mai in Berlin. RB Leipzig, Werder Bremen und der Hamburger SV sind die möglichen Gegner. Der einzige, der vor der Auslosung am Sonntag in der ARD-Sportschau in den Köpfen steckt, heißt aber Dortmund. „Wir wissen, was wir zu tun haben“, tönte Müller.

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