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Fußball SC Freiburg bangt vor dem Duell mit Leverkusen um seinen Stürmerstar / Bayer will nach Europa-League-Erfolg nachlegen

Abhängig von Nils Petersen

Freiburg.Wenn der SC Freiburg aufläuft, fallen Tore. In den sechs Saisonspielen gab es bislang insgesamt 22 Treffer – nur bei Dortmund ist die Wahrscheinlichkeit auf ein Tor derzeit größer. Der Haken aus Sicht des Sport-Clubs: 13 der Tore waren Gegentreffer. Damit stellt der SCF die schlechteste Defensive der Liga, gemeinsam mit Bundesliga-Schlusslicht Hannover 96 und dem kommenden Gegner Bayer Leverkusen. „Wenn wir mal ein Tor kassieren, sind wir oft anfällig für ein zweites und drittes, vor allem auswärts“, sagte Nicolas Höfler mit Blick auf das jüngste 1:4 beim FC Augsburg.

Hohe Belastung

Im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Sonntag (13.30 Uhr/Eurosport Player) soll es besser werden. Auch, weil die drei Gegentreffer beim 3:3 gegen den VfB Stuttgart in Höflers Augen ein Ausnahme waren. Als Sechser ist der 28-Jährige seit vielen Jahren der Verbindungsmann zwischen Offensive und Defensive – und für das Freiburger Spiel von enormer Bedeutung. Er erlaubt sich deswegen auch die Einschätzung, dass das schwache Spiel in Augsburg vor allem der hohen Belastung durch die Englische Woche geschuldet war. „Wenn wir wieder Frische auf den Platz kriegen, geht es auch wieder auf“, sagte er. Ein weiterer Grund: Nils Petersen war nicht dabei. In Augsburg war das Zweikampfverhalten mangelhaft, die Abstände waren zu groß und die Freiburger schafften es nicht, das Aufbauspiel früh und effektiv zu stören. Gerade dafür ist der laufstarke Nationalspieler maßgeblich mit verantwortlich, der zudem als Kopfballspieler in der Spitze gefehlt hat. „Wir können es nicht wegstecken, wenn Nils gar nicht auf dem Platz ist“, sagte Trainer Christian Streich. Entsprechend hart wäre ein erneuter Ausfall des nicht für die Nationalmannschaft nominierten Angreifers. Infolge der gegen Schalke 04 erlittenen Schultereckgelenkprellung bezifferte Streich die Chancen auf einen Einsatz auf nur 25 Prozent. Von Petersens Einsatz will Streich auch die Gesamttaktik abhängig machen. Möglicherweise entscheidet sich der Trainer gegen Leverkusen dann auch von Beginn an für eine Dreierkette. „Vielleicht hätten wir taktisch umstellen müssen, um defensiv stabiler zu stehen und die Chance im Konter zu suchen“, sagte Höfler zur Reaktion in Augsburg. „Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.“ In den Spielen zuvor habe der SC schließlich erst mit einer Dreierkette gespielt, als es darum ging, einen Vorsprung und damit den Sieg zu verwalten.

Verbesserungspotenzial sieht der Mittelfeldspieler aber nicht nur im Defensivverhalten, sondern auch im eigenen Offensivspiel. Dass die Freiburger in den vergangenen Spielen weniger Ballbesitz hatten als zu Beginn der Saison, sei kein bewusstes Mittel gewesen. „Wenn die Stürmer nur hinterher rennen und wir in der Defensive immer mehr Druck vom Gegner verspüren, ist das Kräfte raubend“, erklärte Höfler. „Wir müssen wieder mehr mit Ball für Entlastung sorgen und zu Torchancen kommen.“ Denn Treffer soll es ja geben. Nur eben vorne.

Heiko Herrlich ging unterdessen verbal in die Offensive. „Ich werde Lösungen finden“, kündigte der Trainer von Bayer Leverkusen nach dem glanzlosen 4:2 (1:1) im Europa-League-Gruppenspiel gegen AEK Larnaka an. Indirekt mahnte der 46 Jahre alte Fußball-Lehrer das Verstummen öffentlicher Kritik an den Leistungen der Werkself und an seinem eigenen Tun an: „Von den letzten fünf Spielen haben wir eines verloren.“

Herrlich räumte aber auch ein, „dass wir uns verbessern müssen. In der einen oder anderen Situation sind wir zu schwankend in der Leistung.“ Damit sprach der Coach die bislang fehlende Kontinuität an. Herrlich weiß, dass sechs Punkte aus sechs Bundesligabegegnungen zu wenig sind bei den deutlich höheren Eigenansprüchen, die für 2019 mit der Qualifikation für die Champions League definiert sind.

Herrlich hofft auf Kontinuität

Eines will Herrlich, speziell beim 2:4 am vergangenen Samstag gegen Borussia Dortmund, erkannt haben: „Die Mannschaft ist willig und zeigt das von Spiel zu Spiel.“ Offensichtlich ist indes aber auch das, was Angreifer Kevin Volland nach dem Auftritt gegen Larnaka von sich gab: „In der Phase, in der wir uns befinden, müssen wir uns jeden Sieg sehr hart erarbeiten.“ Aber jeder Erfolg tue dem Kopf gut. Und: „Es ist nicht immer alles schlecht. Das wird auch hochgekocht.“ dpa