Fußball

Fußball Das historische EM-Turnier mit zwölf Gastgebern soll 2021 nachgeholt werden – ob das gelingt, bleibt abzuwarten

Am Freitag wäre Anpfiff gewesen

Archivartikel

Rom/Nyon.Zwölf Gastgeber, symbolische Brücken über den ganzen Kontinent: An diesem Freitag sollte die historische Fußball-EM beginnen. Die Corona-Krise hat das verhindert – auch zum Bedauern von Joachim Löw und Manuel Neuer. Ob das Turnier 2021 nachgeholt werden kann, ist weiterhin offen.

Selbst der bevorstehende Titelgewinn mit dem FC Bayern kann bei Neuer den EM-Phantomschmerz nicht vertreiben. Die Verschiebung des großen Saison-Highlights um ein ganzes Jahr hat auch den Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht unberührt gelassen. Statt des Anpfiffs des Zwölf-Länder-Events an diesem Freitag im Olympiastadion von Rom geht die Bundesliga durch die Corona-Zwänge gerade auf die Zielgerade. Und in Italien, England und Spanien beginnt sogar erst der ziemlich heikle Liga-Neustart.

Trost mit dem Titelgewinn

„Jeder von uns hat sich wahnsinnig auf dieses Turnier gefreut, gerade auch wegen der drei Heimspiele in der Gruppenphase vor unseren eigenen Fans“, sagte Neuer in einem DFB-Interview. Immerhin können sich die Bayern-Profis mit den bevorstehenden Meisterfeierlichkeiten trösten. Und mit dem Ausblick auf die EM im Sommer 2021.

„Sobald sich ganz Europa wieder im Spielbetrieb befindet und auch eine Entscheidung zum Ablauf der EURO im Sommer 2021 getroffen wurde, wird diese Vorfreude wiederkommen und wachsen, je näher das Turnier rückt“, sagte Neuer. Doch ganz so sicher ist auch der Nachholtermin vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 noch nicht. Denn die UEFA ächzt unter den logistischen Lasten des historischen Events mit einem Dutzend Ausrichterländern und vielen Ungewissheiten um einige Spielorte.

„Prinzipiell ist die Idee, dass wir bei den gleichen Städten bleiben. Mit neun Städten ist alles geregelt. Bei drei Städten haben wir einige Probleme, daher werden wir weiter diskutieren“, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zuletzt. Am 17. Juni tagt das Exekutivkomitee. Schnelle EM-Lösungen wird es durch die Unvorhersehbarkeit der Corona-Entwicklungen aber nicht geben.

Zudem hat die UEFA aktuell noch andere Sorgen. Zuerst müssen die angepeilten Final-Turniere der Champions League und der Europa League im August organisiert werden. Und wie die Nationalmannschaften die zweite Auflage der Nations League im Herbst bestreiten können, ist auch noch ungeklärt. Gesucht werden noch Termine für die EM-Play-offs, denn noch sind vier Turnierstarter gar nicht ermittelt.

Eine Reduzierung der Gastgeberländer für die EM gilt mittlerweile fast schon als wahrscheinlich. „Prinzipiell werden wir es in zwölf Städten machen, aber wenn nicht, sind wir bereit, es in zehn, neun oder acht zu tun“, sagte Ceferin. München hat seine Zusage für die geplanten drei Gruppenspiele und das Viertelfinale gegeben. In der bayerischen Landeshauptstadt soll die DFB-Auswahl in der Vorrunde auf Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und einen noch nicht qualifizierten Play-off-Sieger (23. Juni) treffen.

Auch aus Kopenhagen und Glasgow kamen schon klare Signale pro 2021. Bilbao gilt hingegen als Wackelkandidat. Unsicher scheinen auch die Spielorte Rom und Baku. Möglicherweise ist der UEFA eine Reduzierung sogar ganz recht. Als Brüssel lange vor der Corona-Krise wegen Problemen beim Stadionbau frühzeitig als 13. Spielort passen musste, hieß es aus UEFA-Kreisen, man spare durch einen Gastgeber weniger rund 80 Millionen Euro Organisationskosten.

Bedauern bei Löw

„Es war die Entscheidung, die ich erwartet hatte, anders ging es einfach auch nicht. So wichtig der Fußball für viele Menschen auch ist: Was die EURO angeht, musste er einfach für diesen Sommer zurückstehen“, sagte Joachim Löw zur im März von der UEFA beschlossenen Verschiebung. Wie bei seinem Kapitän Neuer schwingt aber auch beim Bundestrainer natürlich Bedauern mit: „Es steht außer Frage, dass wir gerne gespielt hätten, denn unsere junge Mannschaft braucht gerade solche Wettbewerbssituationen, um zu reifen, um widerstandsfähig zu werden, um wichtige Erfahrungen zu sammeln.“ 

Zum Thema