Fußball

Fußball Fritz Walter, einer der bekanntesten Stürmer in der Geschichte des SV Waldhof, wird 60 Jahre alt

Antrittsschnell und mit unglaublichem Torriecher

Archivartikel

Mannheim.Liebend gern wären für Fritz Walter in dieser Saison aller guten Dinge drei gewesen. Nach dem Bundesligaaufstieg seiner beiden Ex-Clubs Arminia Bielefeld und VfB Stuttgart fehlte nur noch der Zweitligaaufstieg des SV Waldhof. Es wäre das i-Tüpfelchen in seinem Jubeljahr gewesen. Doch es klappte leider nicht – gefeiert wird aber dennoch. An diesem Dienstag wird einer der bekanntesten Angreifer in der Geschichte des SV Waldhof 60 Jahre alt: Dank der 21 Treffer von Fritz Walter stieg der Traditionsverein in der Saison 1982/83 in die Bundesliga auf. Und auch in den darauffolgenden vier Bundesligaspielzeiten traf Walter 55 mal für Mannheims Fußballstolz.

Dass es der Waldhof nicht gepackt hat, findet Fritz Walter schade. „Die Corona-Krise hat die Mannschaft um ihren Lohn gebracht“, sagt er. Gefallen hat ihm das Auftreten dennoch. „Das war fast so wie zu meiner Zeit. Hinten wurde aus einer stabilen Abwehr heraus gespielt und vorne fielen die Tore fast automatisch.“ Dafür war damals Fritz Walter verantwortlich. „Antrittsschnelligkeit und Torriecher waren das, was mich auszeichneten“, blickt er auf eine bewegte Laufbahn zurück, in der auch eine Nominierung in die Weltauswahl mit Diego Maradona für sich verbuchte.

Aber jeder, der im Rampenlicht des großen Fußballs stand, fing einmal klein an. Es war die SG aus dem Weinheimer Stadtteil Hohensachsen, bei der der kleine Fritz das fußballerische Einmaleins erlernte. Dort hatte der Name Walter einen guten Klang, denn auch seine drei Brüder Nikolaus, Hans und Karl-Heinz rannten dem runden Leder nach. Klein Fritzchen schoss Tore wie am Fließband. Ab und an lief ihm Alt-Bundestrainer Seppl Herberger über den Weg, denn der wohnte ja ebenfalls in Hohensachsen.

Und da gab es ja auch noch einen gewissen Fritz Walter aus Kaiserslautern. Der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft war bisweilen bei „Chef“ Herberger zu Besuch und staunte nicht schlecht, dass der Bub, der beim Jugendturnier den Siegerpokal in die Höhe streckte, ebenfalls seinen Namen trug.

Knapp 20 Kilometer westlich machte dann ein anderer Verein von sich reden: Der SV Waldhof hatte gerade die Qualifikation für die eingleisige Bundesliga gepackt. Und dessen blau-schwarzes Trikot streifte sich Fritz Walter ab 1981 über.

Brandgefährlicher Angreifer

In Mannheim präsentierte sich Fritz Walter als messerscharfe Waffe im Angriff. Der Mann mit dem kessen Oberlippenbart war aus dem SVW der 1980er Jahre nicht wegzudenken. „Der Verein wird mir immer etwas bedeuten. Schlappi war der richtige Mann am richtigen Platz“, hält Fritz Walter auch heute noch ein Lob für die Waldhof-Trainerlegende Klaus Schlappner bereit, für den damaligen Kapitän Wolfgang Böhni und für Präsident Wilhelm Grüber, der ihm ein väterlicher Freund war.

Zusammen mit seinem guten Kumpel Maurizio Gaudino spielte er ab Juli 1987 für den VfB Stuttgart und auch hier lief es wie am Schnürchen. Gerade in der Saison 1991/92 setzte er ein Ausrufzeichen, als er mit seinen 22 Treffern nicht nur tatkräftig zur Meisterschaft beitrug, sondern auch Torschützenkönig wurde.

Heute wird im kleinen Örtchen Wolfschlugen bei Esslingen kräftig gefeiert. Dort hat das Ehepaar Ute und Fritz Walter seit 1987 nämlich viele Freundschaften geschlossen. Gerade die Herdhau-Hexen, der Fasnachtsverein vor Ort, werden es sich nicht nehmen lassen, ihr wohl prominentestes Mitglied hochleben zu lassen. „Bei den Umzügen in der Region bin ich oft mit dabei und werde gesondert angekündigt. Das ist mir aber zu viel Rummel um meine Person“, will Spaßvogel Fritz Walter, längst ohne Oberlippenbart, gar nicht so sehr im Vordergrund stehen. 

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