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Fußball Der FSV Mainz kennt den Bundesliga-Abstiegskampf – und der droht auch in der neuen Saison

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Archivartikel

Mainz.Elf Jahre Bundesliga-Zugehörigkeit am Stück. Das ist ein Erfolg. In der vergangenen Saison musste der 1. FSV Mainz 05 aber erneut hart um den Klassenerhalt kämpfen.

Wird Mainz 05 wieder zittern müssen?

Das Ausschlussprinzip lässt es einerseits befürchten: Viel mehr als das letzte Tabellendrittel wird für den Vorjahres-13. nicht drin sein. Andererseits verfügen die Rheinhessen über reichlich Qualität, um das Wundertütenklischee zu bedienen. Gegen Frankfurt und Hertha etwa holten die 05er in der vergangenen Saison zwölf Punkte. Vizemeister Dortmund rannten die Mainzer am 32. Spieltag mit einer beeindruckenden körperlichen Präsenz nieder, das 2:0 dort war der Schlüssel zur Rettung. Auch der Faktor Erfahrung spricht für die Rheinhessen. Der Mainzer Kader ist der drittjüngste der Liga, das Gros des Stammpersonals spielt aber schon seit zwei oder mehr Jahren zusammen.

Was muss Trainer Achim Beierlorzer anders machen?

Der 52-Jährige muss die Mainzer Elf auf das nächste Level heben – eine Aufgabe, an der schon der im November 2019 entlassene Sandro Schwarz verzweifelte. Mit der Fähigkeit, Mannschaften weiterentwickeln zu können, hatte sich der frühere Coach von Jahn Regensburg im Sommer 2019 für den 1. FC Köln empfohlen. Den Kölner Makel hat Beierlorzer, der von 2014 bis 2017 als Nachwuchs- und Co-Trainer in Leipzig arbeitete, längst abgeschüttelt. Er gilt als kommunikativer, sachlicher Zeitgenosse. Selbst das schwache 0:1 im Test gegen Sandhausen analysierte der Franke mit der ihm eigenen Ruhe. Kurzum: Beierlorzer verkörpert das Anforderungsprofil der 05er, bei denen Trainerwechsel sowieso als Ultima Ratio gelten. Eine Zusatzaufgabe: Der gewaltige 34-Mann-Kader gehört ausgedünnt.

Wer sind die Hoffnungsträger?

Die Verpflichtung von U-21-Nationalspieler Luca Kilian (20 Jahre/Paderborn) ließ aufhorchen. Sportvorstand Rouven Schröder bezeichnet den Ex-BVB-Junior als „immens veranlagt“ und „top ausgebildet“. Perspektivisch könnte Kilian mit Jeremiah St. Juste (23) eine potente Innenverteidigung bilden, in der noch Moussa Niakhaté (24) und der Belgier Dimitri Lavalée (23, kam aus Lüttich) mitmischen. Vorne fehlt ein Mann, der neben Schwedens Nationalspieler Robin Quaison (13 Saisontore) konstant für Gefahr sorgt.

Wie hart hat die Corona-Krise Mainz 05 getroffen?

Das Minus bei den Medienerlösen soll sich laut Finanzvorstand Jan Lehmann auf 12 bis 13 Millionen Euro belaufen – gut ein Viertel weniger als ursprünglich eingeplant. Hinzu kommen fehlende Zuschauereinnahmen. Existenzbedrohlich ist die Lage nicht, doch Königstransfers sind praktisch ausgeschlossen. Stattdessen denken die solide aufgestellten Rheinhessen laut über Verkäufe nach. In der „FAZ“ sprach Schröder von Spielern, die „für den englischen Markt interessant“ seien. Ein hoch gehandelter Mann ist Niakhaté (Marktwert zirka elf Millionen Euro), ein anderer Jean-Philippe Mateta (zirka 17 Mio.). Kunde Malong (acht Mio.) ist einem Wechsel nicht abgeneigt.

Was wird aus Mateta?

Am besten ein Stürmer, der nur noch sportlich von sich reden macht. Der zweifellos begabte Ex-U-21-Nationalspieler Frankreichs war mit 14 Toren der absolute Shootingstar der 05er in der Saison 2018/19. Im zweiten Jahr rief der 23-Jährige nach einem Kreuzbandriss erst spät sein fraglos großes Potenzial ab. In den ersten Wochen der Vorbereitung geriet Mateta mit Verspätungen und einer Verurteilung wegen Fahrerflucht nach einem Parkunfall in die Schlagzeilen. Für den Test gegen Würzburg (6:0) wurde er suspendiert und zum Straftraining verdonnert. Der Spieler gelobt Besserung. Bleibt der Angreifer in Mainz, muss er liefern.

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