Fußball

Fußball Das Scheitern gegen Liverpool erbringt endgültig den Nachweis – der FC Bayern gehört nicht mehr zur europäischen Spitze

Aufprall in der harten Realität

München.Niko Kovac widerstand der Versuchung, einen überaus schmerzhaften Abend schönzureden. „Wir haben heute unsere Grenzen aufgezeigt bekommen“, attestierte der Trainer des FC Bayern mit schockgefrosteter Miene nach dem frühesten K. o. der Münchner in der Champions League seit acht Jahren. Und: „In zwei Spielen war Liverpool die bessere Mannschaft.“

Es war in der Tat eine völlig verdiente 1:3 (1:1)-Niederlage im Achtelfinale der Fußball-Königsklasse. Und eine, die heftig am bayerischen Selbstverständnis nagen wird. Denn das Team von Jürgen Klopp erschütterte mit dem Triumph in der ausverkauften WM-Arena nach dem 0:0 im Hinspiel den Münchner Urglauben, fast schon gemäß Gewohnheitsrecht zur absoluten europäischen Spitze im Vereinsfußball zu gehören. Dieser Aufprall in der harten Realität tut weh.

Ein bisschen sanieren reicht nicht

Denn während Liverpool mit seinem mächtigen Abwehrchef Virgil Van Dijk oder den permanent Gefahr ausstrahlenden Stürmern Sadio Mané und Mohammed Salah echte Weltklasse aufbieten konnte, wirkten die Münchner vor allem in der zweiten Halbzeit wie ein abgenutztes Team, das am Ende einer Ära für ein großes Spiel noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren versucht. Aber es reicht einfach nicht mehr.

Wie bei Franck Ribery, dem man seine 35 Jahre immer deutlicher ansieht. Oder wie beim überforderten Außenverteidiger Rafinha, den Mané vor dem 1:0 (26.) stehen ließ wie einen Anfänger. Ein Gegentor, an dem auch der unnötigerweise herauseilende Manuel Neuer seine Aktien hatte – dem einstigen Welt-Torwart mangelt es seit seiner langen Verletzungspause im vergangenen Jahr regelmäßig am richtigen Timing in seinen Aktionen. „Er hat alles richtig gemacht“, verteidigte Kovac seinen Schlussmann, der vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw allerdings alles andere als Eigenwerbung betrieb.

Ob der Trainer Kovac mit seiner zurückhaltenden bis mutlosen Strategie im Rückspiel selbst alles richtig gemacht hatte, daran gab es auch teamintern erhebliche Zweifel. „In beiden Spielen haben wir zu defensiv gespielt“, befand Angreifer Robert Lewandowski hinterher beim norwegischen TV-Sender „Viasport“. „Wir haben nicht versucht, Druck zu machen, Situationen zu schaffen – wie auch im ersten Spiel.“ Aus dieser unverhohlenen öffentlichen Kritik sprach sicher auch der Frust des Polen, auf der großen Bühne wieder einmal blass geblieben zu sein – sieht man einmal von seiner indirekten Beteiligung am Eigentor von Joel Matip zum 1:1 ab (39.), bei dem Lewandowski den nötigen Druck auf den Liverpooler Verteidiger erzeugte. Aber am Tag, nachdem Cristiano Ronaldo erneut seinen Ausnahmestatus mit drei Toren für Juventus Turin im Alles-oder-Nichts-Duell gegen Atlético Madrid demonstriert hatte, konnte Lewandowski den statistisch belegbaren Vorwurf nicht entkräften, den richtig wichtigen Begegnungen nie seinen Stempel aufzudrücken. In mittlerweile sieben K.o.-Spielen der Königsklasse blieb er ohne Torerfolg.

Wenn die Bayern perspektivisch wieder in die europäische Elite zurückkehren wollen, werden deshalb kleinere Sanierungsarbeiten am überalterten Kader kaum ausreichen. Selbst Kovac, nach seinem erfolgreichen Krisenmanagement im vergangenen Herbst in der Vereinsführung wieder unumstritten, steht nach dem nicht erkennbaren Plan für das Liverpool-Rückspiel erneut unter verschärfter Beobachtung. Bei der Pressekonferenz zu nächtlicher Stunde in den Katakomben der Münchner Arena wirkte der Kroate äußerst mitgenommen.

Vorerst bleibt den Münchnern nur die Konzentration auf die beiden Trostpreise Meisterschaft und DFB-Pokal. „Unser Ziel ist es, die zwei Wettbewerbe zu gewinnen“, forderte Kovac. „In der Bundesliga haben wir eine sehr gute Serie hinter uns und ich hoffe, dass noch eine vor uns ist. Wir dürfen nicht negativ sein. Wir müssen das schnell abschütteln.“

Am Sonntag sind die Münchner in der Bundesliga Gastgeber für Mainz 05. Zweitligist 1. FC Heidenheim ist Anfang April die Viertelfinal-Hürde im DFB-Pokal. Das klingt bei allem Respekt nach reichlich ernüchternden Namen für einen Verein, der es gewohnt ist, bei der heutigen Auslosung des Champions-League-Viertelfinales Lose wie den FC Barcelona oder Manchester City präsentiert zu bekommen.

Zum Thema