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Fußball Auf den neuen Trainer Quique Setién kommt eine riesige Herausforderung zu / Schneller Abschied vom Ruhestand

Aus dem Kuhdorf zum FC Barcelona

Archivartikel

Barcelona.Der Aufstieg vom Ruheständler zum neuen Trainer des FC Barcelona binnen 24 Stunden kam auch für Quique Setién selbst überraschend. „Gestern ging ich noch an Kühen vorbei in meinem Dorf spazieren, und heute bin ich hier, bei den besten Spielern der Welt – das ist einfach das Größte“, sagte er am Dienstag bei seiner Vorstellung in Barcelona: „Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können.“

Zuletzt hatte Setién Betis Sevilla trainiert, seit Sommer 2019 aber eigentlich die Trainer-Pension genossen. Der Vertrag, den der 61 Jahre alte Nordspanier bei den Katalanen unterzeichnete, ist nun aber sogar bis 2022 gültig. Und passend für einen auf einem der begehrtesten Trainerstühle im Weltfußball, formulierte Setién im ehrwürdigen Camp Nou sogleich seine großen Pläne mit den Stars um Lionel Messi: „Mein Ziel ist es, alles zu gewinnen, was man gewinnen kann.“

Die Meisterschaft in den vergangenen beiden Spielzeiten, die Copa del Rey und auch den spanischen Supercup gewann Barcelona unter seinem Vorgänger. Dennoch musste Valverde weichen. Am späten Montagabend hatte der Club die Trennung bekanntgegeben vor dem Ende des Vertrags nach dieser Saison. Erstmals seit 2003 – damals hatte es den Niederländer Louis van Gaal ebenfalls im Januar erwischt – entließ der Verein einen Trainer mitten in der Saison. „Es ist gerade Halbzeit in der Saison – und wir wollten vor der zweiten Hälfte eine Veränderung, um neue Impulse zu geben“, sagte Barça-Präsident Josep Maria Bartomeu. Tabellenführer ist der FC Barcelona, in der Champions League geht es im Achtelfinale gegen den SSC Neapel.

Setién will nicht nur alles gewinnen, er muss es auch. Die Vereinsbosse gingen kein kleines Risiko ein. „Barça wählt den Abgrund“, meinte gar die Zeitung „El Pais“. Die 1a-Wunschlösung war Setién wohl nicht. Kandidaten wie die ehemaligen Barça-Legenden Xavi oder Thierry Henry konnten und wollten nicht, Messi-Landsmann Mauricio Pochettino war nicht zu bekommen.

60. Coach der Clubgeschichte

Umso mehr pries Barcelona den nun Erwählten. Der Coach aus Santander, der mit bürgerlichem Namen Enrique Setién Solar heißt, wird von seinem neuen Arbeitgeber als einer der „erfahrensten“ Trainer im spanischen Fußball gepriesen. Setién sei ein Verfechter von angriffsorientiertem Ballbesitzfußball, ganz im Sinne der Fans. In seiner Heimatstadt gilt er als Legende. Bei Racing Santander war er lange als Profi aktiv und seit 2002 als Trainer. Sein Spitzname dort: „El Maestro“. Weitere Stationen waren unter anderem Las Palmas und zuletzt Sevilla. Seine Bilanz in der Ersten Liga: 60 Siege, 60 Niederlagen, 53 Remis. Als Spieler war er in den 80er Jahren auch für Atlético Madrid aktiv. Er ist der 60. Trainer in der Historie des FC Barcelona.

Vorgänger Valverde verabschiedete sich auf der Vereins-Homepage. „Es waren von Beginn an zweieinhalb sehr intensive Spielzeiten“, schrieb der 55-Jährige. Er habe in der Zeit Siege und Titel mit dem FC Barcelona gefeiert, aber auch schwere Momente durchgemacht. Seit dem Amtsantritt im Sommer 2017 hatte er 108 Siege in 163 Spielen erzielt. Dass Barcelona in den vergangenen beiden Spielzeiten in der Champions League vorzeitig scheiterte, kratzte aber (zu) arg am Ehrgefühl der Vereinsbosse.

Das Sportblatt „Marca“ sprach von einem „traurigen Abgang“. Auch der frühere Barça-Star Pep Guardiola ergriff Partei für Valverde: „Barcelona ist ein besonderer Ort, an dem der Gewinn der Liga nicht ausreicht. Valverde tut mir sehr leid, er hat das nicht verdient.“