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Fußball Nach dem 2:3 gegen Union Berlin trennt sich Mainz 05 von Trainer Sandro Schwarz – beim Abschied geht es emotional zu

Aus für eine Identifikationsfigur

Mainz.Die Bestätigung kam um 11:56 Uhr per Twitter. „Mainz 05 und Cheftrainer Sandro Schwarz trennen sich einvernehmlich. Das ist das Ergebnis von intensiven Gesprächen am Samstagabend und Sonntagmorgen“, teilte der Bundesligist mit. Damit reagierten die Rheinhessen auf die anhaltende Ergebniskrise. Sportvorstand Rouven Schröder sprach am Sonntag von einem sehr emotionalen Abschied. „Sandro hat Verein und Spieler gelebt und geliebt“, sagte er. Schwarz ist demnach nicht selbst zurückgetreten. „Es ist schon so, dass wir als Verein den Takt vorgeben“, betonte der Manager. Vorerst soll Co-Trainer Jan-Moritz Lichte das Team betreuen. „Wir werden einen neuen Cheftrainer suchen“, betonte Schröder.

Nach dem 2:3 im richtungsweisenden Heimspiel gegen Aufsteiger Union Berlin am Samstag sprach zu viel gegen den 41-Jährigen, dessen Vertrag noch bis 2022 lief. Mit der achten Niederlage im elften Spiel rutschte die Schwarz-Elf auf Relegationsplatz 16 ab. Nur neun Punkte haben die 05er auf der Habenseite. Mit 30 Gegentoren stellt Mainz zudem die mit Abstand schlechte Defensive.

Beim 0:8-Debakel in Leipzig vor neun Tagen – der höchsten Niederlage in der Mainzer Bundesliga-Historie – hinterließen die 05er einen desolaten Eindruck. Dennoch hatte Schröder seinem Coach noch unter der Woche Rückendeckung gegeben. Nach dem 2:3 gegen Union ließ der 44-Jährige jedoch ein klares Bekenntnis zu Schwarz vermissen. „Ich möchte nicht jede Woche ein Plädoyer halten“, hatte Schröder erklärt: „Entscheidend ist, dass wir die Überzeugung haben. Wir tun alles dafür, um erfolgreich Fußball zu spielen. Es geht nicht um Personen, es geht um den Verein. Das Vertrauen in die Mannschaft bleibt. Klar, wir müssen die Kurve kriegen – und das sollten wir schnellstmöglich.“

Die vor dem Spiel gegen Union heraufbeschworene Reaktion auf das 0:8 gegen Leipzig blieb allerdings aus. Das Eigentor von 05-Kapitän Daniel Brosinski zum 0:1 (30.) war in der Entstehung vermeidbar. Sebastian Andersson konnte seinen Doppelpack zum 0:2 und 0:3 (45.+3/51.) jeweils nach einer Ecke und ohne große Mühe schnüren. Es entbehrte nicht einer gewissen Symbolik, dass das 0:2 in dem Moment fiel, als die Mainzer Fans „Wir wollen Euch kämpfen sehen“ anstimmten.

Die Einwechslung von Karim Onisiwo (61.) brachte zumindest jenes Element ins Spiel der Rheinhessen, das Schwarz hinterher als „Moral“ bezeichnete. Der Österreicher erzielte das 1:3 (81.) und bereitete das 2:3 durch Brosinski (90.+4) mustergültig vor. Doch bis zu diesen Toren fiel Mainz gegen einen wahrlich nicht übermächtigen Gegner zu wenig ein.

Unmut in der Fankurve

Entsprechend hätte die Stimmungslage in den Fanblöcken nach Abpfiff kaum unterschiedlicher sein können. Während sich der Aufsteiger aus Köpenick vor dem vollbesetzten Gästesektor für den zweiten Sieg in Folge als „Berlins Nummer eins“ feiern ließ, mussten Sicherheitskräfte vor den Stehrängen der 05er die dafür sorgen, dass die Lage nicht eskalierte.

Ein gutes Dutzend Anhänger war über den Zaun geklettert. Letztlich ging es emotional, aber friedlich zu. Und immerhin: Das Mainzer Team, aber auch Schwarz und Schröder hatten sich dem Anhang gestellt – auch wenn sie nur wenig zu ihrer Verteidigung in petto hatten. „Es ist nicht schön, sich von den Fans ein paar Sachen an den Kopf werfen zu lassen. Aber das ist ihr gutes Recht und nach so einer Leistung absolut gerechtfertigt“, meinte der sichtlich angefasst wirkende Brosinski.

Mit Schwarz – einer der Helden des ersten Mainzer Bundesliga-Aufstiegs 2004 sowie ein Kumpel seines damaligen Trainers und früheren Mitspielers Jürgen Klopp – trennt sich Mainz 05 von einer Identifikationsfigur. Und von einem Charakterkopf: Bei einem Test im Sommer hatte der in Mainz geborene Schwarz rassistische Pöbler mutig zur Rede gestellt, beim Christopher-Street-Day in der Landeshauptstadt fungierte er als Schirmherr. Der sportliche Erfolg unter Schwarz blieb indes überschaubar: Mehr als Platz 14 (2018) und Platz zwölf (2019) sprang unter dem Nachfolger von Martin Schmidt nicht heraus.