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Fußball Zu ihrem ersten Online-Neulingslehrgang erhalten die Mannheimer Schiedsrichter viele positive Rückmeldungen

Ausbildung aus der Distanz

Archivartikel

Mannheim.Es läuft die Nachspielzeit in einem umkämpften Spiel. Beide Teams haben sich im Hinblick auf ihre tabellarische Situation auf das Äußerste verausgabt. Nach der letzten Aktion pfeift der Schiedsrichter die Partie ab und bekommt eine ausgezeichnete Leistung bescheinigt. Dieses Kopfkino spielt sich in diesen Tagen, in denen die Ligen normalerweise auf die Zielgeraden einbiegen würden, bei einigen Fußball-Begeisterten und Aktiven ab. Doch derzeit bleiben die Pfeifen der Unparteiischen stumm, die Gründe dafür sind hinreichend bekannt.

Theorie im Vordergrund

Doch ganz zur Untätigkeit verdammt wollte man bei der Schiedsrichtervereinigung (SRVgg) Mannheim nicht sein. Der Mangel an Unparteiischen hat in den vergangenen Jahren dramatische Ausmaße angenommen, und so glich die Absage des geplanten Schiedsrichter-Lehrgangs im März einem Super-GAU. Kampflos wollte sich Ivo Leonhardt, der Vorsitzende der SRVgg Mannheim, aber nicht geschlagen geben. Er rief einen Online-Lehrgang ins Leben – der erste im Badischen Fußball-Verband (bfv) überhaupt. „Natürlich beschränkt sich so ein Online-Lehrgang ausschließlich auf die Theorie im Verbund mit Präsentationen und Videos. Aber das Ziel war ja, die Zeit der Kontaktbeschränkungen zu nutzen, um wenigstens Theoriewissen zu vermitteln“, verdeutlichte Leonhardt. „Alles war besser, als unseren geplanten Lehrgang einfach ausfallen zu lassen.“

Angesichts von Kritik einiger Schiedsrichter-Obmänner aus anderen Fußball-Kreisen, die meinten, der theoretische Teil sei weit weniger wichtig als die anschließende praktische Ausübung, verweist Leonhardt auf die aktuelle Situation mit der Corona-Pandemie, die persönliche Lehrgänge eben nicht ermögliche. „Jeder von uns weiß, dass Praxiserfahrung, intensive Neulingsbetreuung bei den ersten Spielen und die Integration in die lokale Schiedsrichtervereinigung sehr wichtig sind“, erklärt Leonhardt. „Das ist auch die Erfahrung, die ich mitgenommen habe und auch so weitergebe. Aber Online-Inhalte sind absolut empfehlenswert, wir haben hierzu gerade viel Erfahrung gesammelt, die sich weitervermitteln lässt.“

Bis zu 60 Teilnehmer

Insgesamt hatten sich für den Online-Kurs 86 Teilnehmer angemeldet, von denen 33 aus dem Kreis Mannheim stammten. Da die Zahl der Video-Teilnehmer sich zwischen 40 und 60 bewegte, hofft Leonhardt, dass mindestens zwei Drittel aller Teilnehmer später auch die Prüfung absolvieren. Am vergangenen Wochenende kam mit Zweitliga-Referee Benedikt Kempkes ein „Stargast“ hinzu, der sehr kurzweilig Rede und Antwort stand sowie aus dem Schiri-Profileben erzählte. Vorher hatte bereits im April der badische Drittliga-Schiedsrichter Tobias Fritsch als Gast teilgenommen und wurde intensiv befragt.

Mit solchen Einstreuungen soll die Zeit überbrückt werden, um die Neulinge bei der Stange zu halten, bis Treffen wieder möglich sind. „Das Feedback der Teilnehmer war durchweg toll und ermutigend. Das hat mich wirklich richtig gefreut, dass wir da nicht nur eine gute Idee hatten, sondern die Umsetzung wohl auch nicht ganz verkehrt war“, resümierte Leonhardt.

Auch beim Badischen Fußball-Verband sei von allen Kollegen stets positive Rückmeldung gekommen. Eins ist klar: Mit dieser aus der Not geborenen Aktion hat Leonhardt mit seinen Mitstreitern einen Neulingslehrgang nicht ersatzlos verstreichen lassen und damit eine kleine, neue Schiedsrichter-Generation nicht gänzlich abgeschrieben. Denn auch in Zukunft müssen Spiele nach der Nachspielzeit von ausgebildeten Schiedsrichtern abgepfiffen werden – und das nicht nur im Kopfkino.