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Fußball Nach dem 2:0-Sieg in Moskau darf Leverkusen sogar vom Champions-League-Achtelfinale träumen

Benders Tor eröffnet Chancen

Archivartikel

Moskau.Dass man Spieler wie Sven Bender braucht, um Fußball-Wunder zu schaffen, hat Jürgen Klopp schon vor Jahren erkannt. „Er geht mit dem Kopf hin, wo andere den Fuß wegziehen“, hatte der damalige Trainer von Borussia Dortmund über seinen Spieler Bender gesagt.

Darauf nach einem der prägnantesten Spiele seiner Karriere angesprochen, musste Bender am Dienstag erst einmal laut lachen. „Ja“, sagte der Abwehrchef von Bayer Leverkusen dann: „Wahrscheinlich bin ich so blöd. Aber wenn man in einer solch geilen Truppe mit coolen Jungs spielt, macht es auch Spaß, wenn es wehtut.“

Diese coolen Jungs haben nach dem 2:0 (1:0) bei Lokomotive Moskau durch das siebte Eigentor-Geschenk dieser Saison von Rifat Schemaletdinow (11.) und Benders erstes Europacup-Tor (54.) das Minimalziel Europa League erreicht. Und plötzlich die Chance auf eines der größten Wunder der Champions-League-Historie. Bayer muss am 11. Dezember Juventus Turin schlagen und kann hoffen, dass die bereits als Gruppensieger feststehenden Italiener mit einer B-Elf antreten. Dazu müssen die sicher ausgeschiedenen Russen fünf Tage nach dem eigentlichen Beginn ihrer Winterpause in Madrid punkten.

Höwedes macht Hoffnung

Moskaus Ex-Weltmeister Benedikt Höwedes kündigte bereits an, dass „wir alles tun werden, um uns anständig zu verabschieden“. Und Torhüter Lukas Hradecky stellte schon eine Belohnung in Aussicht. „Wenn sie das schaffen, schicken wir ein paar Flaschen Wodka rüber.“ Es wäre erst das zweite Mal seit Gründung der Champions League 1992, dass ein Team nach drei Niederlagen zum Auftakt noch weiterkommt. Zuvor hatte das Newcastle United in der Saison 2002/03 geschafft.

Doch natürlich stehen die Chancen darauf nicht sehr gut. Auf gar nur vier bis fünf Prozent bezifferte sie Sportdirektor Simon Rolfes. „Atlético ist zu Hause natürlich Favorit, aber es sind schon seltsame Dinge im Fußball passiert“, sagte er. An die Erfüllung der eigenen Pflicht glaubt Rolfes freilich: „Wir haben Atlético zu Hause geschlagen, wir können auch Juve zu Hause schlagen.“

Auch in der Liga stehen die seit Wochen mit ihren Chancen wuchernden Leverkusener am Samstag vor einer extrem schweren Aufgabe. Eine eigentlich erwartbare Niederlage beim unter Hansi Flick in Torlaune befindlichen FC Bayern würde den Kontakt des Tabellen-Neunten zur Spitze erst mal abreißen lassen. In München trat Bayer in der Regel ängstlich auf, doch mit dem Europacup-Schub soll es diesmal anders werden. „Das war die perfekte Vorbereitung für das München-Spiel“, sagte Hradecky: „Es wäre schön, auch mal in der Bundesliga einen Großen zu schlagen.“ Und Sven Bender erklärte: „Wir fahren jetzt mit Rückenwind nach München.“

Vor allem wegen Bender selbst. Der Ex-Nationalspieler ist seit Wochen der überragende Akteur. Dass es der Anführer war, der das zum Gewinn des Direktvergleichs wichtige 2:0 im kalten Moskau schoss, schien da nur folgerichtig. „Der Ball hing da so in der Luft – da hab ich ihn halt reingeschossen“, erklärte der 30-Jährige seinen sehenswerten Volleyschuss.

Seinen Wert für die Mannschaft sehen die Mitspieler nicht so lapidar. „Mit seiner Präsenz, Routine und Erfahrung ist er unheimlich wichtig für uns“, sagte Julian Baumgartlinger. „Solche Spieler braucht man, wenn es Spitz auf Knopf steht.“ Bender sei „ein Stabilisator für unser Spiel. Ein erfahrener Hase, der Sicherheit gibt“, lobte Rolfes. Und ergänzte lachend: „Und dass er ein Torjäger ist, wusste ich schon immer.“ dpa