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Fußball TV-Sender für Freitagsspiele dringend gesucht

Bundesliga steckt in der Eurosport-Falle

Archivartikel

Berlin.Der verspätete Starttermin für die neue Saison der Fußball-Bundesliga steht fest, aber ein Fernsehsender für die Freitagsspiele fehlt noch. Die Liga steckt seit Wochen in der Eurosport-Falle und muss auf ein Urteil der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit warten. Beim Streit mit dem US-Konzern Discovery und seinem deutschen Tochterunternehmen droht ein Verlust von vielen Millionen Euro. Zudem läuft die Liga Gefahr, dass sie kurzfristig einen neuen TV-Partner suchen muss.

Eurosport hat keine Lust mehr auf die Fußball-Bundesliga, so viel ist in diesem komplizierten Fall immerhin klar. Zunächst reichte der Sender sein bei der Deutschen Fußball-Liga erworbenes Rechtepakete vor der vergangenen Saison per Sub-Lizenz an DAZN weiter – und machte dann in der Corona-Zwangspause ein Sonderkündigungsrecht geltend.

Vergleich denkbar

„Wir haben eine andere Auffassung über die Interpretation der Verträge als Eurosport/Discovery“, sagte dazu DFL-Chef Christian Seifert. Bei dem Medienunternehmen hieß es bei Fragen zu dem Streit zuletzt: „Es gibt momentan Gespräche zwischen den Beteiligten, zu denen wir uns nicht weiter äußern.“ Statt eines Urteils des Schiedsgerichts, das keinen Termin für seine Entscheidung bekanntgibt, ist theoretisch auch ein Vergleich denkbar.

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sagte zu der zähen Auseinandersetzung kürzlich im „Handelsblatt“: „Eurosport war ein Betriebsunfall.“ In der „Sport Bild“ war er zuvor sogar noch deutlicher geworden: „Ich bedaure das Verhalten von Eurosport sehr, ja, ich finde es unanständig, dass man in einer Krise einen Vertrag aufkündigt.“

Weniger Geld als geplant

Die Bundesligisten erhalten aufgrund der Probleme in der kommenden Saison weniger Geld als geplant – wie viel weniger ist unklar. „Aufgrund einiger Entwicklungen werden die 1,35 Milliarden Euro in der kommenden Saison nicht wie geplant stattfinden“, sagte Seifert. „1,2 Milliarden Euro sind das untere Ende dessen, worum es geht.“ Eine Reduzierung gibt es in jedem Fall, da Sky in der abgelaufenen Krisen-Saison Zahlungen vorgezogen hatte.

Obsiegt die DFL beim Schiedsgericht und muss Discovery/Eurosport wie ursprünglich vereinbart geschätzte 70 Millionen Euro zahlen, steht für die Ausschüttung an die 36 Profivereine mehr Geld zur Verfügung. Gewinnt das Medien-Unternehmen den Rechtsstreit hingegen, gibt es weniger – und die DFL muss auf die Schnelle einen neuen Partner suchen, der am 18. September erstmals sendet.

Das strittige Paket umfasst 45 Live-Spiele, darunter 30 Partien am Freitag sowie jeweils fünf am Sonntag und Montag. Zudem gehören vier Relegationsspiele und der Supercup dazu. Die bisherige Sub-Lizenzierung an DAZN lief laut Rummenigge „wohl mit Verlust“. dpa

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