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Fußball Nach dem Aus in der Champions League machen sich die Bayern-Bosse auf Ursachenforschung und fordern den DFB-Pokal

Das Double als letztes Ziel

Archivartikel

Madrid.Der große Jupp Heynckes rang nach dem dramatisch knapp verpassten europäischen Krönungsfinale mit feucht schimmernden Augen um Fassung. Und auch auf der Heimreise von Madrid nach München herrschte am Mittwoch weiter eine große Leere beim Trainer, den Spielern um den untröstlichen Torwart Sven Ulreich und den Bossen des FC Bayern. „Leider sind wir nicht im Endspiel. Das bedeutet für meine Spieler und für mich eine große Enttäuschung“, sagte Heynckes nach seinem allerletzten Champions-League-Spiel, das eine finale Zugabe absolut verdient gehabt hätte. „Das 2:2 bedeutet für uns eine Niederlage“, urteilte Heynckes nach dem heldenhaften und glücklosen, aber auch zu fehlerhaften Halbfinalkampf gegen Real.

Heynckes hielt noch im Estadio Santiago Bernabeu eine bewegende Kabinenansprache, wie Anwesende berichteten. Er rühmte sein „Truppe“, mit der er die Zeit zurückdrehen und das einzigartige Triple von 2013 wiederholen wollte. „Ich habe den FC Bayern in der Verfassung, in der Form schon viele Jahre nicht mehr gesehen“, schwärmte der Coach nach 97 Minuten „Fußball vom Feinsten, Fußball, den man selten in Europa sieht“. Beim Bankett im Teamhotel pries Karl-Heinz Rummenigge die paralysiert zuhörenden Spieler in seiner Rede. „Wenn ich einen Hut aufhätte, würde ich ihn ziehen und mich vor der Mannschaft verneigen“, sprach der Bayern-Chef. Die Edelfans applaudierten.

Ulreich entschuldigt sich

Ein Törchen fehlte gegen die Königlichen um den Ex-Münchner Toni Kroos, die am 26. Mai in Kiew den dritten Königsklassen-Triumph nacheinander anpeilen. Vielleicht war es aber auch nur ein Fehler zu viel, den die Bayern beim fünften Königsklassen-K.o. nacheinander gegen eine spanische Mannschaft machten. „Wir müssen uns natürlich auch die Frage stellen, was machen wir in diesen Spielen falsch?“, sagte Kapitän Thomas Müller – und gab die Antwort gleich selbst. „Es liegt nicht an irgendwas Grundsätzlichem, dass es nicht reicht. Das Einzige, was sich in den letzten Jahren wiederholt in den Spielen, in denen wir ausscheiden: Wir machen zu viele deutliche individuelle Fehler, ob es verschossene Elfmeter sind, ob es Rote Karten sind.“

Im Hinspiel hatte Abwehrspieler Rafinha den Überlebenskünstlern von Real ein Torgeschenk zum 1:2 gemacht. In Madrid war es Ulreich, der sich in der Schlüsselszene wieder zum 1:2 direkt nach Wiederanpfiff einen „Blackout“ leistete, wie Heynckes sagte. Den „unnötigen“ Rückpass von Corentin Tolisso habe Ulreich wohl erst mit den Händen aufnehmen wollen. Dann sei er „konfus geworden“, patzte, und Reals Doppeltorschütze Karim Benzema überstrahlte ausnahmsweise sogar den wie Robert Lewandowski in beiden Spielen torlosen Cristiano Ronaldo.

„Das ist sehr bitter für den Spieler“, sagte Heynckes über Ulreich, der sich gestern via Instagram bei seinen Teamkollegen für den „unnötigen Fehler“ entschuldigt. „Ich kann es mir nicht erklären. Es tut mir leid... für mein Team und für euch Fans.“

„Sven hat eine ganz tolle Saison gespielt“, meinte Heynckes, ein Manuel Neuer ist Ulreich am Ende aber doch nicht. Weltmeister Mats Hummels urteilte schonungslos: „Natürlich ist es auch Unvermögen, wenn man jetzt vor allem jeweils das 1:2 für Real sieht in beiden Spielen.“Hummels berichtete zudem vom kurzen Wortwechsel mit Weltmeister-Kollege Kroos. „Toni hat nach dem Spiel zu mir gesagt, Mats, das Ding haben nicht wir gewonnen, das habt ihr euch selber zuzuschreiben, dass ihr nicht im Finale seid. Und da hat er leider recht damit.“

Kritikpunkt Chancenverwertung

Hinten patzten die Bayern fatal. Und vorne fehlten in beiden Spielen zu häufig „Zentimeter“, wie es Hummels ausdrückte. Heynckes nannte die Chancenverwertung einen „Kritikpunkt“, den er akzeptieren müsse. Den seit sechs Meisterjahren national nicht geforderten Bayern fehlt im Bundesliga-Alltag wohl einfach der Stressfaktor der großen Spiele.

„Wir sind alle ein Stück traurig, weil es heute einfach möglich war, das große Real in den Abgrund zu stoßen“, haderte Rummenigge. So endete die nächste glücklose Madrid-Reise mit einem finalen Auftrag des Vorstandsvorsitzenden. „Ich glaube, es ist jetzt in unserer Verantwortung und das Ziel, dass wir zumindest das Double gewinnen und mit diesem Halbfinale eine Saison abrunden, die ihresgleichen sucht.“

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