Fußball

Fußball Bundesliga-Clubs ringen nach Vergabe der Fernsehrechte um die Verteilung der Milliardensummen

Das Ende der Einigkeit

Archivartikel

Frankfurt.Im gemeinsamen Corona-Existenzkampf rückte der deutsche Profifußball ein gewaltiges Stück zusammen, doch mit dem solidarischen Kuschelkurs ist es im Milliardengeschäft schon wieder vorbei. Kaum hatte DFL-Boss Christian Seifert am Montag den Erlös von 4,4 Milliarden Euro aus den TV-Rechten für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 verkündet, brachten sich die Bundesligaclubs für den großen Kampf ums Geld in Stellung.

Die international gefragten Top-Vereine wie Abonnement-Meister Bayern München oder Verfolger Borussia Dortmund wollen ihre Millionen weiter nach dem bisherigen Verteilerschlüssel der Liga kassieren. „In Deutschland gibt es eine sehr solidarische, ausgewogene Verteilung der TV-Gelder: Der Meister erhält doppelt so viel TV-Einnahmen wie der Tabellenletzte“, sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge dem „Handelsblatt“.

Die Großen gegen die Kleinen

Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hält nichts von einem neuen Verteilerschlüssel. Der „Status quo“ sei richtig, sagte er den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“ und betonte: „Wenn man versucht, die Zugpferde der Liga zu schwächen, dann schwächt man die ganze Liga.“

Das sehen die „Kleinen“ der Branche ganz anders. Sie wollen künftig mehr vom ohnehin geschrumpften Kuchen – vor allem durch den Ausfall von Eurosport fehlen schon in der nächsten Spielzeit bis zu 150 Millionen Euro – abbekommen. „Ich denke, dass alle mittlerweile verstanden haben, dass es auch schön wäre, wenn eine Generation von Kindern aufwächst, die nicht nur Bayern München als Meister erlebt“, sagte Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry dem „Weser-Kurier“ und forderte: „Wir müssen uns auf die Verteilung der nationalen und internationalen Medienerlöse konzentrieren, um einen fairen und integren Wettbewerb hinzubekommen.“

Für alle Vereine gilt: Die ungewisse Situation aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie ist eine enorme Herausforderung. Seifert erwartet daher in den nächsten Wochen eine sehr intensive Debatte. Schon an diesem Mittwoch tagt das Präsidium der Deutschen Fußball Liga, um sich über die nahe Corona-Zukunft und die anstehende Gelder-Verteilung auszutauschen.

Die Gespräche darüber bezeichnete Seifert als „genauso anstrengend“ wie die Verhandlungen mit den Medienpartnern, die – wohl auch wegen der Corona-Krise – diesmal rund 240 Millionen Euro weniger einbrachten als im aktuellen Rechtezyklus. Was er damit meinte, wurde bei einem Blick auf die ersten Reaktionen der Clubs sofort klar. Zwar wurde durchgehend das positive Ergebnis der DFL gelobt. Was mit dem Geld nun aber passieren soll, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Wie Filbry fordert auch Fortuna Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann eine Umverteilung. „Wir sprechen seit Jahren davon, dass die Schere zwischen den Vereinen immer weiter auseinander geht, wir unternehmen aber nichts dagegen. Die Krise hat uns den Spiegel vorgehalten und daher ist genau jetzt der Zeitpunkt, etwas zu ändern. Wir brauchen keine Geldverteilung, die die jetzigen Verhältnisse zementiert“, sagte der 59-Jährige. Es sei ein Trugschluss, die Top-Clubs immer weiter mit Geld zu versorgen, um so die internationale Konkurrenzfähigkeit zu befördern.

Krösus FC Bayern

In der Saison 2018/19 erhielt Bayern München als Liga-Krösus aus der nationalen Rechteverwertung mit 65,4 Millionen Euro mehr als zweieinhalb mal so viel Geld wie die Düsseldorfer, die rund 25 Millionen Euro kassierten.

Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand des Erstligisten FSV Mainz 05, fürchtet durch den leichten Rückgang der TV-Gelder härtere Auswirkungen „vor allem für die kleineren Clubs, die wie wir im Verhältnis mehr von den Medienerlösen abhängig sind als von anderen Einnahmen“. dpa

Zum Thema