Fußball

Fußball César Luis Menotti bleibt auch mit 80 ein streitbarer Geist

Der argentinische Philosoph auf der Trainerbank

Archivartikel

Buenos Aires.Kaum einer spricht so poetisch über den Fußball wie César Luis Menotti (Bild). „Der Ball kann am Fuß und im Kopf einiger Spieler zum Kunstwerk werden“, sagte er in einem Gespräch zu seinem 80. Geburtstag am 5. November. Ein typischer Menotti. Auch 40 Jahre nach seinem größten Erfolg, dem Gewinn der WM 1978 im eigenen Land, wird der Argentinier noch gehört. Und über ihn wird diskutiert. Das Land stand seit 1976 unter der Terrorherrschaft einer Militärdiktatur.

Nach dem Scheitern der Nationalelf bei der WM 1974 in Deutschland war Menotti als Trainer der Gauchos angeheuert worden. Diktator Rafael Videla und die Militärs setzten große Hoffnungen in den Fußball und die WM, um internationale Anerkennung zu erreichen. Menotti, Mitglied der Kommunistischen Partei, versuchte, politische Äußerungen zu vermeiden, die als Unterstützung der Militärs verstanden werden konnten. Später sagte er: „Meine Spieler haben die Diktatur der Taktik und den Terror der Systeme besiegt“, was sich als Kritik am System interpretieren ließ. Es ist umstritten, ob der Titelgewinn den Machthabern genützt oder geschadet hat. Die Argentinier setzten sich im Finale mit 3:1 nach Verlängerung gegen die Niederlande durch. Auf dem Weg dorthin hatte Menottis Team mit 6:0 gegen Peru gewonnen – die mit einem Manipulationsverdacht behaftete Partie gilt als eine der umstrittensten der Geschichte.

Menotti hatte schon nach seinem ersten Trainertitel 1973 mit dem Club Huracán in der argentinischen Liga seinen Stil definiert: „Offensiv, sauber, fröhlich“, entgegengesetzt zum rein ergebnisorientierten Spiel. Das sei ein „linker“ Fußball. „In der Erinnerung bleiben die Teams, die mit gutem Spiel gewonnen haben“, sagte er. Ein Jahr nach der WM gewann Menotti auch die U-20 Weltmeisterschaft in Japan, mit dem damals 18-jährigen Maradona als Star. Nach dem Scheitern der Nationalelf bei der WM in Spanien musste „El Flaco“ (der Dürre) gehen. 25 Jahre lang war der wegen seines immensen Zigarettenkonsums berüchtigte Argentinier noch Trainer verschiedener Vereine, unter ihnen der FC Barcelona, doch ohne großen Erfolg. dpa (Bild: dpa)