Fußball

Fußball DFB zeichnet Die Toten Hosen mit dem Julius Hirsch Ehrenpreis für jahrelanges Engagement gegen Rechtsextremismus aus

„Der Schmierstoff unserer Gesellschaft“

Archivartikel

Frankfurt.Die Star-Gäste des Abends kommen mit sieben Minuten Verspätung auf ihren Plätzen in der ersten Reihe an. Am Montag um 19.07 Uhr begrüßt der neue DFB-Präsident Fritz Keller Die Toten Hosen per Handschlag im Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens. Die Punkrocker aus Düsseldorf, die die großen Hallen und Stadien der Republik füllen, sind in kompletter Bandbesetzung in die hessische Metropole gekommen, um den Julius Hirsch Ehrenpreis für ihr jahrelanges lautstarkes Engagement gegen Rassismus entgegenzunehmen. Julius Hirsch (1892-1945) war ein deutscher Fußball-Nationalspieler jüdischen Glaubens, den die Nazis während des zweiten Weltkriegs im Vernichtungslager Auschwitz ermordeten.

Als Keller auf der Bühne den Preis an die Musiker überreicht, gibt es Standing Ovations der Besucher. „Wir fühlen uns sehr geehrt und freuen uns unheimlich über den Preis. Es ist einer der schönsten Abende in der letzten Zeit. Wenn der DFB Zivilcourage würdigt und seine eigene Geschichte so aufarbeitet, kommen wir natürlich gerne“, sagt Sänger Campino.

Die Laudatio auf die Hosen hat zuvor die Idealbesetzung für diesen Job gehalten: Thees Uhlmann, selbst erfolgreicher Indierocker und Autor, hat gerade ein äußerst lesenswertes und unterhaltsames Buch über die deutsche Kult-Band veröffentlicht, die ihn sein komplettes Leben musikalisch begleitet hat. „Die Toten Hosen waren mein allererstes Konzert. Sie sind gute Freunde geworden“, erklärt der bekennende Fan des FC St. Pauli. „Meine liebe Toten Hosen, jetzt bekommt Ihr schon Preise vom DFB. Jetzt ist es offiziell: Ihr seid kein Punk mehr“, lästert Uhlmann mit einem Lächeln und blickt zurück auf eine fast 40-jährige Bandgeschichte, in der Politik und Fußball schon immer eine große Rolle spielten. „Schon 1989 gingen eine Mark pro Ticket der Hosen-Tour an Fortuna Düsseldorf, für den Transfer von Anthony Baffoe“, erzählt der 45-Jährige. Ein Konzert der Toten Hosen sei wie ein Fußballspiel 2019 erst recht ein wichtiger „Schmierstoff unserer Gesellschaft“, in der Banker und Punker gemeinsam feiern.

Keller hat zu Beginn in emotionalen Worten einen Aufstand der Anständigen gegen den Rechtsruck in Teilen der Gesellschaft gefordert, der sich auch in Auswüchsen auf den Fußballplätzen des Landes widerspiegele. „Es passieren Dinge, die man sich vor zehn Jahren noch nicht vorstellen konnte. Wir reinen Demokraten müssen heute aufstehen. Wir müssen Zivilcourage zeigen und Rassismus sowie Antisemitismus im Keim ersticken. Das alles ist nicht mehr hinnehmbar“, sagt der DFB-Boss aus Freiburg und fügt in derber Sprache hinzu: „Diese Leute sollen einfach die Fresse halten.“

Das sieht Campino ähnlich. Wenn die Hosen nach Frankfurt zurückkehren, wird es garantiert weniger nachdenklich, sondern laut und energiegeladen zugehen: Auf ihrer Sommer-Tour 2020 spielen die Düsseldorfer am 26. Juni in der bereits ausverkauften Festhalle.