Fußball

American Football Stuttgarter Jakob Johnson profitiert vom Rauswurf des Starspielers der New England Patriots

Der tiefe Fall des Antonio Brown

Archivartikel

Foxborough/Stuttgart.Der tiefe Fall von Antonio Brown hat für den Stuttgarter Footballspieler Jakob Johnson die letzte Tür auf dem Weg in die NFL geöffnet. Nach immer neuen Eklats rund um Vorwürfe der Vergewaltigung und Bedrohung feuerten die New England Patriots den Skandalprofi Brown, der daraufhin sein Karriereende in der NFL verkündete und via Twitter mit Rundumschlägen etliche Personen attackierte. Den freien Kaderplatz von „AB“ bekam am Samstag der 24 Jahre alte Johnson, der noch in der vergangenen Saison für die Stuttgart Scorpions in der German Football League (GFL) spielte, und beim Sieg der Patriots gegen die New York Jets sein Debüt gab.

Brown war jahrelang eine der größten Sensationen im American Football. Er fing Pässe wie kein anderer, kaum ein Highlight-Video kam ohne Aktionen oder Touchdowns des Wide Receivers aus. Nun aber sorgte der 31-Jährige eigenhändig dafür, dass er bei all den sportlichen Meriten als Bad Boy in die Historie eingehen wird. Denn so spektakulär der Passempfänger auf dem Feld agierte, so laut verabschiedete er sich auch in die – vorläufige oder endgültige? – Football-Rente. In seinem Abschiedstweet („Ich werde nicht mehr in der NFL spielen“) attackierte der 31-Jährige die Teambesitzer und warf ihnen vor, ihm Gehalt in Millionenhöhe vorzuenthalten.

Schwerwiegende Vorwürfe

Brown war im Frühjahr von den Pittsburgh Steelers zu den Oakland Raiders gegangen. Nach etlichen Eklats warfen ihn die Kalifornier raus – eine vereinbarte Fixzahlung von fast 30 Millionen Dollar strichen die Raiders wegen der Vergehen des Spielers. Noch am selben Tag holten die Patriots Brown, nur um zu erfahren, dass ihn eine Physiotherapeutin wegen Vergewaltigung verklagt. Berichten zufolge will auch New England dem Profi eine Prämie von neun Millionen Dollar nicht zahlen.

Die Patriots um Quarterback Tom Brady und Coach Bill Belichick sind bekannt, schwierige Spieler integrieren zu können. Dann aber warf eine weitere Frau Brown Belästigung vor, er soll sie daraufhin bedroht haben. Die Patriots feuerten Brown also gut zwei Wochen nach seiner Verpflichtung, die NFL ermittelt. Brown bestreitet die Vorwürfe. Um Football geht es bei dem tief Gefallenen aber schon nicht mehr – dabei waren sich vor den jüngsten Skandalen Experten einig, dass er zusammen mit den Patriots auf dem Weg zum Super Bowl nicht aufzuhalten sein wird.

Brown ist also der große Verlierer – Jakob Johnson dagegen profitiert. Der 24-Jährige, an der University of Tennessee und bei den Stuttgart Scorpions ausgebildet, kam beim 30:14 gegen die Jets in den Special Teams zum Einsatz und in der letzten Minute auf seiner klassischen Position als Fullback.

Der Sohn eines US-Vaters und einer deutschen Mutter, dessen Vorname auf deutsch ausgesprochen wird, schaffte es durch ein Programm für Nicht-Amerikaner zu den Patriots. Bereits 2017 hatte er eine Einladung, war dann aber am entscheidenden Tag verletzt. Ein Jahr später bekam er eine unerwartete zweite Chance und überzeugte. dpa