Fußball

Fußball Umstrittener Elfmeter für Bayern im Pokal-Halbfinale in Bremen schlägt hohe Wellen / Kohfeldt: „Ein brutaler Pfiff“

DFB räumt Fehler ein

Archivartikel

Bremen.Florian Kohfeldt wurde emotional. „Ich habe selbst mit mir zu kämpfen“, sagte der Trainer von Werder Bremen. Seine Mannschaft war kurz zuvor trotz eines starken Auftritts knapp mit 2:3 im Halbfinale des DFB-Pokals am FC Bayern München gescheitert, auch wegen eines umstrittenen Foulelfmeters. „Brutal“ nannte Kohfeldt den Pfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin), den Robert Lewandowski zum Endstand verwandelte. Doch der erst 36 Jahre alte Coach eröffnete keine Schiedsrichter-Schelte, im Gegenteil. „Das jetzt hier zu reduzieren auf Elfmeter oder einen Bayern-Bonus, das will ich nicht, das wird auch uns nicht gerecht. Das ist Quatsch“, sagte Kohfeldt.

„Neun von zehn Schiedsrichtern hätten da nicht gepfiffen“, monierte der Coach dennoch. Kapitän Max Kruse war mächtig angefressen: „Das ist lächerlich“, kommentierte er die Elfmeterszene. Kingsley Coman war nach einem leichten Schieber von Theodor Gebre Selassie im Strafraum zu Boden gegangen. „Wir haben einen Videobeweis. Wenn er das nicht sieht, können wir ihn wieder abschaffen“, sagte Kruse. Bayern-Coach Niko Kovac sprach von einer „harten Entscheidung“. „Wenn er nicht pfeift, können wir uns nicht beklagen“, meinte Kovac, sagte aber auch: „Der King (Coman) fällt nicht von allein. Der Ellbogen von Gebre Selassie war schon da, den hätte er besser weggelassen. Da hat er sich ein bisschen dumm angestellt.“ Bayern-Boss Uli Hoeneß hatte eine klare Meinung. „Die Entscheidung geht hundertprozentig in Ordnung.“

Videobeweis-Chef übt Kritik

Jochen Drees hat als Chef der DFB-Videoschiedsrichter unterdessen Fehler beim umstrittenen Elfmeter eingeräumt. „Aus schiedsrichterfachlicher Sicht halten wir die Strafstoßentscheidung für nicht korrekt“, wird Drees auf der DFB-Webseite am Donnerstag zitiert. Allerdings gebe es sowohl Aspekte, die gegen einen Strafstoß sprechen als auch einen Aspekt, der für einen Elfmeter spricht. Drees bemängelte in einem SWR-Interview zudem einen Kommunikationsfehler. Schiedsrichter Daniel Siebert und Videoassistent Robert Kampka hätten sich „im Prinzip diese Situation noch mal anschauen müssen. Und da haben beide einfach nicht auf die Art und Weise miteinander kommuniziert und geredet, wie wir das erwarten würden“, sagte der frühere Bundesliga-Referee. Drees nahm Siebert aber auch in Schutz. Auf die Frage, warum der Spielleiter sich die Szene nicht nochmal am Bildschirm angeschaut habe, sagte er: „Weil der Videoassistent eine Bewertung einer Szene vor dieser Szene vorgenommen hat und der Meinung war, dass die Entscheidung, Strafstoß zu geben, nicht klar und offensichtlich falsch gewesen ist.“ Problematisch an der Situation sei also gewesen, dass der Schiedsrichter und der Videoassistent unterschiedliche Details der Szene bewertet hätten. Es wäre „auf jeden Fall notwendig gewesen, sich dies bewusst zu machen und dem Schiedsrichter die Gelegenheit zu geben, sich diese Szene nochmals anzuschauen“, so Drees.

Kohfeldt wollte nach dem bitteren Pokal-K.o. lieber über sein Team reden. „Ich bin so stolz“, schwärmte Kohfeldt. „Mit was für Eifer, Enthusiasmus und Mut sie gegen die stärkste Mannschaft in Deutschland gespielt hat. Es war geil.“ Daran hatte auch der Coach einen großen Anteil. Sein Plan, seine Taktik sei „zu zehntausend Prozent“ gegen die Bayern aufgegangen. „Es war ein 50:50-Spiel“, befand Kohfeldt. „Und das ist ein Kompliment an uns.“ Der Fußball-Lehrer, vom DFB vor einigen Wochen zum „Trainer des Jahres 2018“ gekürt, hat Werder wieder in die Spur gebracht. Seit seiner Amtsübernahme im Herbst 2017 hat er gemeinsam mit Sportchef Frank Baumann den damals vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit stehenden Traditionsverein wieder zu einem Anwärter auf die internationalen Plätze gemacht – am Mittwoch war sein Team sogar auf Augenhöhe mit Branchen-Primus München.

„Nach dem Spiel habe ich die Spieler zusammengeholt und ihnen gesagt, wie traurig und getroffen ich bin. Aber wir sind eine geile Mannschaft und werden uns jetzt in den folgenden vier Spielen in der Liga mit dem Europa-League-Einzug belohnen“, so Kohfeldt. „Diese Abende wie heute wollen wir in Zukunft häufiger haben.“ Doch zuvor ist er auch als Psychologe gefragt, um die Spieler vor dem Liga-Spiel des Tabellenachten gegen Düsseldorf am Samstag (15.30 Uhr) wieder aufzurichten.

Zum Thema