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Fußball Borussia Dortmund sendet mit 4:1 gegen Leipzig ein echtes Ausrufezeichen – der neue Trainer bleibt reserviert

Die Rädchen finden ineinander

Archivartikel

Dortmund.Mit seiner neuen Rolle im Profifußball muss sich Sebastian Kehl erst noch anfreunden, aber das gelingt dem 38-Jährigen bereits erstaunlich gut. Der ehemalige Kapitän von Borussia Dortmund gibt nun nicht mehr im Trikot und mit kurzer Hose Auskunft über den Zustand seiner Mannschaft, sondern im Business-Dress. Kehl hat die Aufgabe übernommen, als Leiter der Lizenzligaabteilung nah an die Spieler heranzurücken und ihnen das zu vermitteln, was in der so enttäuschenden letzten Saison schmerzlich vermisst wurde: Mentalität und Siegeswillen.

Das scheint zu gelingen, der BVB grüßt nach dem ersten Spieltag der neuen Saison als Tabellenführer. „Es war ein guter Auftakt, wir sind sehr erleichtert“, sagte Kehl nach dem überaus kurzweiligen 4:1 (3:1)-Heimsieg vor 80 000 Zuschauern gegen RB Leipzig: „Ein paar Rädchen finden ineinander. Insgesamt ist ein Aufbruch zu spüren, und die Fans stehen wieder hinter uns.“

Wunschstürmer im Anflug

Das Ergebnis war ein echtes Ausrufzeichen, es machte deutlich, dass mit der runderneuerten Mannschaft in dieser Saison zu rechnen ist. Aber wie das manchmal so ist im Fußball: Das reine Zahlenwerk spiegelt nicht immer genau das wider, was sich in den 90 Minuten zuvor auf dem Rasen abgespielt hat. Zum Beispiel, dass die Borussia ihrem Widersacher in der vogelwilden Anfangsphase, in der sie bereits nach 31 Sekunden in Rückstand geriet, so bemitleidenswert unterlegen war, dass sie entscheidend ins Hintertreffen hätte geraten können.

„Am Anfang, puuuh“, sagte Trainer Lucien Favre und pustete nach der Heimspielpremiere bei seinem neuen Arbeitgeber erst einmal tief durch. Der überaus starke Torhüter Roman Bürki, der sein Team mehrmals mit tollen Paraden im Spiel hielt, konkretisierte die Aussage seines Chefs: „Unser Plan vom gepflegten Spielaufbau ist überhaupt nicht aufgegangen.“

Tatsächlich stolperten desorientierte Dortmunder gegen vehement pressende Leipziger von einer Verlegenheit in die nächste. Erst nach und nach fingen sie sich, um das Spiel dann mit ein wenig Glück und ganz viel Moral zu drehen. „Leipzig war in den ersten 25 Minuten viel besser, viel schneller als wir“, sagte Favre: „Es war zu leicht, gegen uns Topchancen zu kreieren.“ Der Perfektionist auf der Dortmunder Bank sieht noch viel Arbeit, gebetsmühlenartig fordert er Geduld als Grundtugend ein, um seinen Spielstil etablieren zu können. Der Sieg gegen Leipzig war ein erster Schritt, mehr nicht. „Wir haben zwar klar gewonnen aber noch viele taktische Fehler gemacht.“

Vier Tore in einem turbulenten Auftaktspiel, da wäre es doch naheliegend, auf die offensiven Fachkräfte zu vertrauen. Dennoch wollen sie im Revier bis zum Ende der Transferperiode am 31. August noch einmal investieren und einen klassischen Mittelstürmer holen. Es verdichten sich die Meldungen, dass der BVB unmittelbar vor der Verpflichtung des spanischen Wunschstürmers Paco Alcácer steht. Wie diverse Medien schon am Wochenende übereinstimmend berichteten, soll das Leihgeschäft mit dem FC Barcelona Anfang der kommenden Woche abgeschlossen werden. Demnach seien nur noch Details zu klären und der obligatorische Medizincheck zu absolvieren. Der 24-Jährige soll für zwei Millionen Euro Leihgebühr bis Saisonende zum BVB wechseln, darüber hinaus, so die Nachrichtenlage, erhalte die Borussia eine Kaufoption im Bereich von 25 Millionen Euro.

Was macht Nuri Sahin?

Bestätigen mochte Zorc dies jedoch nicht, auch Dortmunds Sportdirektor mahnte „Geduld“ an. So viel dann aber doch: Es sei bis zum Ende der Transferperiode am 31. August „nicht komplett ausgeschlossen, dass wir noch einen Stürmer verpflichten“.

Auf der anderen Seite könnte der BVB bis Freitag auch noch Spieler abgeben. Nuri Sahin, genau wie Julian Weigl, der Ex-Hoffenheimer Jeremy Toljan, Ömer Toprak, Jacob Bruun Larsen, Sebastian Rode und Shinji Kagawa gegen Leipzig noch nicht einmal im Kader, wird mit einem Club in der Türkei in Verbindung gebracht. Die „Sport-Bild“ zitiert einen Medienbericht aus der Türkei von T24, demzufolge Fenerbahce Interesse am Mittelfeldspieler hat, dessen Vertrag in Dortmund ausläuft.