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Fußball Jürgen Klopp hat den FC Liverpool auf allen Ebenen wachgeküsst –am Samstag will er das Champions-League-Finale gewinnen

Die Sehnsucht nach dem Titel

Archivartikel

Madrid.Diesen Titel kann Jürgen Klopp selbst durch einen Erfolg im Champions-League-Finale nicht bekommen. Um irgendwann einmal „Sir Jürgen Klopp“ genannt werden zu dürfen, bräuchte der König von Liverpool vorher die britische Staatsbürgerschaft und einen Ritterschlag durch Queen Elizabeth. Diese Ehre ist aber so ziemlich das einzige, was dem deutschen Fußball-Trainer in England noch nicht angetragen wurde, seit er den FC Liverpool zum zweiten Mal nacheinander in das Endspiel der Königsklasse gegen Tottenham Hotspur geführt hat (Samstag, 21 Uhr/Sky und DAZN).

Klopps Konterfei ist im Internet in jedes Denkmal und Plattencover der Beatles hineinmontiert worden. Seine Kabinenansprache vor dem Halbfinal-Triumph gegen den FC Barcelona wurde sogar mit den Reden verglichen, mit denen Winston Churchill die Briten auf die Härten des Zweiten Weltkrieges einstellte. Die Überhöhung des Fußballs kennt keine Grenzen mehr. Die „eines der besten, wenn nicht sogar des besten Trainers der Welt“ (Ralf Rangnick) auch nicht.

Wieder im Drei-Jahre-Rhythmus?

Als Klopp im Oktober 2015 zum FC Liverpool kam, stellte er sich dort noch als „The Normal One“ vor, als der Normale. Was er seitdem aus einer der bekanntesten, aber zeitweise auch etwas angestaubten Marken des Weltfußballs gemacht hat, ist selbst bei nüchterner Betrachtung nicht ganz normal. „Was er dort bewirkt hat, wie er den Verein präsentiert, ist grandios“, sagte der frühere Liverpool-Spieler Dietmar Hamann in einem „Kicker“-Interview. „Wenn Topstars den FC Liverpool zwei oder drei anderen Spitzenclubs vorziehen, ist das allein sein Verdienst.“

Innerhalb von vier Jahren hat Klopp an der Anfield Road ein Team aufgebaut, das er in dieser Woche das beste nannte, mit dem er jemals in einem Finale stand. Clubs wie Manchester United oder den neuen Europa-League-Sieger FC Chelsea hat der LFC sportlich weit überholt.

Auf den ersten Blick fehlt Klopp jetzt nur noch eines mit diesem Team: ein Titel. Das Champions-League-Finale 2018, das Europa-League-Endspiel 2016 und das Ligapokal-Finale 2016 gingen jeweils verloren. In der englischen Meisterschaft wurde der Club mit 97 von 114 möglichen Punkten nur Zweiter hinter Manchester City.

Klopp will diese Titel. Allerdings braucht er ihn längst nicht mehr, um seine Spieler, seinen Club von seiner Arbeit zu überzeugen. Würde man diese Spieler und Fans fragen, wen sie lieber auf der Bank sitzen hätten: Den Zyniker José Mourinho, der mit drei verschiedenen Clubs vier Europapokal-Endspiele gewann? Oder den Menschenfänger Klopp, der mit Borussia Dortmund und dem LFC sechs verschiedene Endspiele verlor? Das Ergebnis wäre eindeutig.

Trotzdem: Die Champions League will Klopp am Samstag in Madrid auf jeden Fall gewinnen. Er hat drei Jahre gebraucht, um Mainz in die Bundesliga zu führen und auch drei Jahre, um mit Dortmund Meister zu werden. Jetzt soll im dritten Anlauf auch der erste Europacup-Triumph mit dem FC Liverpool her. „Die Welt da draußen erwartet von uns, dass wir das Finale gewinnen. Von mir persönlich erwarten das viele Leute vielleicht noch ein bisschen mehr, weil ich es so oft versucht habe“, sagte Klopp. „Ich will das für meine Spieler und für diesen großartigen Club erreichen.“ dpa