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Fußball Nach 2963 Tagen steht Gladbach wieder an der Bundesliga-Spitze / 5:1 gegen Augsburg

Die Tabelle ist ganz schön

Archivartikel

Mönchengladbach.Euphorisiert vom berauschenden 5:1 (4:0) gegen den FC Augsburg und dem Sturm an die Tabellenspitze sangen die Fans schon von der Meisterschaft. Borussia Mönchengladbach hat sich nach einem fast perfekten Spiel als Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga in die Länderspielpause verabschiedet. „Dadurch, dass andere Mannschaften mehr Unentschieden gespielt haben als gewonnen, ist es ein wunderbares Bild. Den Rückenwind wollen wir auch mitnehmen“, frohlockte Sportchef Max Eberl mit einem breiten Grinsen.

Nach dem ersten völlig überzeugenden Auftritt in dieser Saison unter dem neuen Trainer Marco Rose gegen einen aber auch bemitleidenswert schlechten FC Augsburg stieg im Borussia-Park im strömenden Regen eine Spontan-Party. „Als Fan würde ich mir jetzt auch ein Bier schnappen. Oder fünf – für jedes Tor eins“, sagte Gladbachs Abwehr-Routinier Tony Jantschke nach dem Fußball-Fest am Sonntag.

„Deutscher Meister wird nur der VfL“, sangen die Fans etwas voreilig nach dem siebten Spiel. Im Mittelpunkt der Glückseligkeit stand dabei Ur-Borusse Patrick Herrmann, der erst zum zweiten Mal in dieser Saison von Beginn an ran durfte und mit zwei Toren (8. Minute/13.) und der Vorarbeit zu Breel Embolos 5:1 (83.) zurückzahlte. „Das ist natürlich jetzt erstmal ganz schön, auf die Tabelle zu schauen“, sagte Herrmann, der der Borussia schon mit seinem Ausgleich beim ansonsten schwachen 1:1 bei Basaksehir Istanbul in der Europa League am Donnerstag einen Punkt gerettet hatte.

Zudem schossen Denis Zakaria (2.) und Alassane Plea (43.) das Rose-Team zum ersten Mal seit 2963 Tagen wieder an die Liga-Spitze. Florian Niederlechners Ehrentreffer (80.) kam zu spät für die am Sonntag nicht bundesligatauglichen Schwaben. „So, wie am Anfang, können wir uns eigentlich nicht präsentieren. Die große Qualität von Gladbach hat uns dann zerlegt“, bekannte Augsburgs Coach Martin Schmidt, dessen Team defensiv katastrophal schlecht agierte und zu Beginn jegliche Zweikämpfe verweigerte. Später übertrieben es die Schwaben dann aus Frust mit der Härte. In Stefan Lainer, Matthias Ginter und Plea verletzten sich gleich drei Borussen-Stammspieler. „Das ist das, was heute so richtig wehtut“, sagte VfL-Coach Rose.

Sportdirektor Eberl hatte Roses Vorgänger Dieter Hecking durch den 43 Jahre alten Meistertrainer von Red Bull Salzburg geholt und bewusst einen Stilwechsel gewünscht. Weg vom feinen Ballbesitzfußball der vergangenen Jahre hin zum inzwischen fast überall gewünschten Power-Fußball mit schnellem Umschalten und viel Pressing. Dies war in dieser Saison nicht immer schön anzuschauen, auch wenn die Punkteausbeute erstaunlich gut war. „Ich weiß, die Dinge sachlich einzuordnen. Wir haben noch viel, viel Arbeit vor uns“, bekannte Rose, der am Sonntag aber viel Gutes sah. „Das war heute ein Auftritt, wo wirklich alles auf dem Platz zu sehen war, was wir uns vorstellen“, meinte Eberl. „Die Mannschaft merkt jetzt, dass die Dinge funktionieren, die der Trainer und sein Stab vorgeben.“

In den vergangenen Jahren hatte es auch stets am Killerinstinkt gefehlt – immer dann, wenn es wirklich um etwas ging, spielte Borussia meist schlecht. „Das war heute anders“, sagte Eberl genüsslich zum positiven Mentalitätsschub unter Rose, der sein Team durchaus auf die Chance hingewiesen hatte, Tabellenführer zu werden. dpa