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Fußball Der VfL Wolfsburg will sich als solider Bundesliga-Club mit europäischen Ambitionen aufstellen

Die Träumereien sind vorbei

Archivartikel

Wolfsburg.Der VfL Wolfsburg ist ein komischer Bundesligist. Mal Spitzenteam, mal Abstiegskandidat – und meistens irgendwas dazwischen. Aktuell und offenbar auch in mittelfristiger Zukunft scheint man beim VW-Club mit diesem letzten Zustand aber ganz zufrieden zu sein. Die großen Träumereien sind bei den Niedersachsen jedenfalls erstmal vorbei.

Will der VfL also etwa wieder die graue Maus der Liga werden?

Naja, so extrem vielleicht auch nicht. Aber: Für überschäumende Stimmung ist die Volkswagen Arena ohnehin nicht bekannt (aktuell ja wie überall sonst sowieso nicht) und die Wolfsburger haben die letzten beiden Saisons auf den eher unspektakulären Plätzen sechs und sieben abgeschlossen. Sollte die Qualifikation für die Europa League erneut gelingen, wird das wohl keine Euphorie auslösen. Aber auf der Agenda steht dazu passend auch etwas, was in den vergangenen Jahren gerne mal versäumt wurde: Solidität.

Wie will Wolfsburg denn solide sein oder werden?

In den vergangenen Jahren wurden in den Transferperioden etliche Millionen für teils namhafte Spieler ausgegeben, die dann enorm viel verdienten, aber es nicht unbedingt mit Leistung zurückzahlten. Das ist in diesem Jahr ganz anders: Die einzigen beiden externen Neuzugänge bisher sind Innenverteidiger Maxence Lacroix und Mittelstürmer Bartos Bialek, 20 und 18 Jahre alt, verheißungsvolle Talente. Die Zurückhaltung hat natürlich wie so vieles anderes mit der Corona-Krise zu tun. Bei Alleingesellschafter Volkswagen sitzen die Millionen längst nicht mehr so locker.

Also geht’s jetzt in der Tabelle nach unten?

Nicht unbedingt. Zwar hat sich bei den Neuzugängen wenig getan, dafür hat der VfL auch keine Leistungsträger abgegeben. Auch das war in der Vergangenheit oft anders. Lediglich Vereinsurgestein Robin Knoche wurde abgegeben und das sogar freiwillig. Der Innenverteidiger sollte weniger verdienen, lehnte ab – und spielt jetzt bei Ligarivale 1. FC Union Berlin. Unklar ist noch die Personalie Marin Pongracic. Der im Winter (übrigens für recht teures Geld) verpflichtete Innenverteidiger fällt mit Pfeifferschem Drüsenfieber erst einmal aus. Mit Lacroix ist Ersatz zwar schon da, dennoch sucht Manager Jörg Schmadtke noch einen Mann für die Anwehrzentrale. Dafür ist schon noch Geld beim VfL da – mindestens.

Friede, Freude, Eierkuchen in Wolfsburg oder wie?

So einfach ist es auch wieder nicht. Die Vorbereitung läuft bisher nicht komplett rund. So gab es zum Beispiel bei Zweitligaaufsteiger und Nachbar Eintracht Braunschweig eine 0:1-Niederlage. Überdies gifteten sich die beiden Angreifer Daniel Ginczek und Wout Weghorst noch an, weil Ersterer seinen Stellenwert als Nummer zwei im Angriff offenbar nicht wirklich gut findet. Dazu gibt es immer wieder Gerüchte, ob Weghorst oder zum Beispiel Josip Brekalo den Verein noch verlassen. Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer blocken aber ab: Bisher liegen angeblich für beide keine Angebote auf dem Tisch.

Und der Trainer?

Oliver Glasner ist kein Mann der lauten Worte. Dabei ist die Leistung des Österreichers beachtlich. In seinem ersten Jahr musste er die gute Saison seines Vorgängers Bruno Labbadia bestätigen und schaffte das weitgehend. Mit seinem ruhigen Naturell passt er gut zur aktuellen Ausrichtung des VfL. Der 45-Jährige ist außerdem im Sommer der Initiative „Common Goal“ beigetreten, in der Fußballer mindestens ein Prozent ihres Einkommens spenden.

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