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Fußball Nach dem 1:2 in Augsburg bricht bei Noch-Spitzenreiter BVB eine Mentalitätsdebatte aus / Sammer: „Wie eine Durchschnittsmannschaft“

Dortmund in schwerer Schieflage

Archivartikel

Augsburg/Dortmund.So wird das nichts mit einem Dortmunder Bundesliga-Triumph und dem erträumten Comeback-Coup in der Champions League. Das unnötige 1:2 (0:1) beim FC Augsburg hat Lucien Favres Fußball-Überfliegern a. D. nicht nur die letzten drei Punkte Vorsprung auf den FC Bayern gekostet. Vor der entscheidenden Saisonphase und dem schweren Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse gegen Tottenham brockten sich die Schwarz-Gelben auch eine Mentalitätsdebatte ein. Fehlt der Truppe gegen schwache Gegner die Motivation? „Nicht wie ein Champion, sondern wie eine Durchschnittsmannschaft in der Bundesliga“ sei der BVB mal wieder aufgetreten, kritisierte Matthias Sammer.

Der Borussen-Berater erinnerte als Eurosport-Experte an die mickrigen zwei Punkte, die Dortmund in dieser Saison in den vier Auswärtsspielen gegen die Abstiegskandidaten Hannover, Düsseldorf, Nürnberg und nun Augsburg gewann. Mit solchen Vorstellungen verlieren auch tolle Erfolge wie in der Hinrunde gegen Bayern ihren Wert.

Die Münchner nutzten den schwarz-gelben Patzer vom Freitagabend prompt und schlossen durch ein famoses 5:1 im Topspiel in Mönchengladbach nach Punkten zu Dortmund auf. Der Schwung aus dem Spätherbst, als Favres Mannschaft teilweise neun Punkte Vorsprung auf den Rekordchampion hatte, ist dahin. „Wir können nicht mehr sagen, ,es ist okay’, wenn wir mal eine schlechte Leistung bringen“, erkannte Mittelfeldspieler Thomas Delaney, „jetzt haben wir noch mehr Druck.“

Hoffen auf das Wunder

Just in der Situation will Dortmund in der Champions League am Dienstag gegen Tottenham Hotspur ein 0:3 aus dem Hinspiel wettmachen. Ist der Glaube daran überhaupt noch da? Oder kommt es Favre vielleicht sogar ganz gelegen, sich angesichts der Leistungsschwankungen künftig auf einen Wettbewerb konzentrieren zu können? „Wir werden sehen“, sagte er am Freitagabend nachdenklich.

Fehlender Kampf, keine Konsequenz im Angriff und dazu folgenschwere individuelle Fehler vor den Gegentoren durch den Ex-Borussen Dong-won Ji (24./68. Minute) führten zur Dortmunder Niederlage in Augsburg. „Ich muss mich immer enorm zusammenreißen, dass ich nicht jemandem den Kopf abreiße“, schimpfte Torhüter Roman Bürki angesichts der Patzer.

„Das müssen wir schnell abstellen“, forderte Kapitän Marco Reus zu den Mängeln in Offensive wie Defensive. Nach dreieinhalbwöchiger Verletzungspause hatte er sein Comeback gegeben, konnte den Sturm aber nicht beflügeln. Der arg vermisste Nationalspieler scheiterte sogar selbst einmal allein vor dem überragenden Augsburger Keeper Gregor Kobel. Paco Alcacers Anschlusstreffer (81.) kam zu spät.

Nicht sein Team, sondern der gegen den Abstieg spielende FCA hatte „extreme Begeisterung, Leidenschaft und Laufbereitschaft auf den Platz gebracht“, bemängelte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Dessen Ex-Teamkollege Sammer forderte eine Analyse der Schieflage und klare Gegenmaßnahmen: „Wenn du nicht irgendwann an den Punkt kommst, wo du sagst: Jetzt ist klar: Das ist es – und jetzt alle zusammenreißen – dann ist es wie schleichendes Gift.“ dpa