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Fußball Nach dem ernüchternden 2:2 in Bremen wollen die BVB-Bosse im Titelrennen nicht aufgeben

Dortmunder Durchhalteparolen

Archivartikel

Bremen.Öffentlich kapitulieren wie nach dem Derby-Drama wollte Lucien Favre diesmal nicht. Richtig glauben sie beim BVB nach dem nächsten Tiefschlag im Titelrennen der Fußball-Bundesliga an die neunte Meisterschaft aber nicht mehr. „Wir sind keine Träumer“, sagten Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Favre nach dem 2:2 (2:0) am Samstag bei Werder Bremen unabhängig voneinander. Vor den letzten beiden Spielen sind die Chancen auf die Meisterschale auf ein Minimum gesunken.

Dass in Claudio Pizarro ein langjähriger Bayern-Profi den Münchnern wohl den Weg zur 29. Meisterschaft ebnete, war für den BVB mehr als eine bittere Pointe. Es war eine Woche nach dem 2:4-Derby-Drama gegen Schalke die nächste Breitseite. „Das tut unglaublich weh“, klagte Mittelfeldspieler Julian Weigl und Zorc räumte ein: „Natürlich ist Bayern absolut in der Pole Position und hat die heute noch ausgebaut.“ Der Rekordmeister zog auf vier Punkte davon.

„Noch nicht zu Ende“

Favre, der aus der Emotion heraus schon nach der Derby-Pleite aufgesteckt hatte, verpackte seine Enttäuschung diesmal im verbalen Gleichklang mit Zorc geschickter. Ein Realist ist der Schweizer aber schon immer gewesen. Zwar haben die Bayern mit den Partien in Leipzig und gegen den Vierten Frankfurt das schwierigere Restprogramm als der BVB. Die Westfalen aber müssen gegen die wackeren Düsseldorfer und im Prestigeduell bei Borussia Mönchengladbach zweimal siegen. Die Bayern brauchen hingegen nur noch zwei Punkte für den Titel.

Die Durchhalteparolen einiger Dortmunder nach der erneuten Enttäuschung klangen somit verdächtig nach Pflicht-Aussagen für die Fans. „Das ist doch unsere Verpflichtung, unsere Aufgabe. So lange rechnerisch noch alles möglich ist, alles dafür zu tun“, sagte Zorc nun und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke versuchte am Sonntag, die Spannung hochzuhalten. „Ich bin davon überzeugt, dass es noch nicht zu Ende ist und die Entscheidung erst am letzten Spieltag fällt“, sagte Watzke den „Ruhr-Nachrichten“: „Der Rest Hoffnung verschwindet erst, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist.“

Siegchance vertan

Die Spieler ließen eher durchblicken, was auch der neutrale Beobachter vermutete: Das war’s. „Es fühlt sich an, als wäre es vorbei“, gestand Dortmunds Ex-Bremer Thomas Delaney und Weigl meinte: „Rein rechnerisch bleibt es möglich, aber realistisch wird es sehr, sehr schwer.“ Der BVB hätte eine deutlich greifbare Titelchance haben können. Das 2:2 in Bremen war so unnötig wie das 2:4 im Derby.

Eine Stunde lang dominierte der BVB in Bremen. Einziges Problem der Westfalen war, nicht höher als 2:0 durch Tore von Christian Pulisic (6. Minute) und Paco Alcácer (41.) zu führen. Dann kippte das Spiel emotional, weil Werder-Coach Florian Kohfeldt das Club-Idol Pizarro einwechselte. Wie so oft, wenn der inzwischen 40-Jährige ins Spiel kommt, veränderte dies dessen Statik zugunsten der überforderten Bremer. „Ein neues Element kommt rein. Diese Präsenz ist einfach da und das hilft uns weiter“, sagte Werder-Kapitän Max Kruse über seinen neuen Sturmpartner. Plötzlich waren die Dortmunder überfordert.

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