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Fußball Erstaunliche Allianzen gegen Champions-League-Reform

ECA-Chef Agnelli kritisiert Top-Ligen

Archivartikel

La Valletta.Rudi Völler hält mit seiner klaren Meinung mal wieder nicht hinter dem Berg und wagt auch einen Konflikt mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. „Furchtbar“ und „tödlich“ findet er die Idee der viel diskutierten Champions-League-Reform. Bayer Leverkusens Geschäftsführer reihte sich damit kurz vor Beginn des Sondergipfels der European Club Association (ECA) auf Malta in eine ungewöhnliche Front gegen die geplante Neuordnung der Königsklasse ein, zu der neuerdings auch Fifa-Präsident Gianni Infantino und sogar der französische Staatschef Emmanuel Macron gehören.

Weil der Druck stetig wächst, versucht Juve-Chef und ECA-Boss Andrea Agnelli auf der Mittelmeerinsel bei einem außerordentlichen Zwei-Tage-Kongress derzeit seine Idee einer ganz auf die großen Elite-Clubs zugeschnittenen Champions League zu verteidigen. Quer durch Fußball-Europa offenbart sich mittlerweile ein Riss, der auch die Bundesliga betrifft.

„Das ist das Todesurteil des Fußballs, wenn du dich nicht mehr qualifizieren musst für europäische Wettbewerbe“, sagte Völler, der mit Leverkusen gerade als Bundesliga-Vierter auf sportlichem Weg den Sprung in den Top-Wettbewerb geschafft hat. „Wer das möchte, der muss schwachsinnig sein“, schimpfte er und widersprach mit krassem Vokabular Münchens Vorstandschef Rummenigge und Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Die Führungskräfte der Bundesliga-Topclubs sind aus ökonomischer Sorge zuletzt auf den Agnelli-Kurs eingeschwenkt und verteidigen die Idee einer Königsklassen-Reform von 2024 an, die die Position der nationalen Ligen schwächen würde. Die Bundesliga ist mit ihrem internen Interessenkonflikt nicht alleine. Auch in Spanien hat sich der Rest der Liga unter Führung von Atlético Madrid vom Spitzenduo Real Madrid und FC Barcelona distanziert und sogar einen Protestbrief gegen die Reform verfasst. Nur aus England kommt vorerst kollektive Ablehnung gegen eine Europacup-Reform aus der Premier League.

Protektionismus-Vorwürfe

Das ärgert Agnelli, der auf Konfrontationskurs zu den Ligen geht. Es sei enttäuschend, dass die Diskussion um das Projekt nur von Vertretern der fünf großen Ligen geführt werde. „Ich sehe das als Protektionismus der fünf großen Ligen gegenüber dem Rest des europäischen Fußballs an“, sagte Agnelli auf dem ECA-Sondergipfel auf Malta.

Agnelli wehrte sich dagegen, dass eine Reform nur den großen Clubs zugute käme. „Es geht um die Vereine von Position 16 bis 40-50 im Club-Ranking“, behauptete der Juventus-Boss: „Ajax war im Halbfinale und hat daheim das Double geholt, aber sie gehen in die Qualifikation. Wie kann Ajax wachsen?“ Ihm gehe es bei dem Projekt um Stabilität und das Interesse des europäischen Fußballs. dpa