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Fußball Dorotheé Augustin tritt zur Präsidentschaftswahl des Karlsruher Zweitligisten an

Ein Bodyguard beim KSC

Karlsruhe.Schon ihre Kandidatur sorgt für Aufsehen. Dorotheé Augustin wäre zwar nicht die erste Präsidentin im deutschen Profifußball. Diesen Pfad hat Gisela Schwerdt bei Arminia Bielefeld bereits vor 34 Jahren beschritten. Augustin wäre aber die einzige unter den aktuellen Proficlubs. „Ich war schon überrascht, wie große Kreise das Ganze zieht“, sagt die Offenburgerin mit Blick auf ihre vielen Interviews und Vorstellungstermine in den vergangenen Wochen. Am Donnerstag tritt sie gegen vier männliche Mitbewerber bei der Präsidentschaftswahl des Zweitligisten Karlsruher SC an.

Belastbar ist die 37 Jahre alte Polizistin, die Angelina Jolie als Vorbild nennt und als Tattoo auf ihrem Oberarm trägt, durchaus. Am vergangenen Wochenende wickelte sie ihre Hochzeit und die große Kandidaten-Präsentation im Karlsruher Autokino ohne sichtbare Spuren ab. „Mit einer Stunde Schlaf“, wie sie sagt. Männerdomänen sind für Augustin nichts Neues. In der Personenschutzgruppe des Bundeskriminalamts (BKA) war sie die einzige Frau. „Ich bin ich es gewohnt, dass man als Frau 110 Prozent geben muss, um akzeptiert zu werden. Ich habe gelernt, mich durchzusetzen und durch mein Engagement und durch meine Einstellung zu überzeugen“, sagt sie.

Berufsbedingt war sie oft im In- und Ausland unterwegs, hatte für den reibungslosen Ablauf von Dienstreisen ihrer Schutzpersonen bei großen gesellschaftlichen, politischen oder juristischen Veranstaltungen zu sorgen. „Ich musste mich da ständig in viele neue Themen einarbeiten“, sagt Augustin, die sich als ehrgeizig, zielstrebig, motiviert und engagiert charakterisiert. „Dass ich als einzige Frau antrete, sehe ich für mich als Vorteil. Ich finde aber, man sollte die Kandidatur nicht auf das Geschlecht reduzieren“, sagt sie.

Augustins Bewerbung findet auch den Beifall von Ute Groth. Die Vorsitzende des Breitensportvereins DJK TuSA 06 Düsseldorf hatte sich nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel 2019 auf den vakanten Posten des DFB-Präsidenten beworben.

Allein unter Männern

„Fußball ist eine reine Männerkultur. Frauen sind aber genauso fähig und es ist überfällig, dass sie an so großen gesellschaftlichen Dingen wie dem Fußball mehr Anteil haben“, sagt die bis dahin in der Fußball-Welt völlig unbekannte gelernte Bauzeichnerin und Krankenhausplanerin Groth.

Ahnung von Fußball zu haben nimmt Augustin für sich in Anspruch. „Ich bin sicher, an der sportlichen Schiene mangelt es mir nicht“, verweist sie darauf, selbst Fußball gespielt zu haben. Das sei einer der Gründe gewesen, die Bewerbung abzuschicken. „Hauptmotiv war meine Leidenschaft zum Fußball und zu meinem Lieblingsverein, dem KSC“, sagt sie. Und bei dem sei in der Vergangenheit nicht immer alles richtig gelaufen. „Ohne die anderen zu kritisieren, möchte ich da in der Zukunft einiges besser machen.“

Zwar hätten andere Bewerber mehr unternehmerische Erfahrung und Insiderwissen. Diese Lücke will Augustin aber schnell schließen. „Wenn ich mich für etwas interessiere, dann ziehe ich das auch mit aller Kraft durch“, verspricht sie: „Egal, was kommt.“ Auch als mögliche KSC-Präsidentin. dpa

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