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Fußball Achim Beierlorzer feiert beim sensationellen 5:1 in Hoffenheim einen unwirklich perfekten Einstand als Mainzer Trainer

Ein unbeschreiblicher Sieg

Sinsheim.Achim Beierlorzer wachte am Montag „im schönen Mainz“ auf – und nicht wie in den Monaten davor in Köln. Und es war nicht nur ein Traum, den der Fußball-Trainer zuvor erlebt hatte. Sein Blitzwechsel innerhalb von neun Tagen vom Abstiegskandidaten 1. FC Köln zum Abstiegskandidaten FSV Mainz 05 hat dem 52-Jährigen einen unvergesslichen Bundesliga-Abend beschert. Mit dem im Vorfeld nicht für möglich gehaltenen 5:1 (1:0) bei der TSG 1899 Hoffenheim feierte Beierlorzer einen formidablen Einstand.

Bereits am Sonntagabend wusste der 52-Jährige ganz genau, wie die Woche wird: „Schön! Wir sind natürlich überglücklich“, sagte Beierlorzer, der am Spieltag zuvor noch als Chefcoach des 1. FC Köln den Kraichgauern mit 1:2 unterlegen war. Nach dem Tor zum 4:1 durch Pierre Kunde Malong machte der Franke einen Luftsprung nach dem anderen und verschwand in der Jubeltraube seiner Spieler.

„Da habe ich mich so gefreut“, erzählte Beierlorzer später immer noch sichtlich aufgewühlt und lobte sein Team: „Alle, alle, ausnahmslos alle haben heute ein Topspiel gemacht.“ Wie so oft im Profigeschäft machte der Trainerwechsel den Spielern Beine. „Der Konkurrenzkampf ist sofort entbrannt“, bestätigte Sportvorstand Rouven Schröder. Trotz der Roten Karte für Ridle Baku noch vor der Pause spielten die Gäste groß auf. „Nach der Roten Karte ging noch mal ein Ruck durch die Mannschaft. Jeder hat für jeden gekämpft, und das 2:0 ist einfach zu einem sehr wichtigen Zeitpunkt gefallen“, meinte Levin Öztunali.

Gleichzeitig vergaß Beierlorzer nicht, seinen Vorgänger Sandro Schwarz hevorzuheben, mit dem er nach seinem Amtsantritt Kontakt aufgenommen hatte. „Sandro hat einen ganz großen Anteil daran. Die Arbeit wurde vorher gemacht. Ich bin erst gut eine Woche da“, betonte er – und zeigte in der Stunde des Erfolgs große Klasse. Wie geschmiert lief es für die nicht mehr wiederzuerkennenden Mainzer, für die Levin Öztunali, Pavel Kaderabek mit einem Kopfball-Eigentor, Jean-Paul Boetius und Kunde Malong ein zweites Mal vor 23 129 Zuschauern in Sinsheim trafen.

Sportvorstand Schröder war die Erleichterung nach der schweren Trennung von Schwarz ebenfalls anzusehen. „Durchatmen und jetzt das Gefühl entwickeln: Das möchte man häufiger erleben“, empfahl er. Das Erfolgserlebnis nach zuvor elf Gegentoren in den Partien bei RB Leipzig und gegen Union Berlin kommt gerade recht: Am kommenden Montag geht es ins Rhein-Main-Derby. „Der Anspruch im nächsten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt ist enorm hoch“, sagte Schröder.

Zentner: „Nur der erste Schritt“

Der starke Torhüter Robin Zentner warnte trotz der Glücksgefühle vor Überheblichkeit: „Das war ein erster Schritt. Wir haben die Konter sehr schön ausgespielt, dürfen das Ganze aber nicht zu hoch hängen.“

Manager Schröder ging es wie vielen der mitgereisten FSV-Fans, die ihre Mannschaft lautstark feierten. „Im Endeffekt haben alle heute gespürt, dass Fußball manchmal nicht zu beschreiben ist“, sagte er kopfschüttelnd. „Deshalb lieben wir diesen Sport auch, weil man manche Dinge gar nicht in Worte fassen kann.“ (dpa)