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Fußball Uefa leitet nach dem Auftreten der FC-Anhänger in London Untersuchungen ein / Absage nur knapp vermieden

Enttäuschung und Wut beim 1. FC Köln

London.Nach Lob und Schulterklopfen stand beim 1. FC Köln niemandem der Sinn. Der Schatten über dem langersehnten Europacup-Comeback war zu groß. Sportlich war es ein Tag für die Vereinshistorie, die Leistung war ehrenhaft, die Stimmung während des Spiels einzigartig. Dennoch sah man beim FC nur betrübte Gesichter. Die 1:3 (1:0)-Niederlage beim FC Arsenal, die Verletzung von Nationalspieler Jonas Hector, vor allem aber die Geschehnisse vor dem um eine Stunde verschobenen Anpfiff drückten die Stimmung gehörig.

Mittags hatten rund 15 000 Kölner Fans mit einer friedlichen Party in London für beeindruckende Bilder gesorgt. Doch nach den stellenweise chaotischen Szenen vor dem Spiel sah sich der FC Kritik von vielen Seiten ausgesetzt. Die UEFA leitete Ermittlungen gegen beide Clubs ein. Der 1. FC Köln distanzierte sich am Abend in einer Erklärung von den Anhängern. Es gebe "keinerlei Entschuldigung oder Rechtfertigung" dafür, "dass eine Gruppe von Störern ohne Anlass Ordner und Polizisten bedroht, beleidigt und sogar tätlich angegriffen hat".

Arsenals Teammanager Arsène Wenger stellte sachlich fest: "Die Kölner haben 25 Jahre darauf gewartet, zurückzukommen. Und dann versauen sie sich den ersten Abend."

Der Bundesligist erhob jedoch auch Vorwürfe gegen den FC Arsenal und die Sicherheitskräfte. "Das Sicherheitskonzept und die Kommunikation erschienen aus unserer Sicht unzureichend, die Zahl der Polizeikräfte zu gering", erklärte der Club. Insgesamt überwog bei den Kölnern jedoch die Wut über die eigenen Fans. "Wir heißen das als Spieler nicht gut. Das hat man auch bei der Begrüßung der Fans gesehen, die sehr kurz und knapp ausfiel", berichtete Torhüter Timo Horn. "Im Endeffekt schaden die Fans, die sowas machen, dem Verein." Trainer Peter Stöger wollte zu den Vorfällen nichts sagen. Doch das musste er auch nicht: Die Wut war ihm deutlich anzumerken. "Zu den Fans gebe ich keinen Kommentar ab", sagte der Österreicher ungewohnt schmallippig. Nur wenig gesprächiger war Kölns Sportdirektor Jörg Schmadtke. "Wenn ein Spiel eine Stunde später beginnen muss, ist das nie schön und gut", sagte er. Auf die Frage, wie eng die Partie vor einer Absage gestanden habe, sagte Schmadtke: "Relativ eng."

Ein Arsenal-Sprecher erklärte, man habe sich für die Austragung des Spiels entschieden, weil man es für die sicherere Variante gehalten habe. Im Falle einer Absage hätte man wohl Schlimmeres befürchtet. Kapitän Per Mertesacker berichtete laut "Bild" davon, dass man den Familien der Spieler geraten habe, nicht in das Stadion zu kommen.

Zuvor hatte die Deeskalations-Strategie aber nicht gegriffen. Was ansatzweise als Erklärung, nicht aber als Entschuldigung dient. "Wenn es den Versuch eines Platzsturms gegeben hat, dann verstehe ich die Motivation, kann es aber nicht gutheißen", sagte Kölns Vizepräsident Toni Schumacher dem "Express". "Wir sind hier Gäste und sollten uns auch als solche benehmen." Stattdessen versuchten rund 50 Kölner, gewaltsam in einen Block einzudringen, es gab eine Schlägerei im Block vor dem Spiel, zweimal wurden Bengalos gezündet.

Arsenal hatte dem FC trotz der Besonderheit des Spiels nur die obligatorischen 2900 Tickets zugestanden. Zahlreiche FC-Fans hatten sich daraufhin über andere Kanäle Tickets besorgt, auch von Arsenal-Fans auf dem Schwarzmarkt. dpa