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Fußball Das Zerwürfnis zwischen Wolfsburgs Coach Bruno Labbadia und Sportchef Jörg Schmadtke wird öffentlich

Erfolgstrainer vor der Ablösung

Archivartikel

Wolfsburg.Die Zeichen stehen auf Trennung zum Saisonende. Die Frage beim VfL Wolfsburg scheint derzeit nur noch, wie schmutzig das Aus von Erfolgscoach Bruno Labbadia am Ende wird. „Wir bleiben sauber“, betonte der Trainer gestern auffallend häufig, nachdem Sportchef Jörg Schmadtke das Nicht-Verhältnis der beiden erstmals öffentlich bestätigt hatte. „Sauberer als wir uns verhalten, kann man es nicht machen“, sagte Labbadia weiter – und meinte sich und sein Trainerteam, das den einstigen Dauer-Krisenclub erst vor dem Abstieg gerettet und nun auf Platz fünf der Fußball-Bundesliga geführt hatte.

Trotzdem dürfte der zum Saisonende auslaufende Vertrag des Darmstädters nicht verlängert werden, so viel ist seit dieser Woche klar. Das Verhältnis zwischen Schmadtke und Labbadia ist für eine weitere Zusammenarbeit offenbar zu schlecht. „Es ist nicht so, dass wir eine enge freundschaftliche Verbindung haben. Ich werde sicher mit ihm keine Kochrezepte austauschen oder einen gemeinsamen Urlaub planen“, sagte Schmadtke der „Bild“: „Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht.“ Labbadia unternahm auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Sonntag gegen Werder Bremen (18 Uhr) gar nicht erst den Versuch, den Eindruck zu erwecken, als wäre eine Vertragsverlängerung dennoch denkbar. „Das werde ich nicht hier beantworten. Wenn es etwas zu sagen gibt, werde ich das tun“, sagte Labbadia und fügte später vielsagend hinzu: „Eines habe ich gelernt: Ich bin ersetzbar.“ Und sprach an anderer Stelle sogar schon in der Vergangenheitsform über seinen Job beim VfL: „Das war eine wichtige Station in Wolfsburg.“

Zuletzt hatten beide betont, erst im April über eine weitere Zusammenarbeit sprechen zu wollen und damit Verwunderung angesichts der aktuellen Wolfsburger Erfolges ausgelöst. Dazu, ob es das Gespräch überhaupt noch geben wird, wollte sich Labbadia ebenso wenig äußern wie zu den Schmadtke-Aussagen. „Ich diskutiere das nicht in der Öffentlichkeit“, sagte der Noch-VfL-Coach und sendete damit einige der vielen Spitzen gegen Schmadtke, der das Thema eben doch in die Öffentlichkeit getragen hatte.

Bislang hatten beide die seit Wochen unübersehbare fehlende Bindung elegant wegmoderiert. Damit ist nun Schluss. So lange der Verein und Labbadia keine Fakten schaffen, dürfte das Thema weiter öffentlich diskutiert werden. Dies kann zur sportlichen Gefahr im Kampf um die Europapokal-Qualifikation, aber auch zur Schlammschlacht werden. „Das Wichtigste ist, dass wir uns nichts kaputtmachen oder uns nichts kaputtmachen lassen“, sagte Labbadia, der einen auffallend entspannten Eindruck vermittelte.

Für den 53-Jährigen ist die Situation deutlich komfortabler als für den ein Jahr älteren Schmadtke. Der müsste im Falle einer Europapokal-Rückkehr des VW-Clubs das Aus des Trainers begründen. Zudem stünde Schmadtke bei der Wahl eines Nachfolgers unter Zugzwang. dpa