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Fußball Mit dem 2:0-Erfolg im Supercup gegen den Meister untermauert Borussia Dortmund seine hohen Ziele in dieser Saison

Ernste Warnung an FC Bayern

Archivartikel

Dortmund.Lucien Favre ließ es sich nicht nehmen, den Siegerpokal eigenhändig in die Spielerkabine zu tragen. Wie einen Schatz hielt der Dortmunder Trainer seine erste in Deutschland gewonnene Trophäe dabei mit einem verschmitzten Lächeln in beiden Händen. Das 2:0 (0:0) über die Münchner im Supercup, bei dem der Bayern-Herausforderer aus dem Revier seinen forschen Worten Taten folgen ließ, machte nicht nur den Fußball-Lehrer stolz. „Wenn es bis zum Ende der Saison so weitergeht, unterschreibe ich das“, kommentierte Marco Reus. Wie der BVB-Kapitän wirkte auch Torschütze Jadon Sancho ermutigt: „Das kann unser Jahr werden.“

Den Auftritt der Dortmunder werteten alle Beobachter als erste und ernste Warnung an den FC Bayern. Mit einer über weite Strecken soliden Abwehrleistung und sehenswertem Konterfußball deutete die Borussia an, dass es nicht vermessen war, den Titel erstmals seit Jahren als Saisonziel auszugeben. „Wir wissen, dass es heute nicht der Meistertitel war und bewerten das sicher nicht über“, sagte der aus Hoffenheim gekommene Neuzugang Nico Schulz, verwies aber auf die inspirierende Wirkung des Erfolgs: „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir da sind und in dieser Saison versuchen, vor den Bayern zu landen.“

Schon bei seiner ersten Spielanalyse sorgte Coach Favre dafür, dass seine Profis nicht die Bodenhaftung verloren. Bei aller Freude über den Erfolg nach Toren von Paco Alcácer (48.) und Sancho (69.) pflegte der Schweizer wieder seinen Ruf als Perfektionist. „65 Prozent Ballbesitz für die Bayern sind zu viel. Wir müssen viel geduldiger den Ball halten. Von links nach rechts, von rechts nach links, damit wir Zeit haben, uns zu ordnen“, kommentierte Favre die hohe Fehlerquote im Aufbau.

Gut möglich, dass die Borussia mit allen Neuzugängen in Zukunft auch gegen die Bayern dominanter auftreten kann. Denn im ersten Kräftemessen der Saison zwischen den beiden Branchenführern fehlten in Mats Hummels (München), Julian Brandt (Leverkusen), Thorgan Hazard (Mönchengladbach) und Mateu Morey (Barcelona) gleich vier der fünf im Sommer verpflichteten Profis. Dass dennoch der Supercup im Trophäenschrank landete, wertete den Erfolg zusätzlich auf. „Wir fühlen uns sehr wohl mit dem Kader und haben in der Vorbereitung schon gemerkt, dass einige Dinge ziemlich gut funktionieren“, sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Applaus auch für Hummels

Noch sind die Umbauarbeiten nicht abgeschlossen. Zumindest auf der Abgabeseiten sieht Zorc noch Handlungsbedarf, um den zu großen Kader zu reduzieren. Allerdings scheint Raphael Guerreiro, dem Kontakte zu Paris Saint-Germain nachgesagt werden, nicht mehr zum Kreis der Verkaufskandidaten zu zählen. Der vielseitig einsetzbare Portugiese zählte beim Sieg über die Bayern zu den Besten. „Rapha ist ein sehr, sehr guter Spieler. Sehr clever“, schwärmte Favre, „wir hoffen, dass er bleibt. Er wird bleiben.“ Es sorgte für zusätzliche Freude, dass auch Rückkehrer Hummels im Konfettiregen der Siegerehrung von den Fans mit Applaus bedacht wurde. Offenbar haben sie ihm sein dreijähriges Intermezzo beim Erzrivalen aus München verziehen.

Dass Angreifer Robert Lewandowski im Anschluss an die Partie erneut Verstärkungen forderte und Kimmich bei seinem Tritt gegen Sancho in der 76. Minute nur knapp der Roten Karte entging, sorgte bei den Bayern nur 13 Tage vor dem Ligastart für zusätzliche Aufregung. Trainer Nico Kovac wirkte bemüht gelassen: „Wir haben ein solides Spiel gemacht, kein gutes Spiel. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

Ausreden, dass es dem Team angesichts der nur begrenzten Bedeutung des Supercups möglicherweise an Anspannung gefehlt haben könnte, wollte Kimmich nicht gelten lassen: „Ich glaube, dass jeder von uns bei 100 Prozent gespielt hat. Wir fahren jetzt nicht nach Hause und sagen, war ja nicht so wichtig.“ Allen Warnsignalen zum Trotz riet Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu Gelassenheit: „Wir können viele Erkenntnisse aus dem Spiel ziehen, aber ich bin nicht nervös.“ dpa