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Fußball Bayern-Trainer findet nach dem Sieben-Tore-Spektakel gegen Mainz deutliche Worte / „Hoffe, dass das ein Weckruf genug war“

Flicks begrenzter Spaß an der riskanten Zockerei

Archivartikel

München.Mit dem Gute-Laune-Hansi ist es in München gerade vorbei. Ohne Corona hätten über 70 000 Fans garantiert ihre helle Freude am Sieben-Tore-Spektakel ihrer Comeback-Bayern gegen lange furios aufspielende Mainzer Abstiegskandidaten gehabt. Aber Hansi Flick hatte beim Münchner Fußball-Opening 2021 nur noch bedingt Spaß an der zur Gewohnheit werdenden Aufholjagd. „Ich hoffe, dass das ein Weckruf genug war. Man kann das nicht in jedem Spiel wieder so gut machen“, sagte Flick nach dem 5:2 nach 0:2. „Ich kann auch laut werden, kein Problem“, verriet er zu seiner Halbzeit-Ansprache.

Zum achten Mal nacheinander gerieten die Titelsammler um das Giganten-Trio Robert Lewandowski, Manuel Neuer und Joshua Kimmich in der Bundesliga in Rückstand. Kein Spiel beendete der Tabellenführer als Verlierer, fünf Siege und drei Remis wurden noch erzwungen. 18 Punkte nach Rückstand nach 14 Spieltagen sind Rekord. Aber einer, der im engen Spielplan mit maximal noch 34 Partien in Liga, Champions League, DFB-Pokal und Club-WM bis Ende Mai „sehr anstrengend“ ist, wie der wertvolle Startelf-Rückkehrer Kimmich nachdenklich sagte. „Volle Attacke“ habe zur Pause die Ansage gelautet, erzählte Leroy Sané, der neben Kimmich, Niklas Süle und dem doppelt treffenden Lewandowski zum Fünf-Tore-Umschwung beitrug. „Bei uns sieht man schon, selbst wenn wir 0:2 hinten sind, da geht noch was. Wir haben genügend Qualitäten, um die Spiele umzudrehen“, sagte Kimmich. Aber die Spieler und erst recht Flick ahnen, dass die riskante Zockerei nicht auf Dauer gut gehen kann, gerade in den Spielen, wenn es wieder um die Trophäen gehen wird. Flick sprach Klartext: „In der ersten Halbzeit war unser Defensivverhalten nicht das, was man sich von einer Spitzenmannschaft vorstellt.“ Flick handelte aber auch: Zur Pause wechselte er Süle und Goretzka ein. Der entscheidende Schachzug aber war, Kimmich vom Zentrum auf die rechte Seite zu verschieben.

Lob für Kimmich

„Joshua hat in der zweiten Halbzeit gezeigt, wie man einen Außenverteidiger interpretiert“, sagte Flick. Es war ein Lob für Kimmich – und eine verbale Ohrfeige für Weltmeister Benjamin Pavard, der im Dauerformloch versinkt. Kimmich köpfte das 1:2, bereitete Sanés 2:2 vor und avancierte damit neben Neuer, der mit einem Reflex den Mainzer K.o.-Hieb zum 0:3 verhindert hatte, zum Matchwinner. Flick rühmte nicht nur die „top Mentalität“ des während seiner wochenlangen Knieverletzung so schmerzlich vermissten Kimmich. „Er ist einfach auch ein genialer Fußballer. Er ist auf der Position Sechs oder als Außenverteidiger aktuell mit der Beste.“ Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auf der Welt, meinte Flick.

Neben Kimmich und Neuer können sich die Bayern auch im neuen Jahr gleich wieder auf ihren Weltfußballer 2020 verlassen. Wie bei den 2:1-Kraftakten gegen Wolfsburg und in Leverkusen vor Weihnachten bejubelte Lewandowski wieder einen Doppelpack. Auf 19 Tore kommt der Bayern-„Bomber“ der Gegenwart nach 14 Spieltagen. Das veranlasste Rekordnationalspieler Lothar Matthäus zur Prognose, dass Gerd Müllers fast 50 Jahre alte 40-Tore-Marke in dieser Saison mehr als nur wackeln wird: „Ich bin überzeugt, dass er den Rekord bricht.“

Flick genügt es freilich nicht, wenn er sich nur auf Lewandowski, Neuer oder Kimmich ständig verlassen kann. „Wir müssen versuchen, dass jeder Einzelne wieder an die Leistungsgrenze kommt.“ Einen Schritt nach vorne machte immerhin Sané. Nach dem Tiefpunkt seiner Ein- und Auswechslung in Leverkusen verließ der begnadete Dribbler diesmal „zufrieden“ mit sich selbst die leere Arena. 

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