Fußball

Fußball Weltmeister von 2014 hat Manchester United angeblich abgesagt / Perspektive in München besser – aber PSG lockt

Führt Boatengs Weg nach Paris?

Rottach-Egern.Dass auf den Handys der Bayern-Chefs im Poker um Jérôme Boateng noch eine Nummer mit der Landesvorwahl 0044 anruft, ist nicht zu erwarten. Der umworbene Weltmeister von 2014 soll Manchester United abgesagt haben, für das kolportierte Interesse des FC Arsenal gibt es bislang wenig Belege. Wenn Boateng geht, dann wohl zu Paris Saint-Germain. Die Franzosen haben bis Ende August Zeit. Für einen überraschenden Wechsel von Boateng in die Premier League müsste es rasend schnell gehen. An diesem Donnerstag schließt das Transferfenster der finanzstärksten Spielklasse Europas.

Nach Medienberichten hat Boateng Man-United-Trainer José Mourinho telefonisch abgesagt. Der Innenverteidiger sehe seine größeren sportlichen Perspektiven für einen erneuten Champions-League-Sieg in München, soll er dem Portugiesen erklärt haben. Auch ein Gespräch mit Bayern-Trainer Niko Kovac soll Boatengs Kalkül beeinflusst haben. Der Inhalt des Boateng-Gesprächs ist nicht überliefert.

50 Millionen Euro plus X

Ohnehin wären die Clubs nur schwer ins Geschäft gekommen. Manchester United soll angeblich 25 Millionen Euro an Ablösesumme für den Innenverteidiger veranschlagt haben; zu wenig für den deutschen Fußball-Rekordmeister. Für den langjährigen Leistungsträger ist eine diskutable Ablöse 50 Millionen Euro plus X.

Kann Paris diese Summe stemmen? Um neue Spieler holen zu können, muss PSG noch höhere Transfereinnahmen verbuchen, um nicht gegen die Financial-Fairplay-Bedingungen der Uefa zu verstoßen. Das erschwert einen möglichen Wechsel zum neuen Club des ehemaligen BVB-Coaches Thomas Tuchel erheblich.

Boateng selbst kommt es vor dem seit Wochen spekulierten vermutlich dann letzten großen Karrieresprung auf zwei Punkte an: Das Gehalt soll im Idealfall höher sein als bei seinem bis 2021 dotierten Bayern-Vertrag. Und die Chance auf Erfolge in der Champions League müssen gegeben sein.

In München ist diese Möglichkeit in jedem Jahr da. In den vergangenen Spielzeiten fehlte nicht viel auf dem Weg in das erste Finale seit dem Triumph von 2013. Das größere Grundlagentraining soll den Münchnern nun auch einen längeren Atem für die heiße Saisonphase verschaffen. „Es ist wichtig, dass alle Spieler 100 Prozent fit sind. Wenn alle fit sind, haben wir eine große Chance“, sagte Franck Ribéry in Rottach-Egern.

Wie weitere Mitspieler sprach sich der 35-jährige Franzose für den Verbleib von Boateng aus. „Jérôme und seine Präsenz sind sehr wichtig. Wenn er 100 Prozent fit ist, sind wir defensiv gut drauf.“ Das war der 73-malige Nationalspieler aber zu oft in den vergangenen zwei Jahren eben nicht. Seit einer schwerwiegenden Muskelverletzung Anfang 2016 wurde er wiederholt von seinem muskulösen Körper gestoppt.

Klare Signale pro Boateng gab es auch vom Trainer. Kovac setzt darauf, dass der 2011 von Manchester City verpflichtete Abwehrstar einer seiner „fantastischen“ Innenverteidiger bleibt. Zwar bewiesen auch schon Allrounder Javi Martínez und der 22-jährige Niklas Süle – nicht zuletzt beim Boateng-Ausfall gegen Real Madrid – große Klasse in der Innenverteidigung.

Pavard wäre ein Ersatz

Doch nach einem Abgang von Boateng könnten Verletzungsprobleme große Personalsorgen für die Defensive mit sich bringen. Weltmeister Benjamin Pavard (22) vom VfB Stuttgart könnte im Falle eines Boateng-Wechsels für Abhilfe sorgen. Den Zugang in diesem Sommer hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zumindest zuletzt ausgeschlossen. Pavard beendete auf eigenen Wunsch vorzeitig seinen Urlaub und startete in die VfB-Vorbereitung. Indizien für einen baldigen Wechsel soll es nicht geben.

Bis zum 31. August könnte der Boateng-Poker noch andauern, die höchste Ablöseeinnahme der Münchner bleibt in Aussicht. Bislang gab es für den Wechsel von Douglas Costa zu Juventus Turin geschätzte 40 Millionen Euro und damit am meisten Geld. dpa