Fußball

Fußball Neuer Augsburg-Trainer will Leidenschaft sehen

Für Heiko Herrlich passt es beim FCA zu 100 Prozent

Archivartikel

Augsburg.Als den neuen Augsburger Trainer Heiko Herrlich die Nachricht von Stefan Reuter erreichte, schlummerte der 48-Jährige schon tief und fest. „Ich glaube, die SMS kam um Viertel vor Elf oder so. Ich habe aber ab zehn geschlafen“, schilderte Herrlich den Kontaktversuch vom Sonntagabend. „Am nächsten Morgen habe ich mich dann zurückgemeldet.“ Am Montag erfolgte nach nur elf Monaten beim kriselnden Tabellen-14. der Fußball-Bundesliga die Trennung von Martin Schmidt; einen Tag später wurde sein Nachfolger präsentiert. Herrlich, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022 erhielt, soll den Abstieg der Schwaben verhindern.

„Wir hatten große Sorgen, dass wir unser Ziel nicht erreichen können, weil es in die falsche Richtung geht“, begründete Manager Reuter das überraschende Aus von Schmidt. „Es war eine sehr gefährliche Entwicklung zu beobachten, und die Situation hat sich zugespitzt.“

Nach sechs Niederlagen in acht Rückrundenspielen und nur noch fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang wünscht sich Reuter schnell andere Auftritte – und vor allem Ergebnisse. „Ich glaube, dass Heiko für Gier, Leidenschaft und Siegermentalität steht.“ Zwar habe die Mannschaft immer viel Lob bekommen, doch das sei eben auch gefährlich, warnte der Sport-Geschäftsführer.

Der frühere Regensburger und Leverkusener Trainer Herrlich spielte lange Jahre mit Reuter in Dortmund zusammen. Aus dieser Zeit brachte er gleich eine Warnung mit. „Wir haben das in unserer gemeinsamen Vergangenheit mal erlebt“, erinnerte Herrlich. Eine mit einer Rekordsumme verstärkte BVB-Mannschaft sei immer tiefer in der Tabelle abgerutscht – und erst spät von Udo Lattek gerettet worden.

Die Schwierigkeit der aktuellen FCA-Notlage „müssen wir der Mannschaft so schnell wie möglich vermitteln“, sagte Herrlich. „Spieler unterschätzen, wie schwierig die Situation ist.“ Sieben Trainingseinheiten hat Herrlich bis zu seiner Premiere am Sonntag gegen Wolfsburg. „Meine Mannschaften haben in den letzten Jahren eigentlich immer gezeigt, dass wir Fußball mit Leidenschaft und Biss spielen wollen. Das sind Dinge, für die auch Augsburg steht“, sagte Herrlich.

Nach dem Aus in Leverkusen Ende 2018 verfolgte der frühere DFB-Juniorentrainer den Fußball weiter intensiv, hospitierte bei verschiedenen Teams. Anfragen gab es laut Herrlich auch, sogar ein „paar exotische Geschichten“ aus China oder Dubai. Und aus der Bundesliga. „Aber es war nie so konkret, dass ich gesagt habe, jetzt passt es 100 Prozent“, sagte Herrlich. dpa