Fußball

Fußball: Mit 2:1-Sieg in Tschechien macht die deutsche Nationalmannschaft einen weiteren Schritt Richtung Weltmeisterschaft

Glanzlos durch die Prager Nacht

Archivartikel

Prag.Der erhoffte spätsommerliche Kurz-Trip ins „Moldau-Florenz“ geriet für die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu einer herbstlich-unterkühlten Angelegenheit. Ein paar Unerschrockene quälten sich im Dauerregen und bei gerade eben so zweistelligen Temperaturen über die malerische Karlsbrücke, ansonsten mussten die unzähligen Kneipen in der Prager Altstadt herhalten, um für die notwendige Kurzweil bis zum Anpfiff des WM-Qualifikationsspiels zu sorgen.
Am Auftritt des DFB-Teams gegen Tschechien hatten die schwarz-rot-goldenen Anhänger wenigstens ein bisschen mehr Vergnügen als am tristen Wetter: Mit einem glanzlosen 2:1 (1:0)-Arbeitssieg holte der Weltmeister aber den siebten Dreier im siebten Quali-Spiel – und kann das Ticket für Russland 2018 vielleicht schon bei der Begegnung gegen Norwegen am Montag in Stuttgart klarmachen. Mats Hummels erzielte drei Minuten vor dem Abpfiff den ein wenig glücklichen Siegtreffer.
„Wir haben eindeutig zu viele Fehler gemacht“, gestand Kapitän Thomas Müller. „Tschechien stand zwar im eigenen Stadion mit dem Rücken zur Wand, aber wir haben ihnen im Spielaufbau zu oft den Ball serviert und uns so selbst das Leben schwer gemacht“, meinte der Bayern-Spieler.
Dennoch hielt eine fast unglaubliche Serie: Noch nie in ihrer Geschichte hat eine DFB-Auswahl ein WM-Qualifikationsspiel auswärts verloren. Von 46 Partien auf fremdem Platz hat Deutschland nun 36 gewonnen, die einzigen Niederlagen in der WM-Quali setzte es zu Hause: im Jahr 1985 0:1 gegen Portugal in Stuttgart, 2001 ein denkwürdiges 1:5 in München gegen England.
Werners frühe Führung
Bevor die deutsche Mannschaft ihre fußballerische Extraklasse zeigen durfte, sorgten leider einige unserer Landsleute für Fremdschäm-Momente. Während der Hymne des Gastgebers sangen etwa 150 Idioten ein Lied der unsäglichen Böhsen Onkelz und skandierten tatsächlich „Scheiß DFB“, damit nicht genug, wurde auch noch eine Schweigeminute für zwei verstorbene tschechische Verbandsoffizielle mit Zwischenrufen gestört.
Dann wurde zum Glück Fußball gespielt, und der Weltmeister legte einen Auftakt hin, den man gemeinhin als Traumstart beschreibt. Hummels spielte nach einem tschechischen Ballverlust blitzschnell auf Mesut Özil, der wiederum in der Mitte Timo Werner bediente – und nach nur vier Minuten stand es 1:0 für das DFB-Ensemble.
Aber weil die Löw-Elf die Angelegenheit mit der frühen Führung im Rücken offenbar ein bisschen auf die leichte Schulter nahm, kamen die Tschechen zu Gelegenheiten, die Abstimmung in der deutschen Defensive passte des Öfteren nicht: Jan Boril prüfte aus 20 Metern ter Stegen.
Die Weichen schon Mitte der ersten Halbzeit auf Sieg zu stellen, verpasste auf der Gegenseite der gebürtige Speyerer Lars Stindl, dessen Direktabnahme nach Müllers Zuspiel von Schlussmann Tomas Vaclik glänzend pariert wurde (20.). Bei aller Dominanz und viel Ballbesitz wirkte die DFB-Abwehr bis zur Pause bei schnell vorgetragenen tschechischen Angriffen aber weiterhin nicht sattelfest und hatte Glück, dass das Schiedsrichtergespann Jakub Jankto knapp im Abseits sah (36.) – sonst wäre die Großchance zum Ausgleich dagewesen.
Am Gesamtbild änderte sich auch im zweiten Durchgang nichts: Die deutsche Mannschaft kombinierte gefällig bis an den gegnerischen Strafraum, wo es aber an der nötigen Präzision, den Ideen sowie der Durchschlagskraft mangelte, und wirkte andererseits bei den Angriffen der Tschechen anfällig. Löw versuchte mit der Hereinnahme von Antonio Rüdiger die offensichtlichen Defensivschwierigkeiten seines Teams zu lösen, aber gezittert werden musste weiter. Der Berliner Darida bestrafte die deutschen Nachlässigkeiten, als er den Ball aus 25 Metern furios zum Ausgleich in den Winkel zirkelte (78.). Doch die DFB-Elf kam noch einmal zurück: Özil flankte einen Freistoß genau auf den Kopf von Hummels, der zum 2:1 ins lange Eck einköpfte (87.).

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