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Fußball Nach seiner Fundamentalkritik an der VfB-Vereinsführung darf Guido Buchwald im Stuttgarter Aufsichtsrat bleiben

Gnade für den Weltmeister

Stuttgart.Guido Buchwald knickte ein. Eine öffentliche Entschuldigung und die Gnade der Bosse des VfB Stuttgart sicherten dem Weltmeister von 1990 seinen Posten beim schwäbischen Fußball-Bundesligisten. Als Ergebnis einer mit Spannung erwarteten Sitzung am Dienstagabend bleibt der 57-Jährige im Aufsichtsrat. Sein Bedauern über die Kritik an VfB-Sportvorstand Michael Reschke wird auf der VfB-Homepage offiziell dokumentiert.

„Ich habe mit dem Präsidenten, dem Präsidium und dem Vorstand intensive Gespräche geführt und erklärt, dass meine aus einer Emotion heraus getätigten medialen Äußerungen ein Fehler waren, den ich sehr bedauere“, wird Buchwald zitiert. „Es lag mir fern, dem VfB und den Verantwortlichen damit Schaden zuzufügen.“

Die Zitate des Ehrenspielführers veröffentlichten die Schwaben gemeinsam mit Aussagen von Reschke sowie VfB-Präsident Wolfgang Dietrich, die die Entschuldigung annahmen und auf eine weitere Zusammenarbeit setzen. Zuvor war kolportiert worden, Buchwald könne seinen Platz in dem achtköpfigen Kontrollgremium verlieren. Aber hat der frühere VfB-Profi tatsächlich so viel falsch gemacht?

Kohler versteht Buchwald

In einem „Sport1“-Interview hatte Buchwald Sportvorstand Reschke und die Entscheidungen kritisiert, dem ehemaligen Trainer Tayfun Korkut und dem früheren Bayern-Verteidiger Holger Badstuber längerfristige neue Verträge zu geben. Zudem hatte Buchwald sich für eine breitere sportliche Kompetenz im Verein ausgesprochen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung am 1. November war ungünstig, einen Tag später spielten die Stuttgarter gegen Eintracht Frankfurt. Mit dem Inhalt aber sprach Buchwald durchaus Punkte an, die auch von anderen kritisch gesehen werden.

Schließlich fand der verletzungsanfällige Badstuber, vergangene Saison noch ein Stabilisator, in der aktuellen Spielzeit noch überhaupt nicht zu seiner Form. Korkuts Ära in Stuttgart endete nur drei Monate, nachdem er einen neuen Vertrag bis 2020 unterschrieben hatte.

Auf die Tatsache, dass Reschke das alleinige sportliche Sagen hat, reagierte VfB-Präsident Wolfgang Dietrich inzwischen mit der Ankündigung, einen Technischen Direktor einstellen zu wollen. Auch den geringen sportlichen Sachverstand hatte Buchwald bemängelt. „Herr Reschke ist der Sportvorstand und wir müssen ihn in der momentanen Lage einfach unterstützen. Aber ganz ehrlich: Mir wäre eine breitere sportliche Kompetenz im Verein für die Zukunft sehr wichtig“, hatte der Stuttgarter Meisterspieler von 1992 gesagt.

„Ich glaube schon, dass es seine Pflicht als Aufsichtsratsmitglied ist, darauf aufmerksam zu machen, wenn etwas nicht so läuft“, sagte der Ex-Waldhöfer Jürgen Kohler, der 1990 gemeinsam mit Buchwald Weltmeister geworden war. Der richtige Weg wäre gewesen, die Kritikpunkte zunächst intern anzusprechen. Danach könne er dies durchaus auch öffentlich kundtun. dpa