Fußball

Fußball Bergamo nach 4:3-Sieg in Valencia im Viertelfinale der Champions League / Fans spenden 40 000 Euro für ein Krankenhaus

Große Geste der Atalanta-Fans

Archivartikel

Valencia/Bergamo.Auch im Moment ihres größten Erfolgs galten die Gedanken der Atalanta-Fußballer ihrer so leidenden Heimatstadt. „Bergamo, das ist für dich. Gib nicht auf“, stand auf einem weißen Leibchen, das die Spieler nach dem 4:3 (2:1)-Triumph am Dienstagabend in Valencia in die Kamera hielten. Während das Überraschungsteam in seiner famosen Champions-League-Premierensaison in Spanien den Einzug ins Viertelfinale feierte, kämpft 1000 Kilometer entfernt eine ganze Stadt gegen die Ausbreitung und die schlimmen Folgen des Coronavirus.

Bergamo liegt in einer der am härtesten von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffenen Gegenden Italiens, Ärzte vergleichen die Lage in den überfüllten Kliniken teilweise mit kriegsähnlichen Zuständen. In dieser Extremsituation ist der sportliche Erfolg der Fußballer fast wie ein Wunder. „Atalanta, danke für diese Freude. Die hatten wir gebraucht“, erklärte Bürgermeister Giorgio Gori.

Gegen die international erfahrenen Spanier hatte sich das junge Team um den deutschen Stammspieler Robin Gosens nicht stoppen lassen. Josip Ilicic erzielte alle vier Atalanta-Tore und räumte damit die letzten Zweifel nach dem 4:1 im Hinspiel aus. Damals feierte das Team von Trainer Gian Piero Gasperini im Mailänder Meazza-Stadion noch ein rauschendes Fußball-Fest vor 40 000 Fans – im Kampf gegen das Coronavirus sind solche Menschenmassen in Italien längst verboten.

Die „Gazzetta dello Sport“ titelte von einer „historischen Freude für Bergamo in der dunkelsten Stunde“. Statt vor der Fankurve im Estadio Mestalla feierten die Gäste-Kicker in der Umkleidekabine und im Teambus. „Das ist für alle, denen wir heute ein Lächeln schenken konnten“, schrieb der Verein zu einem Video bei Instagram. Coach Gasperini sagte: „Wir wissen, dass uns viele Leute zugesehen haben, die nicht nach draußen gehen können um zu feiern.“ Er will die Party im Juni nachholen, wenn auch das Virus „besiegt“ worden sei.

Hoffen auf Topduelle

Atalanta gehört nun zu den besten acht Teams des Kontinents und darf im Viertelfinale auf Duelle mit Starvereinen wie Bayern, Barcelona oder Real Madrid hoffen. Ob diese dann wieder Geisterspiele werden, ist noch unklar.

Die Fans hätten sich jedenfalls verdient, einen Flutlicht-Abend wie den von Valencia live im Stadion zu erleben. Die Atalanta-Ultras zeigen nämlich große Solidarität mit den medizinischen Helfern in ihrer Stadt und spenden die gesparten Ticketkosten für Valencia an ein ausgelastetes Krankenhaus in Bergamo. Die erstatteten Eintrittspreise vom Rückspiel in Höhe von 40 000 Euro gehen demnach an die Klinik „Papa Giovanni XXIII“.

„Dieser Abend hätte einer der schönsten in unserer Geschichte sein sollen, aber die Notlage rückt alles andere in den Hintergrund“, hieß es in dem Eintrag der „Curva Nord“ bei Facebook. „In diesen Wochen gibt es in unserer Stadt und unserer Provinz Helden, die sich der Situation stellen, die mit unzureichenden Mitteln und in beschwerlichsten Schichten arbeiten für die Gesundheit von ALLEN.“ dpa