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Fußball Die ungewöhnliche Initiativbewerbung als DFB-Präsidentin gilt als chancenlos

Groth, die Vorkämpferin

Düsseldorf.An einem Pokalabend im April reichte es Ute Groth mal wieder. Als DFB-Interimsboss Rainer Koch im Fernsehen über die Suche nach einem Nachfolger des gerade zurückgetretenen Verbandschefs Reinhard Grindel sprach, fasste sie einen Entschluss. „Da hatte ich den Eindruck, jetzt wird der Posten wieder unter den gleichen zehn Leuten ausgemacht. Eine Frau könnte man sich zwar vorstellen, aber eher lieber nicht. Da habe ich gedacht, jetzt kommt wieder alles wie es vorher war, jetzt musst du etwas tun.“

Vier Monate später und kurz vor der Verkündung des designierten neuen starken Mannes beim Deutschen Fußball-Bund spätestens am 21. August ist klar, dass Ute Groths ungewöhnliche Initiativbewerbung eine Randnotiz in der bewegten DFB-Historie bleiben wird. Deutlich ist aber auch, dass die in der großen Fußball-Welt komplett unbekannte Vorsitzende des Breitensportvereins DJK TuSA 06 Düsseldorf ein gutes Näschen hatte.

Ein Zirkel wählt aus

Der künftige DFB-Präsident wird auserkoren von einer sechsköpfigen Findungskommission von DFB und Deutscher Fußball Liga um Koch und DFL-Chef Christian Seifert unter Mithilfe der Personalberatung Egon Zehnder. „Das ist, was die Menschen dem DFB ankreiden. Dass das ein Zirkel ist, der sich mit sich beschäftigt, und was draußen passiert, ist da gar nicht wichtig“, sagte Groth. Groth wusste von Anfang an, dass sie nicht DFB-Präsidentin werden würde. Darum ging es letztlich auch gar nicht. Nicht einmal in der DFB-Zentrale in Frankfurt war sie bislang. „Da kommt ein normaler Vereinsmensch auch nicht hin“, sagt die 60-Jährige ohne Verbitterung, aber mit einem ironischen Unterton. Auf Missstände hinzuweisen, das ist ihr immerhin gelungen.

„Beim DFB dreht es sich um ganz viel Geld, um Glitzer und Glamour. Und um die Amateurvereine wird sich wenig gekümmert. Das hat mich geärgert. Deswegen habe ich gedacht, jetzt ist einer zurückgetreten, jetzt kann man seine Hilfe anbieten. Ich habe mich beworben, mit den Worten, dass es guttut, wenn jemand von außen dazukommt und andere Fragen stellt und andere Anstöße gibt“, sagte die Bauzeichnerin und Krankenhausplanerin.

Beim DFB redet man mit einem genervten Unterton über Groth. Offizielle Statements gibt es nicht, denn zur brisanten Personalie wird sich grundsätzlich nicht geäußert. Zu kompliziert ist die Lage, nachdem in Grindel der dritte Präsident in Serie verfrüht den Posten räumen musste. „Natürlich hat sie das Recht, sich zu bewerben“, heißt es aus Verbandskreisen. Ernst genommen wird die Kandidatur aber ganz sicher nicht. Man hat Wichtigeres zu tun in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt. Wenn der neue DFB-Chef am 27. September beim Bundestag im Amt installiert wird, wird Groth aber nach Frankfurt fahren, um sich die Zeremonie „anzusehen“.

Mit Fußball hatte die Kandidatin lange nichts am Hut. Durch ihre Familie kam sie auf einer England-Reise in Kontakt – und spürte die enorme Bedeutung des Spiels. Nun ist sie zur Vorkämpferin für 24 500 Amateurclubs geworden. dpa