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Fußball Mit den Millionen von Investor Lars Windhorst will Berlin im Konzert der Großen mitspielen / Europacup als erste Ziel

Hertha nimmt viel Geld in die Hand

Berlin.Existenzängste und Finanznöte plagen Hertha BSC trotz Corona-Krise und vieler offener Zukunftsfragen derzeit nicht. Dank Investor Lars Windhorst steht der Fußball-Bundesligist finanziell so gut da wie nie zuvor – und will das endlich auch sportlich nutzen. In der Sommerpause könnten noch einige Stars nach Berlin kommen. Vor dem ersten Mannschaftstraining am Dienstag sind die Erwartungen an Trainer Bruno Labbadia und den Big City Club so hoch wie lange nicht.

Welche finanziellen Möglichkeiten hat Hertha vor der Saison?

Im Oktober wird Windhorst mit seiner Beteiligungsgesellschaft Tennor 374 Millionen Euro in den Club investiert haben. Davon flossen in diesem Monat 50 Millionen, die vor allem in Transfers investiert werden sollen, im Herbst folgt das letzte Paket über 100 Millionen. Im Juni 2019 begann Windhorst mit den Zuwendungen und hält insgesamt schon 66,6 Prozent Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KgaA.

Können die Berliner jetzt um Ronaldo, Messi und Co. mitbieten?

Ganz sicher nicht. Allerdings ist Hertha in der Lage, Spieler zu verpflichten, die vor anderthalb Jahren noch völlig außer Reichweite gewesen wären. Namen wie die von Frankfurts Nationalkeeper Kevin Trapp, Luka Jovic von Real Madrid oder Ricardo Rodríguez vom AC Mailand wurden schon mit Berlin in Verbindung gebracht. Hertha will aber mit Bedacht verpflichten, nicht alles Geld sofort ausgeben und lieber mehrere Profis holen als nur einen großen Star.

Kann Hertha BSC auf noch mehr Geld hoffen?

Von Tennor selbst ist zunächst nicht mehr zu erwarten, aber es gibt andere Möglichkeiten. Gerade erfolgte die vorzeitige Trennung von Hauptsponsor Tedi – ein Jahr vor Ablauf des Vertrags. Deswegen wird ein neuer Geldgeber gesucht, der auch den noch freien Platz auf der Trikotbrust einnimmt. Tedi soll 7,5 Millionen Euro pro Saison gezahlt haben. Nun sollen nach Möglichkeit 20 Millionen Euro erlöst werden.

Wer hat eigentlich das Sagen beim Hauptstadtclub?

Manager Michael Preetz betont, dass die sportliche Kompetenz ganz bei Hertha liegt. Dafür wurde Arne Friedrich als neuer Sportdirektor installiert. Windhorst hält sich persönlich gerne im Hintergrund, durfte im Zuge des Deals aber zwei von neun Sitzen im Aufsichtsrat besetzen lassen. Diese nehmen der ehemalige Nationalkeeper Jens Lehmann und Wirtschaftsanwalt Thomas Werlen ein. Zudem wird Berater Marc Kosicke, zu dessen Klienten die Trainer Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann gehören, in beratender Funktion für Tennor tätig sein.

Muss sofort die Qualifikation für den Europapokal gelingen?

Nach Platz zehn in der Vorsaison muss es zumindest deutlich bergauf gehen. Es gebe „theoretisch keinen Grund, warum Hertha nicht auch einmal deutscher Meister werden sollte und in der Champions League oben mitspielt“, sagte Windhorst.

Wie groß ist der Druck auf Trainer Bruno Labbadia?

Die Erwartungen sind enorm, nachdem der 54-Jährige Hertha zum Aufschwung verhalf. Vom Fast-Absteiger ging es nach oben, dazu gab es auch wieder attraktiveren Fußball zu sehen. Vor dem Ligastart am 18. September hat Labbadia nun eine komplette Vorbereitung zur Verfügung, um eine Mannschaft nach seinen Wünschen auch noch mit viel Geld zu formen. dpa

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