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Fußball Berlins Trainer Pal Dardai lobt seine Mannschaft nach dem starken Auftritt gegen überforderte Fohlen / Lange Pause für Grujic

Hertha startet Spaß-Offensive

Archivartikel

Berlin.Hertha als Bayern-Jäger? Im Überschwang der Euphorie nehmen zumindest die Fans der Berliner die Rolle als Verfolger der übermächtigen Münchner schon gerne an. „Deutscher Meister Hertha BSC“, skandierten die Anhänger des Hauptstadtclubs glückselig nach der 4:2-Gala über Borussia Mönchengladbach. Der beste Saisonstart der Vereinsgeschichte erinnert nicht nur langjährige Beobachter an längst vergessene Glanzmomente. „Es war wie damals zu meiner Zeit“, schwärmte Coach Pal Dardai beim Training am Sonntag. „Als wir in der ersten halben Stunde den Gegner fast auseinander genommen haben. Das macht Spaß, auch den Fans.“

Fußball-Deutschland wundert sich vor der Englischen Woche mit Schlüsselduellen bei Werder Bremen am Dienstag und dem FC Bayern am Freitag über die neue Stärke des Hauptstadtclubs. War Hertha unter Dardai lange für kompakten, eher wenig attraktiven und defensiv orientierten Fußball bekannt, überraschten die Berliner nun auch den Club vom Niederrhein mit offensiver Finesse. „Wir wollten es spielerisch lösen, nicht kämpferisch“, erläutert Dardai den neuen Ansatz.

Gute Mischung

Zehn Punkte aus den ersten vier Spielen holte Hertha in der Bundesliga noch nie, durfte sich zumindest drei Stunden lang vor dem Bayern-Sieg beim FC Schalke 04 über die Spitzenposition freuen. „Dieses Jahr strebt jeder nach mehr, das sieht man. Wir sind fit und heiß“, sagte WM-Teilnehmer Marvin Plattenhardt. Und die kurzzeitige Tabellenführung? „Wenn wir so weiter machen, können Sie mir die Frage am Ende der Saison noch mal stellen.“ Die Kombination von älteren, erfahrenen Spielern wie Kapitän Vedad Ibisevic (34), Salomon Kalou (33) und Torwart Rune Jarstein (33) sowie Talenten um Arne Maier (19) und den Neuzugängen Javairo Dilrosun (20) und Marko Grujic (22) bietet Hertha eine ungekannte Flexibilität. Dazu sorgte Ondrej Duda (23) mit seinem vierten Tor im vierten Saisonspiel mit dem Schlusspunkt gegen überforderte Gladbacher für eine weitere Bestmarke des Hauptstadtclubs.

„Momentan ist das einfach eine gute Mischung. Man sieht, dass die Jungs Qualität haben“, freute sich Doppel-Torschütze Ibisevic. So wirbelte der überragende Dilrosun in seinem erst zweiten Bundesligaspiel die komplette rechte Seite der Gladbacher immer wieder durcheinander, legte das zwischenzeitliche 2:1 für Valentino Lazaro auf. „Er ist stark im Eins-gegen-Eins, ein Straßenfußballer, dynamisch – so einen Spieler hatten wir nicht im Kader oder in der Akademie“, sagte Dardai über die Neuverpflichtung aus der U 23 von Manchester City.

Einzig die Verletzung von Grujic trübt das Hochgefühl. Durch das harte Einsteigen von Patrick Herrmann zog sich der Leihprofi vom FC Liverpool einen Bänder- und Kapselriss im Sprunggelenk zu. „Seine Verletzung ist schmerzhaft. Seitdem ich bei Hertha bin, ist es der erste Ausnahmespieler im Mittelfeld. Er drückt dem Spiel den Stempel auf“, betonte der Coach und rechnete mit einer Ausfallzeit von „sieben, acht Wochen bis zu drei Monaten“.

So weit wie seine Fans will Dardai noch nicht denken: „Wenn es am Ende eine schöne Platzierung wird, Vierter, Fünfter, Sechster – sind wir alle zufrieden“, bleibt der Coach bescheiden.