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Fußball Vor den Bundesliga-Gipfel in Dortmund sieht der Bayern-Boss die Dortmunder in der Favoritenrolle und kündigt Abschied an

Hoeneß nimmt den Druck raus

München.Mit einem rot-weißen Fanschal stand Uli Hoeneß zur Geisterstunde in der Allianz Arena und wählte eine ungewöhnliche Bayern-Taktik: Demut statt Getöse! Tiefstapeln mit Kalkül hieß die Marschroute des wortgewaltigen Präsidenten nach dem glanzlosen Münchner 2:0 (1:0) gegen das schwarz-gelbe Fußball-Leichtgewicht AEK Athen in der Champions League. Denn wegweisend ist das Spiel der Spiele gegen das schwarz-gelbe Schwergewicht Borussia Dortmund.

„Wir sind nicht so arrogant, wie ihr alle glaubt“, flötete Hoeneß, der die Rollen im Bundesliga-Clásico entsprechend der Tabelle und dem bisherigen Saisonverlauf verteilte. „Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen, ich will einen Dreier einfahren. Dortmund hat bis jetzt eine sehr gute Saison gespielt. Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter zum ersten Mal seit langer Zeit.“ Bei den letzten zwölf Ligaduellen war jeweils der FC Bayern Tabellenführer und Dortmund in der schwierigeren Jäger-Rolle.

Sieben Punkte Rückstand drohen

Fast gönnerhaft ergänzte Hoeneß mit dem Hinweis auf die dominanten Münchner Meisterjahre seit 2012: „Die Dortmunder haben jetzt sechs Jahre lang diese Distanz zu uns gehabt, da dürfen sie jetzt auch mal vorne sein.“ Am Samstag (18.30 Uhr) könnte der Rückstand des FC Bayern von vier auf sieben Punkte emporschnellen, was vorerst eine Wachablösung im deutschen Fußball bedeuten würde.

„Wir dürfen auf keinen Fall verlieren“, sagte Torwart Manuel Neuer. Hoeneß baute schon mal vor: „Die Meisterschaft würden wir immer gerne haben, aber wenn es mal nicht so ist, wird der FC Bayern auch nicht untergehen.“ Der Präsident spürte nach dem Königsklassensieg dank Doppeltorschütze Robert Lewandowski, dass es sinnvoller erschien, die Kraftprobe mit dem jungen, frischen BVB-Express nicht noch zusätzlich aufzuladen. Der Druck auf die weiterhin um spielerische Lösungen ringende Mannschaft und Trainer Niko Kovac ist ohnehin am Limit. Hoeneß nahm also Dampf raus. Auch der Trainer darf weiterhin mit seiner schützenden Hand rechnen. „Die Saison hat gerade erst angefangen. Wir haben eine Mannschaft, die im Umbruch ist. Wir haben einen jungen Trainer, der sich hier reinarbeiten muss. Da muss man Geduld haben“, sagte der 66-Jährige. An seiner Aussage, er werde bis aufs Blut für Kovac kämpfen, habe sich „nichts geändert“.

Dieses Gelöbnis wird Kovac freuen, der sich nach dem zu 99 Prozent gelösten Achtelfinalticket in der Champions League kämpferisch gab: „Jetzt fahren wir nach Dortmund und werden zeigen, was wir können.“

Hoeneß zumindest ist immer auch für eine Überraschung gut. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung kündigte er seinen Abschied aus dem Amt des Präsidenten an: „Ich mache diesen Job noch zwei, drei Jahre und will meinem Nachfolger eine volle Kasse übergeben. Dann können sie mit dem Geld machen, was sie wollen.“ Über einen möglichen Nachfolger , sagte der 66-Jährige, der seit November 2016 nach einer Haftstrafe wieder Präsident des deutschen Rekordmeisters ist: „Es sollte jemand sein, der eine menschliche Seite hat. Und einer, der aus dem Fußball kommt. Wir müssen die eierlegende Wollmilchsau suchen. Das wird schwer. Wenn ich wüsste, der oder der kann das, würde ich nächstes Jahr aufhören.“

Winzige Fortschritte

Immerhin sah Hoeneß gegen Athen winzige Fortschritte, an die sich auch Neuer klammert: „Wichtig war, dass wir gewinnen und auch zu Null spielen und mit einem positiven Ergebnis in das wichtige Spiel gegen Dortmund gehen. Wir müssen uns nicht verstecken. Wir sind der FC Bayern!“ Es ist aber ein Bayern-Ensemble, in dem etliche (ältere) Akteure Altlasten des WM-Sommers und persönliche Befindlichkeiten mit sich herumschleppen.

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