Fußball

Fußball Bayern-Boss kanzelt unzufriedenen Marc-André ter Stegen ab / Kritik auch an Bundestrainer Joachim Löw

Hoeneß stellt sich vor Neuer

Archivartikel

München.Uli Hoeneß trat noch mal als polternder Wut-Bayer auf. Der in zwei Monaten scheidende Präsident verspürte nach dem geglückten Start des FC Bayern in die Champions League erheblichen Redebedarf – aber kaum zum Spiel. Dieser entlud sich nach dem 3:0 (1:0) gegen Roter Stern Belgrad am Mittwoch nahe Mitternacht in einem polemischen Rundumschlag zum aufgeregten Torwart-Disput in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Beim flammenden Plädoyer für Manuel Neuer wütete Hoeneß gegen dessen Rivalen Marc-André ter Stegen, den DFB und Joachim Löw, freilich ohne den Namen des Bundestrainers während seines Münchner Polterabends zu nennen.

„Wir werden den Leuten schon mal ein bisschen Feuer geben – das können wir“, drohte der 67-jährige Hoeneß am Ende seiner Tirade. Es wirkte wie eine gezielte Aktion der Bayern-Bosse, denn schon vor dem Anpfiff hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im TV-Sender „Sky“ das Thema Neuer/ter Stegen befeuert, als er „Klartext“ seitens des DFB und „ein Stück Dankbarkeit“ gegenüber Neuer einforderte.

Verschärfte Tonlage

Hoeneß verschärfte zweieinhalb Stunden später die Tonlage. Frontal griff er Barcelona-Keeper ter Stegen an, dessen öffentliche Klage über die erneute Reservistenrolle bei den ersten Länderspielen der EM-Saison gegen die Niederlande und Nordirland einen Disput auch mit Kapitän Neuer ausgelöst hatte. „Er hat überhaupt keinen Anspruch, da zu spielen“, stänkerte Hoeneß. Neuer habe nach der langen Fußverletzung seine „alte Form“ wiedergefunden. Daher könne es doch „gar keine Diskussion“ um die Nummer eins geben, meinte Hoeneß.

Dann kamen der Verband – und damit Löw – dran. „Ich hätte mir auch vom DFB mehr Unterstützung erwartet“, beschwerte sich Hoeneß. Das wiederum irritierte DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der am Donnerstag auf Nachfrage konterte: „Die Vorwürfe überraschen mich, und ich habe dafür auch kein Verständnis.“ Hoeneß erinnerte wiederum auch noch mal explizit an die Art der Ausmusterung der Ex-Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng im Frühjahr durch Löw.

„Wir kriegen ständig vom DFB Theater, zuerst die unmögliche Ausbootung, wie die drei Spieler schlecht behandelt wurden. Und jetzt dasselbe mit Manuel Neuer. Dass man das zulässt, dass ein Mitspieler (ter Stegen) in die Öffentlichkeit geht für ein Thema, das er nur mit dem Jogi Löw zu besprechen hat, das ist nicht in Ordnung! Wir werden uns das in Zukunft nicht mehr gefallen lassen, dass unsere Spieler hier beschädigt werden ohne Grund.“

Bierhoff nennt Fakten

Die Münchner Presse bedachte Hoeneß auch noch mit Kritik, weil sie nicht für Neuer Partei ergreife, während „die westdeutsche Presse“ den Ex-Gladbacher ter Stegen „extrem“ unterstütze, „als wenn er schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen hätte“. Neuer, der beim Pflichtsieg gegen Belgrad durch Tore von Coman, Lewandowski und Müller – anders als DFB-Rivale ter Stegen tags zuvor bei Barcelonas 0:0 in Dortmund – einen weitgehend beschäftigungslosen Abend erlebte, hielt seinen nächsten Beitrag zur eskalierenden Torwart-Debatte möglichst kurz. „Unterstützer zu haben, ist natürlich immer gut“, sagte er zur Rückendeckung der Münchner Bosse, die gerade das Ziel verfolgen, dessen Vertrag vorzeitig über das Ablaufdatum 2021 zu verlängern.

Der Bundestrainer bewies größtmögliche Dankbarkeit gegenüber Neuer übrigens, als er den Schlussmann trotz dessen langer Verletzungspause und fehlender Spielpraxis bei der WM 2018 ins Tor stellte – und nicht ter Stegen, der ihn davor top vertreten hatte. Bierhoff hob dieses Verhalten hervor. Neuer sei „entgegen einiger kritischer Stimmen die Nummer eins in Russland“ gewesen. Er sei auch nach dem eingeleiteten Umbruch „unser Kapitän“ und habe in den zwölf Länderspielen seit der WM zehnmal durchgespielt. „Das sind doch eindeutige und ganz entscheidende Statements der Trainer“, schlussfolgerte Bierhoff und ergänzte: „Man muss sich da schon die Fakten anschauen.“

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